Dienstag, 26. August 2008

Die Zeit

Montag, 25. August, München

Ich wandle über eine grüne Wiese, über Hügel, Anhöhen und flache Ebenen. Ich trage nichts bei mir, außer einem Rucksack, den Dingen, die ich am Körper trage und einen kunstvoll geschnitzten Holzstab mit verziertem Haltegriff. Auf halber Länge ist ein kleines silbernes Glöckchen befestigt. Es klingelt manchmal angenehm und mit leisem Ton, wenn ich durch die Wälder streife. Jedes Zeitgefühl habe ich verloren, manchmal frage ich einen der Bewohner nach Tag und Uhrzeit und erhalte zumeist bereitwillig Auskunft. Ich bin wunschlos glücklich, denn mehr brauche ich nicht. Der offene Himmel über mir wärmt meine Glieder bei Tag und die Äste der Bäume gewähren mir Unterschlupf bei Nacht. Auch auf abgelegenen Hochsitzen oder unter, aus Zweigen zusammengebauten “Nachtlagern”, habe ich schon übernachtet. Alles geht, wenn man nur will. Essen bekomme ich als kleines Almosen von Bauern oder den Bewohnern der umliegenden Dörfer. Ich muss nie betteln, sondern frage stets höflich, ob ich mich ein wenig stärken kann. Meistens bekomme ich, was ich begehre...ich habe alles, was ich brauche...nicht mehr, aber auch nicht weniger. Zeit spielt dabei keine Rolle...alles vergessen. Es ist schon vorgekommen, dass ich auf bei freundlichen Menschen neben Nahrung auch ein Lager für die Nacht bekommen habe. Mädchen waren manchmal dabei, aber das alles bedeutet mir nichts. Ich bin an der Liebe zerbrochen und wandere seitdem ohne genaues Ziel durch die Welt. Aus der Unkenntnis hinein ins Licht: das ist es, wovon ich träume, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Intimität ist nur noch reine Bedürfnisbefriedigung...so ab und an. That`s it. Eines Tages durchquere ich eine Höhle, deren Eingang ich erst bei genauerem Hinsehen entdecke, so versteckt ist er zwischen den Bäumen. Ich erspähe seltsame Zeichnungen an den Wänden, stumme Zeugen aus längst vergangenen Zeiten. Weiße Farben auf dunklem Stein. Ich verweile noch einen Augenblick, verlasse die Höhle wieder und setze meinen Weg fort. In der Ferne sehe ich ein kleines Gärtchen, dessen Anblick mich magisch anzieht. Ich gehe geradewegs darauf zu und betrete diesen “locus amoenus”. In dessen Mitte erblicke ich einen herrlich geschmückten Marmortempel. Der Garten ist symmetrisch und äußerst akkurat um die steinerne Opferstätte herum angelegt. Menschen sehe ich nicht, doch dafür vernehme ich ein leises, äußerst angenehmes Plätschern, dessen Ursprung ich nicht lokalisieren kann. Es muss aber ganz in der Nähe sein. Plötzlich fällt mein Blick auf einen bronzenen Springbrunnen in Form eines Drachens neben dem Tempel. Aus seinem Maul quillt beständig hellblaues Quellwasser und läuft in eine viereckige Steinschale zu Füßen des Lindwurms.
“Weil in der Still des Tempelgartens das Quellwasser aus dem Munde eins bronzenen Drachen in ein Steinbecken fällt, gibt es die Zeit.”
Es scheint, als hätte ich mich selbst gefunden, so selig bin ich in diesem Augenblick. Ich setze mich in das hellgrüne Gras und schließe die Augen. Fünf Stunden sollte ich schlafen, ehe ich wieder aufbreche und in meine alte Heimat zurückkehre. Mit der Zeit habe ich ein neues Lebensziel gefunden.

Montag, 25. August 2008

Lost in a dream

Sonntag, 24. August, München

Die Bank steht auf einem grünen Hügel und wirft einen schwarzen Schatten in der fahlen Abenddämmerung. Wir hatten uns vor einer halben Stunde hier verabredet und waren beide pünktlich gewesen. Wie schön sie wieder war, wie immer. Sie trug ein buntes, sonnengeblümtes Kleid und schwarze Pumps. Herrlich. Um über alles zwischen uns zu reden, hatte ich sie herbestellt. Aus meinem Rucksack krame ich eine Flasche Rotwein samt dazugehörigen Gläsern hervor. Wir sitzen, trinken und reden. Ich erzähle ihr alles, meine Liebe und Zuneigung zu ihr...die Sehnsucht. Sie legt ihren Kopf in den Nacken, bewegt ihn von links nach rechts und denkt nach. Lange antwortet sie nicht, lauscht meinem Monolog. Schließlich sagt sie doch etwas. Der Schatten ihrer schlanken Silhouette fällt im Mondlicht auf das grüne Gras der Anhöhe. Ich habe Angst vor dem, was sie sagt, weil ich ahne, was da kommt. So kann es nicht weitergehen, meine ich, meint sie. Zukunft? Gemeinsam! Nee, du! Das wird nichts. Das Gesagte trifft mich im Genick. Ich lamentiere nicht, ich akzeptiere ihr “nein”. Ich glaube, dass ich innerlich absolut damit gerechnet habe. Sie sagt, dass sie meine Liebe ja immer schon vermutet hat, aber es nie riskieren wollte, mich zu fragen. Ich starre blöd den Hügel hinunter. Sie schenkt sich den letzten Rest Wein aus der Flasche in ihr Glas, schwenkt es leicht hin und her und trinkt aus. Ich lege meine Hand um ihre Taille und schaue sie an. Sie ist so schön. Dann berührt sie mit den Fingern meine Schulter, haucht mir einen Kuss neben die Wange, steht auf und geht. “Nicht böse sein!”, ruft sie mir hinterher. Dabei lächelt sie nicht. Ich habe ihr alles gesagt und das was ich beinahe erwartet hatte, ist eingetreten. Alleine bleibe ich auf der Bank zurück. Mit der rechten Hand fahre ich mir langsam durchs Haar und beginne leise zu weinen. Der Mond steht genau über mir und erhellt meine Tränen.
Kurz nach Mitternacht erwache ich aus diesem Traum. Ein Glühwürmchen schwirrt hell-leuchtend in meinem Zimmer umher. RASTLOS. Der Lichtpunkt huscht wirr durch den Raum. Ich richte mich auf, bin schweißgebadet und starre kurz in die Dunkelheit. Nach dem Öffnen der Jalousie fliegt das Glühwürmchen wieder hinaus in die Nacht und ich lege mich wieder schlafen. Ob ich froh darüber sein soll, dass das Gespräch mit ihr doch nicht stattgefunden hat, weiß ich nicht.

Viele bunte Smarties

Samstag, 23. August, München

Kleine Pille...hellgelb mit vereinzelten roten Einsprengseln. Das Mädchen dreht und wendet sie unsicher und noch unentschlossen zwischen Daumen und Zeigefinger - fühlt sich gut an. Ihr Freund sieht sie mürrisch an, drängt sie zum Verzehr. UNGEDULD. Weiterfeiern - höher, schneller. Dann legt sie die Tablette langsam unter ihre Zunge und schluckt sie schließlich. Sie fühlt wohlige Wärme durch ihre Speiseröhre kriechen. RACHENRAUM. Dann geschieht vorerst nichts, absolut gar nichts. Die Droge wirkt mit Verzögerung. ZEITAUFSCHUB. Das Mädchen beginnt wilder und wilder zu tanzen, aber dann startet sie ihren Trip. Im Kopf wird alles weich und unstrukturiert. Die Grenzen der Realität verschwimmen, Konturen verblassen. Sie kann und will nichts anderes, als tanzen. Permanent, beständig und andauernd. Der Körper sagt irgendwann “stopp”, aber er spürt keine Müdigkeit und darum geht es immer weiter. Das Gehirn schaltet auf Durchzug, bemerkt keinen Schmerz. Totale ERSCHÖPFUNG als Folge. Dann ist der Akku leer - der Duracell-Hase steht, die Schellen in seiner Hand stehen still. Sie bemerkt noch ihre Beine, wie sie den Boden verlassen, abheben und sie schließlich schwebt. Vor ihren Augen blitzen und flackern die bunten Lichter...dann wird es schwarz. Dunkelheit umschließt sie. Sie fällt zu Boden, wird ohnmächtig und der schwer gewordene Kopf knallt auf den harten Betonboden. Ein dumpfes Geräusch, dann ist alles still. Der Notarzt schnallt das Mädchen auf eine Trage und schiebt sie in den bereitstehenden gelb-roten VW-Krankenwagen. Mit Blaulicht verschwindet er schließlich in der Dunkelheit.
Irgendwo passiert in Deutschland, am Wochenende, auch heute Nacht. Drogen allgegenwärtig. Ich sehe im Fernsehen einen kleinen Beitrag...schon älter. Die ganze Geschichte hätte so passieren können. Falsche Freunde, schlechter Einfluss. Machtkämpfe und “esanderenundsichbeweisenwollen”. Nach der Entlassung dann der Rückfall...ein neues Wochenende, eine neue Chance. Immer neue Drogen...besser, abgefahrener. Was kann man tun? Hände weg? Kiffen ist aber ok! - Nein ist es nicht! - Oh, schade...aber früher haben doch alle! - Ich bin dagegen! - Was du auch? Ich hab aber grad einen gebaut! - Na dann! - Also bist dabei? - Nee, lass mal...besser ist das.

Samstag, 23. August 2008

Warum und für wen?

Freitag, 22. August, München

Es ist soweit: Ich habe ein Motivationsproblem. Rat- und tatlos sitze ich vor meinen Unterlagen, vor meiner Arbeit, die erledigt werden muss. Ich komme nicht in die Gänge...mein Kopf scheint mit einem mal leergefegt worden zu sein. Alles ist aus dem Lot geraten, dabei weiß ich doch genau wie meine Aufgabe erledigt werden soll. Mittagessen...Pause: danach keine Besserung. ZUSTANDSBESCHREIBUNG - elend! Ich urteile rasch. Zu Hause habe ich einen Artikel rum liegen: was hilft gegen Aufschieberitis. Den muss ich demnächst wieder lesen. Darin steht durchaus Nützliches und es wäre doch gelacht, wenn ich mich nicht erholen könnte. Ich denke im Moment zu viel nach, über Dinge, die nichts mit meiner Arbeit zu tun haben. Für wen das alles? Wieso ziehe ich mein Ding so strikt, so konsequent durch? Wofür und warum...ich habe ja niemanden, den das alles großartig interessieren würde. Gäbe es konkret jemanden, der Interesse daran hätte, dann...SPEKULATION. Kaum Erfolg. Aussichten schlecht...Wünsche vorhanden, ganz konkret. Die Motivation ist im Arsch, so viel steht zunächst fest. Gut, Olympia ist auch noch...ABLENKUNG. Das ist bald vorbei, mein Liebesleid aber nicht, da ist noch nicht einmal annähernd etwas zu erwarten. Leider. Immerhin hat sich Sophie mal wieder gemeldet. Nächste Woche Kaffee? - Könnte klappen! Frage? - Hoffentlich nicht wieder rhetorisch. Ich bin guter Dinge, nehme an, dass es klappt. Let`s wait and see. Die, die im Frühjahr aus Südafrika kam, ist nun in Düsseldorf - der Oma geht es schlecht - Krankenbesuch! Steh ich voll und ganz dahinter. So schnell kommt sie nicht zurück. Wir werden, ja müssen uns treffen. Im Moment kaum Kontaktaufnahme. Oma ohne “www”, hinten wie vorne - Internetcafe als Lösung, jedoch teuer und zeitlich begrenzt. Sie wird sich melden, ich werde mich melden. Wann? Bald! - Morgen! Vielleicht! Wann sie wohl wieder zurückkommt. Ich beende diesen unmotivierten Tag. Draußen wird es schon nachmittags finster und es beginnt zu regnen.

Freitag, 22. August 2008

Hochhausbeleuchtung

Donnerstag, 21. August, München

Eine nette Runde, in der ich einige Leute treffe, die mit mir Abitur gemacht haben. Dann geht der Alkohol aus und ich fahre mit einem Abstinenzler zur Tanke...NACHSCHUB, der ein Vermögen kostet, aber egal. Wir legen dann noch ein paar leere Bierflaschen auf die Theke...dann wird das Ganze etwas billiger. Der Verkäufer wundert sich etwas.
Später fährt mich ein Kumpel dann nach Hause und um ein Uhr liege ich bereits in meinem Bett.
Alles ist gut...am Wasser, alles gut. Der Fluss scheint meine Sorgen für einige Zeit davon gespült zu haben. Ich genieße das sanfte Blubbern der Wellen und werfe kleine Steinchen ins Wasser. Patsch, poing...alles geht unter. Mit einer Flasche Bier in der Hand starre ich auf das Hochhaus gegenüber. In den Fenstern gehen nach und nach die Lichter aus. Die verbleibenden hellen Punkte gleichen einem beleuchteten Mosaik. Ich verliere mich in den Lichtpunkten.
Auch heute genieße ich die Natur hier in der grünen Lunge der Großstadt. Es musste irgendetwas passiert sein, denn sonst hätte sie sich gemeldet, da bin ich mir sicher. Ob ich sie liebe? - Gut möglich. Weiches Gras und ein gutes Buch. Ich lasse mich für kurze Zeit auf der Erde nieder und lese. Später geht es zurück in die Bibliothek...alles beim Alten. Die Sonne brennt durch die weiße Jalousie. Länger als zwei Stunden halte ich es so nicht aus. Dann Aufbruch....na immerhin.

Am Wasser

Mittwoch, 20. August, München

Ich sitze im Foyer meiner Fakultät und warte auf Nachricht von ihr. Dabei bin ich mir doch so sicher, dass sie sich melden wird. Ganz bestimmt. Es passiert nichts. Schließlich setze ich mich auf meine Fahrrad und mache mich auf den Weg in den Englischen Garten. Es ist sonnig, blauer Himmel, keine Wolken. Ich fahre beinahe im Schritttempo, um alles um mich herum zu genießen und mir näher zu betrachten.
Gestern Abend am Flaucher...lange nicht mehr dort gewesen. Mit mir zusammen verlassen dunkle und seltsame Gestalten die U-Bahnstation. Ich habe aus Prinzip etwas gegen Leute, die mit kahlem Schädel und Eisernem Kreuz durch die Welt streifen. Aus Prinzip. VERWIRRUNG. Ein Bekannter von mir feiert Geburtstag, nahe am Wasser, gemütlich. Ich finde die Meute zunächst nicht, laufe in die falsche Richtung, aber immer an der Isar entlang. VORWÄRTS. Ich muss umkehren...Blaulicht, Sirene. Ein Betrunkener war dem reißenden Fluss zu nahe gekommen, hineingefallen und musste gerettet werden. Der blondgelockte Held des Abends ist nun auch pitschnass, aber glücklich. Nichts passiert und was bleibt ist ein schwarzer Pantoffel, der die Isar hinab schwimmt. Ich stoße zu meiner Gruppe, begrüße einige mit Namen, die übrigen kenne ich nicht. Macht nichts...glücklicherweise ist der Grill noch an. Zwei Würste, Brot, Ketchup und Bier. Ich bin happy. Netter Abend, ordentliches Bier, ausgelassene Stimmung. Ich merke, dass ich wirklich schon sehr lange nicht mehr hier war. Das Geräusch des in sanften Wellen sprudelnden Wasser gräbt sich tief in meine Gehörgänge. RAUSCHEN.

Die Suche nach dem Schatz des Lebens

Dienstag, 19. August, München

Klingt kitschig, aber es lohnt sich wieder einmal über das Leben nachzudenken. Rumbasteln an der Seminararbeit...eigentlich eine intime Handlung. Berührung, flüchtig. Später dann muss ich los, wieder einmal. VORHANG ZU, ABGANG VON DER BÜHNE. Hinten klatscht niemand Beifall, vorne auch nicht. Inspiriert durch dieses Buch habe ich wieder Lust nachzudenken, über das Leben, über mein Leben. Auf einer Bank sitzend beginne ich zu lesen:
“Was sich ereignen wird, das können wir nicht vermeiden. Und was sich nicht ereignen wird, das können wir nicht erzwingen. Alles geschieht, weil es geschehen muss.” Gar keine so schlechte Einstellung, wie ich finde. Das ist toll...die Gedanken gehen weit.
“Der Wert einer Freundschaft zeigt sich gerade dann, wenn man sich nicht sehen kann.” Das geht in Richtung Buddhismus, keine schlechte Lebenseinstellung. Irgendwie möchte doch jeder im Leben nur seinen Frieden, seine Ruhe und innere Ausgeglichenheit finden. Ich mache mir da nämlich dann immer so meine Gedanken und beginne zu grübeln. Jeder Mensch kann seine Leben irgendwie auf die Reihe bekommen, ausgeglichen werden und innere Harmonie finden. Möglicherweise ist das die rechte Art zu leben. Bei uns ist alles Hektik, Trubel und Aufregung. KAUM RUHE. Um auf dem rechten Weg zu bleiben, muss man diszipliniert sein...ehrgeizig. Ich sollte die Sache mit den Frauen gelassener angehen und entspannt bleiben. Doch die innere Leere frisst mich beinahe auf. BEZIEHUNGSNOT, aber mal anders, nämlich so, dass man ja verzweifelt ist, wenn man keine führt. Andere sind glücklich, zumindest nach Außen hin. Wie sieht es in diesen Menschen aus? Leider kann man nicht in sie hineinsehen, zu schade. Oder doch besser? Mehr Schein, als sein. “Ohne Fürsorge ist niemand lebensfähig.” - SEHNSUCHT BRENNT! - “Hab` Vertrauen in dich!” - Ich werde es versuchen. - “Schau zum Himmel!” – Auch das.

Dienstag, 19. August 2008

Thomas Mann

Montag, 18. August, München

„Gibt es denn hier keinen Stuhl?! Schon früh am Morgen mache ich mich auf den Weg zur Filiale der großen Supermarktkette…Chucks für vierzig Euro, das lockt Kunden an; auch mich. Ich wollte mir schon lange welche kaufen und wenn ich zwanzig Euro sparen kann, dann mach ich das natürlich. Der Alte brüllt durch den Laden, verlangt nach einem Sitzmöbel und ist mit dem Schuhkauf am Ende schneller fertig, als ich. Allerhand. Begrenzte Anzahl, geringe Auswahl, aber schließlich finde ich doch ein ansprechendes Paar Schuhe. Mit einer Schachtel funkelnagelneuer Chucks verlasse ich den Laden.
Mittags treffe ich mich mit einer alten Schulfreundin…zum Sushi-Essen. Sehr lecker. Bei ihr steht am Donnerstag eine OP an. AUFREGEUNG. Am Wochenende werde ich einen Krankenhausbesuch machen. Wir plaudern über Dies und Das, alte Zeiten und vergangene Tage. Zukunftsaussichten, aber auch –ängste, Hoffnungen, Wünsche und Träume. Früher war alles besser. Stimmt nicht? Aber beinahe. Das klingt radikal. Sie sagt etwas sehr philosophisches zu mir, etwas, das ich zunächst nur bruchstückhaft wahrnehme. Später setzen sich die Einzelteile dann zusammen.
Vieles um uns herum ist kaputt, längst hinüber, zerstört. Wir merken es nur nicht, aber es ist da. Ungefähr so, wie im Tod von Venedig: Die Erdbeeren sind äußerlich schon modrig und sehen schlecht aus, obwohl sie noch gut schmecken. Umgekehrt natürlich auch. Äußerlich sieht alles noch gut aus, wobei es innerlich schon vollkommen hinüber ist. ZERFALL. Man muss sich umsehen, beobachten aufpassen und wird bemerken, dass es stimmt. Wie weise sie doch ist. Schlaues Mädchen…und das meine ich ernst. Erst viel später, bei einem MC Donalds-Besuch sollte ich feststellen, dass die Pommes Frites plötzlich viel dicker sind als früher…das muss neu sein. Wie so vieles. Augenblick verweile doch, du bist so schön. Früher war alles besser.

Alltag raus

Sonntag, 17. August, München

“Also das Allerschönste, was Füße tun können ist - Tanzen!” Lange nicht mehr gehört. War eine tolle Zeit damals...diese Achtziger, die ich ja nur die letzten sechs Jahre, sozusagen in ihrer Endphase erleben durfte...und dies nicht einmal bewusst. Wieder einmal so ein Sonntag, an dem man nicht so recht weiß, was man mit seiner freien Zeit anfangen soll. Immerhin scheint die Sonne und es ist warm. Ich gehe also durch die nahezu menschenleeren Straßen, soweit die Füße tragen. Es ist angenehm und kein Wölkchen trübt den strahlend blauen Himmel. Die Straßen sind grau, staubig und der Asphalt wirkt an manchen Stellen aufgeweicht und brüchig. Bei Teer erlebt man das ja manchmal, dass er in der prallen Sommersonne einfach so dahin schmilzt. Das ist natürlich heute nicht der Fall. Mit dem Fuß prüfe ich vorsichtig die Konsistenz, aber da ist nichts weich. Fatamorgana, Täuschung? - Luftspiegelung, eindeutig. So ein Spaziergang durch meinen Stadtteil kann an einem Sonntag schon ganz schön trostlos sein, aber dafür hat man seine Ruhe und wird durch Nichts und niemanden gestört.
Ansonsten ist dieser Tag kein Besonderer. Später wieder zu Hause...Boxen an, Mucke rein. Jaja, die 80er.

Sonntag, 17. August 2008

9,68 Sekunden

Samstag, 16. August, München

Das kann ich nicht glauben.
Es geht überhaupt nicht darum, DASS diese Zeit gelaufen wurde, sondern wie sie gelaufen wurde. Locker, lässig...100 Meter Sprint. Da ist noch Luft nach oben. Der Jamaikaner hält die Hände zur Seite und schlägt sich bereits vor der Ziellinie auf die Brust. Blanker Wahnsinn. Leicht, locker...legal? Man sollte nicht allen sofort Doping unterstellen, sonst könnte man die kompletten Spiele in Frage stellen. Muss nicht sein, kann aber...höher, schnelle, weiter. Der Zuschauer will das so und da ist Doping manchmal unumgänglich. Der deutsche Teilnehmer hat sich voll verausgabt und liegt in einem der Vorläufe schließlich siebzig Zehntel über Weltrekord...aber voll am Limit. Alles Weitere wird sich zeigen.
Ich sitze im Gras und suche nach viereckigen Kleeblättern, finde aber keine.
Damit verhält es sich wie mit dem Glück. Nicht der Suchende findet es, sondern das Glück findet den Suchenden. Es ist ein herrlicher Abend. Ein laues Lüftchen weht, die Sonne scheint, es ist nicht zu warm...angenehm. Im weichen Gras sitzt es sich gut...ich starre doof in die Gegend. Mal abwarten. Ich werfe einen der drei hellgelben Tennisbälle. Ein schwarzer Labrador kommt von irgendwo her aus den Büschen gesprengt und schnappt sich eine der Filzkugeln mit seinen sabbernden Lefzen. Dann ruft die Besitzerin nach ihrem Liebling...kommt schließlich selbst zu mir. Wow...sie ist hübsch.
„Wer ist sie? – Sie ist wunderschön!“ Trägt hellblaue, leicht zerrissene Jeans und lächelt...süß. Ihr blondes Haar flattert etwas im lauen Abendwind. Dann nimmt sie dem Hund den Ball aus dem Maul und wirft ihn mir zu. “Das macht er öfter...ist verrückt nach Bällen!”, ruft sie mir zu. Ich bin etwas irritiert, verwirrt, gebannt. Dann ist sie auch schon wieder mit ihrem Liebling hinter den nahe stehenden Bäumen verschwunden. Sie dreht sich nicht mehr um. “Kommst du öfter hier vorbei!”, will ich ihr noch hinter herrufen, aber zu spät. Wieder einmal...Ein Hormonstoß scheint durch meinen Körper zu schießen, denn für einige Minuten bin ich plötzlich wie aufgedreht. Die Euphorie ist schnell vorbei...Endorphine, Testosteron. Dann setze ich mich wieder nachdenklich ins Gras und pflücke überrascht ein Kleeblatt mit vier gleichmäßig geformten, grünen Blätter.

Samstag, 16. August 2008

Das Glück ist ein Esel...

Freitag, 15. August, München

Mein Armband aus Bergkristall besteht aus genau vierzehn rechteckigen kleinen Quadern. Was hat das zu bedeuten? Ich weiß darauf keine Antwort. In China ist die Acht eine absolute Glückszahl. Demnach müsste der August, der achte Monat des Jahres, ein guter sein. Ich bin mir nicht sicher, ob dem so ist. Überhaupt ist es mit dem Glück so eine Sache: wenn man gezielt danach sucht, dann findet man es nie. Es kommt eben meistens zu demjenigen, der nicht darauf vorbereitet ist und darum wird es auch allzu oft übersehen. Oder, man steht seinem Glück selbst im Weg, da man es nicht sieht und einfach achtlos daran vorbeiläuft. Wie häufig ich wohl bereits...Es ist eben so eine Sache, mit dem Glück. Da ist alles drin. Kann ich mein Glück finden und wenn ja, wo? Eigentlich kann jeder irgendwie und zu jeder Zeit glücklich und zufrieden werden. Sagt man so leicht, so flüchtig, so im Vorbeigehen, ohne groß nachzudenken. Aber...Das Glück ist eine Schlange: wendig, flink und kaum zu fassen. UNFASSBARKEIT...Das ist die Höhe.
Ab und an esse ich Glückskekse. Ich liebe das knackende Geräusch beim Öffnen und das Rascheln des kleinen eingebackenen weißen Zettels. Es ist immer wieder spannend. Ich erbreche den krossen Teigmantel und falte das schmale Stück Papier auf: “Gute Neuigkeiten von jemandem, der Ihnen nahe steht.” Das klingt doch toll. Ein Lächeln umspielt mein Gesicht. ZUVERSICHT. Normalerweise glaube ich ja überhaupt nicht an diese frommen Sprüche, aber diesmal ist das etwas anders. Spannung. Treffen nächste Woche? Ich werde ihr schreiben, muss es versuchen...das klingt positiv, kann eigentlich nur gelingen. Woran darf man sich klammern? An kleine weiße Zettel mit frommen Sprüchen? Nee...Humbug. Alles klar. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich packe das Papierchen neben mein Bett auf den Nachttisch und falle in einen tiefen Schlaf.

Freitag, 15. August 2008

Aufgemerkt!

Donnerstag, 14. August, München

Etliche Baustellen behindern meinen reibungslosen Weg zur Universität. Immer wieder Tempoverlangsamung, Bremsen, dann wieder voll beschleunigen. Mäßig verschwitzt komme ich nach rund vierzig Minuten Fahrzeit an. Alles klar. In der Bibliothek begegne ich Sandra, die auch an ihrer Arbeit schreibt...wie ich. Später unterhalten wir uns noch ein wenig.
"Orlando", Nähe Hofbräuhaus. Hier kostet die Apfelsaftschorle mehr, als eine Halbe Bier. Bizarr, aber ich wähle doch die Schorle. Ich setze mich an einen der hübsch zurechtgemachten Tische und starre ziellos in die Gegend. Der gesamte Platz scheint hier bereits dem berühmten Sternekoch Alfons Schuhbeck zu gehören. Inklusive "Orlando" gehören ihm mindestens drei oder vier Lokalitäten hier, wenn nicht sogar mehr. Selbst der Meister zeigt sich an diesem zumindest vormittags noch sonnigen Donnerstag und mischt sich unter seine Gäste, gibt sogar Autogramme und lässt sich mit aufgeregten Touristen fotografieren. Was für ein Leben...Abends kam dann der Regen. Mein Blick geht weit, zieht einen imaginären Kreis rund um den Platz. Ich sitze gerne und oft, beobachte Leute und denke nach. Neben mir wird geraucht...der Dunst zieht in meine Richtung. So viele Menschen, in der Masse und doch alleine. Sie hetzen, hasten und eilen ohne Rast...Strom des Lebens. Mitschwimmen? Was denn sonst! Ich bin einer von ihnen, kurze Zeit ausgestiegen, quasi in Parkposition, alleine an einem der Tische auf einem der Stühle sitzend. In wenigen Minuten werde auch ich mich wieder in den Lebensrhythmus einreihen und mit iden Leuten verschmelzen. Dann gebe ich meine solitäre Position auf, begleiche meine Rechnung, stehe auf und gehe zu meinem Fahrrad. Es ist eng, die Menschen drängen dicht an dicht durch die Straßen mit verschieden Zielen. Wohin will ich...also so in Zukunft meine ich? Wird sich zeigen. In die Zukunft sehen, das wäre prima. Nur zwei bis drei Jahre, das würde mir schon vollkommen reichen. So bleibt eben alles ungewiss, obwohl das Glück bereits hinter der nächsten Häuserecke warten kann. Man muss es nur suchen und finden, aber das ist gar nicht so leicht. Wie oft bin ich wohl schon daran vorbeigelaufen? Ich muss besser aufpassen!

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