Sonntag, 17. August 2008

9,68 Sekunden

Samstag, 16. August, München

Das kann ich nicht glauben.
Es geht überhaupt nicht darum, DASS diese Zeit gelaufen wurde, sondern wie sie gelaufen wurde. Locker, lässig...100 Meter Sprint. Da ist noch Luft nach oben. Der Jamaikaner hält die Hände zur Seite und schlägt sich bereits vor der Ziellinie auf die Brust. Blanker Wahnsinn. Leicht, locker...legal? Man sollte nicht allen sofort Doping unterstellen, sonst könnte man die kompletten Spiele in Frage stellen. Muss nicht sein, kann aber...höher, schnelle, weiter. Der Zuschauer will das so und da ist Doping manchmal unumgänglich. Der deutsche Teilnehmer hat sich voll verausgabt und liegt in einem der Vorläufe schließlich siebzig Zehntel über Weltrekord...aber voll am Limit. Alles Weitere wird sich zeigen.
Ich sitze im Gras und suche nach viereckigen Kleeblättern, finde aber keine.
Damit verhält es sich wie mit dem Glück. Nicht der Suchende findet es, sondern das Glück findet den Suchenden. Es ist ein herrlicher Abend. Ein laues Lüftchen weht, die Sonne scheint, es ist nicht zu warm...angenehm. Im weichen Gras sitzt es sich gut...ich starre doof in die Gegend. Mal abwarten. Ich werfe einen der drei hellgelben Tennisbälle. Ein schwarzer Labrador kommt von irgendwo her aus den Büschen gesprengt und schnappt sich eine der Filzkugeln mit seinen sabbernden Lefzen. Dann ruft die Besitzerin nach ihrem Liebling...kommt schließlich selbst zu mir. Wow...sie ist hübsch.
„Wer ist sie? – Sie ist wunderschön!“ Trägt hellblaue, leicht zerrissene Jeans und lächelt...süß. Ihr blondes Haar flattert etwas im lauen Abendwind. Dann nimmt sie dem Hund den Ball aus dem Maul und wirft ihn mir zu. “Das macht er öfter...ist verrückt nach Bällen!”, ruft sie mir zu. Ich bin etwas irritiert, verwirrt, gebannt. Dann ist sie auch schon wieder mit ihrem Liebling hinter den nahe stehenden Bäumen verschwunden. Sie dreht sich nicht mehr um. “Kommst du öfter hier vorbei!”, will ich ihr noch hinter herrufen, aber zu spät. Wieder einmal...Ein Hormonstoß scheint durch meinen Körper zu schießen, denn für einige Minuten bin ich plötzlich wie aufgedreht. Die Euphorie ist schnell vorbei...Endorphine, Testosteron. Dann setze ich mich wieder nachdenklich ins Gras und pflücke überrascht ein Kleeblatt mit vier gleichmäßig geformten, grünen Blätter.

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