Donnerstag, 14. August 2008

Bekanntes

Mittwoch, 13. August, München

Der Morgen ist wolkenverhangen, der Tag beginnt finster. Es kommt wieder kaum Sonne durch. Irgendetwas drückt zentnerschwer auf meine Schultern, lastet auf mir, bleischwer. Sommer 2008 ist ein seltsamer, unspektakulärer bis jetzt. Ich sehne mich nach ihr...wieder einmal. Sie fährt noch in den Urlaub, irgendwann im September wohl. Nächste Woche werde ich sie aber wohl sehen, das hat sie mir fest zugesagt, versprochen. Ich bin voll der Zuversicht, freue mich jetzt schon, aber rechne durchaus auch damit, dass es nicht klappt. Man(n) ist mittlerweile ja schon auf alles vorbereitet. Innerlich himmelhoch jauchzend und dann wieder zu Tode betrübt. Das ist dieser Dualismus, in dem ich gefangen, dem ich ausgesetzt und unterworfen bin. Ich werde ja sehen, was passiert. Der Moment, in dem ich in ihren individuellen Privatbereich eindringe, bleibt jedes mal unvergessen. Die Grenze, die jeder Mensch um sich selbst zieht ( Radius ein Meter), wird überschritten, getilgt. Dann sind wir uns kurzzeitig so verdammt nah, aber eben nur kurzzeitig. Sie geht weg, ich auch...wir beide blicken uns flüchtig um sehen uns an und gehen jeder seinen individuellen Weg. Wohl auch nächste Woche wieder, wenn alles funktioniert. Ich bin mir sicher, dass dann auch das Wetter wieder besser werden wird, denn der August ist bis jetzt nicht wirklich zufriedenstellend. Abends war ich oft unterwegs und bin immer nass geworden...Akt der Reinigung. Der kleine Stoffhund, den ich gestern gefunden habe, steht nun auf meinem Schreibtisch und blickt mir neugierig entgegen. Über Nacht war er komplett getrocknet, nachdem die Nässe den Stoff völlig durchtränkt hatte. Ansonsten klingt diese Woche fast schon wieder aus und es geht aufs Wochenende zu. Ab und an schaue ich etwas bei den olympischen Spielen zu, freue mich über deutsche Medaillen und warte auf nächste Woche...Warten auf sie. Einmal mehr. Der Mensch verbringt zu viel Zeit seines Lebens mit Warten...das ist eigentlich der falsche Weg. Anpacken wäre wichtig und richtig. Das kommt dir bekannt vor? Sorry! Sommerloch.

Mittwoch, 13. August 2008

Glücksbringer

Dienstag, 12. August, München

Der Gang abends durch den strömenden Regen erinnert mich an diesen regnerischen Tag in Budapest. Ich hatte mich alleine auf den Weg zu diesem Platz der Freiheit (oder so ähnlich) gemacht. Ein wahnsinnig weiter Weg, und an diesem Tag war ich schon lange auf den Beinen. Es war einer meiner letzten Tage in der ungarischen Hauptstadt. Trotz Regenwarnung hatte ich mich alleine auf den Weg gemacht, um noch etwas von der wunderschönen Stadt zu sehen. Zwar hatte ich meinen weiß-blauen Regenschirm dabei, aber trotzdem wurde ich nass, denn das Wasser peitschte von den Seiten an meinen Oberarm. Durch Pfützen und kleine Wasserlachen schlurfte ich durch die Straßen...es war wenig los. BAD DAY. Nach einiger Zeit kam ich an ein überdimensional großes Metallrad...riesengroß. Oben und unten gab es je eine Kammer, in der sich Sand befand, oben mehr als unten. Laut einer kleinen silbergrauen Plakette, lief der Sand seit einigen Jahren beständig durch ein kleine Öffnung. Eine Sanduhr, die niemand umdrehen muss und die dennoch lange laufen wird. Beeindrucken, der schmale, senkrechte Gang zwischen den Kammern, durch den sich der Sand seinen Weg bahnt. Tempus fugit. Sehr beeindruckend dieses Monument. Staunend stehe ich noch einige Zeit davor und bewundere die Konstruktion. Als ich mich wieder auf den Weg zurück mache, ist schon wieder Zeit vergangen. Das Leben...Wie viele Körner mögen wohl nach unten gefallen sein, während ich hier sitze und schreibe? Alles verrinnt.
Ich bin wieder hier, in meiner Stadt und schlendere durch die Straßen meines Viertels im Regen. Parallelität...Hier und dort flackern orange Lichter in der Dunkelheit. Ganz in Gedanken setze ich einen Fuß vor den anderen, als ich plötzlich etwas unförmig Braunes im Lichtkegel eines herannahenden Autos erkenne. In meiner Hand fühlt es sich nass und weich an: Ein kleiner Hund aus Plüsch mit grünem Halstuch, und mit schwarzen Knopfaugen. Wer mag ihn verloren haben? Der hat sicher seine Geschichte. Ich möchte ihn an einer Mauer am Straßenrand abstellen, mache das aber dann doch nicht. Dazu bin ich wohl zu sehr Kind...ich kann es nicht. Ich halte den kleinen Hund in meiner warmen Faust und bin irgendwie glücklich. Durch den Regen geht es nach Hause. Möglicherweise gibt es irgendwo da draußen ein kleines Mädchen, das nun todtraurig ist über den Verlust des kleinen Stofftieres. Ich weiß es nicht. Zufrieden betrete ich die Wohnung und setze den Hund auf den Fenstersims neben meinem Schreibtisch. Die schwarzen Knopfaugen blicken mich an. Ein Stück Kindheit...man sollte es beständig bewahren, gerade in diesen lauten, unruhigen Zeiten.

Dienstag, 12. August 2008

Giftcocktail

Montag, 11. August, München

Das weiße Gold...immer noch bedeutsam. Wie konnten diese Menschen die neunziger Jahre eigentlich überleben, trotz dieses Drogenkonsums. Hier wird geschnupft, dort eine Line gezogen und wieder wo anders werden bunte Pillen eingenommen. HIMMELSCHREIENDER WAHNSINN. Natürlich macht dich das mit der Zeit kaputt. Party, Drogen, Alkohol...göttliches Triumvirat, aber auch Todbringer, Sensenmann. Teuer ist das zudem auch noch.
"Drei Gramm Koks bitte! - Macht fünfzig Mark. Is ein Schnäppchen, das kann ich dir sagen. Das beamt dich in andere Atmosphären, ganz weit weg, ganz weit nach oben. Ja, is gut, ich neh was."
Am nächsten Tag sind sie dann schon ziemlich kaputt, fertig, von der Nacht, den Nächten gezeichnet. Sie wanken durch die Straßen der deutschen Städte. Alleine und auf sich gestellt. Koksen geht ja nur irgendwie im Kollektiv, in der Gruppe und am Wochenende. Die übrigen Tage müssen sie dann raus aus ihrem Kokon, hinein in das pralle Leben, außerhalb des Clubs. Zurück in die Gegenwart, die Realität. So torkeln sie los, wie Betrunkene...immer auf Entzug. Da geht nichts, da kann man nichts ändern. Bis zum Wochenende, dann geht alles wieder von vorne los. Ehe der nächste Montag, die folgende Woche an die Tür klopft. Eine üble Sache. Der Rhein ist ja auch schon voll mit Koks, dem weißen Gold des Neuzeit-Menschen. Auch an unserer neuen europäischen Währung pappt das Zeug. Fünfzig Euro aufwärts...das ist der Röhrchen-Einstiegsschein. Gängiger sind jedoch Hunderter...sagt man. Manche sind so kaputt, dass sie sogar schon mal mit einem Zwanziger gesehen wurden. Das sind dann die Schlimmsten. Die werden dann irgendwie kriminell, um ihre Sucht zu finanzieren, weil sie doch sowieso schon wenig Kohle haben. Beschaffung...Teufelskreis. Es gibt kein Entrinnen. Schwarzes Gold geht langsam zur Neige...Motorstottern. Das weiße Gold wird es wohl immer geben. Gestreckt, gepanscht, selten gute Qualität und teuer. Wie viele Monatslöhne da schon draufgegangen sind? Durch die Nase ins Gehirn und weg. Obwohl, irgendwo muss das weiße Zeug ja dann pappen bleiben. Die Nebenhöhlen sind dich. Weiß zu gekleistert. Inneneinrichtung...ich mags eher bunt.

Montag, 11. August 2008

Der Wunsch Napoleon zu sein

Sonntag, 10. August, München

Wie Napoleon sitze ich an meinem Schreibtisch, schmiede neue Pläne und überlege mir ansatzweise einige Strategien, um meine Seminararbeit in Angriff zu nehmen. Feldherrngeschick ist dazu absolut nötig. Sonntagvormittag, Sonnenschein....easy going. Da ist es wahrlich nicht gerade leicht, sich irgendwelche Dinge zu überlegen und sich etwas neues auszudenken. Eine weitere Woche steht bevor, sieben Tage voller Ungewissheit. Ich bin durchaus gespannt, was wieder alles geschehen wird. Ich habe mir vorgenommen, Sophie eine weitere Mail zu schicken, mal abchecken, wie es ihr so geht, was sie so macht und treibt. Ist sicher wieder im absoluten Megastress die Gute. Am Nachmittag dann bisschen Luhmann gelesen...eine feine Sache dieses Vertrauen. Sophie vertraut mir scheinbar nicht...wem kann ich vertrauen, wer mir und wie überhaupt. Komplexität muss reduziert werden. Das habe ich doch schon einmal gesagt, geschrieben, festgestellt. Auch gut...once again. See you on MARS. Gestern beim Fernsehen eine zündende Idee für eine Kurzgeschichte gehabt. Der Wettbewerb läuft ja noch bis November...denke ich. In meinem Kopf ist die Story schon so gut wie fertig. Ich muss sie nur noch sauber zu Papier bringen. Veröffentlichung, fünfhundert Euro Preisgeld und eine Lesung auf der Leipziger Buchmesse, oder war es die Frankfurter? Irgendwie so halt. Einfach mal so in die Öffentlichkeit treten, so ins Rampenlicht torkeln, sich untern den Scheinwerfern im Ruhm suhlen...zumindest kurzzeitig. So haben Karrieren begonnen, hab ich mir sagen lassen. Da wird dann schon was Wahres dran sein.

Zwei Minuten Fame

Voll Zuversicht schwanke ich ins Neon,
Blick in die Kameras.
Schales Grinsen unterhalb der Decke,
Funkeln und Strahlen, immer wieder.
Worte verhallen im seelenlosen Nichts,
doch wenn alles vorüber,
spiegelt sich Welt wider im grauen Alltag.

Sonntag, 10. August 2008

Nightmare

Samstag, 09. August, München

Ich weiß nicht genau, mit wem ich unterwegs bin, vermute aber, dass ich alleine gestartet war. Näheres kann ich nicht sagen. Permanent “on the road”, seit mittlerweile zehn Tagen. Jeden davon ungefähr acht stunden auf dem Fahrrad...immer zwischen hundertdreißig und hundertfünfzig Kilometer. Bis Budapest, so das Ziel, und vielleicht noch weiter gen Osten. Mal abwarten, was geschieht...Rumänien soll ja auch ganz schön sein, habe ich mir sagen lassen. Konditionell fühle ich mich topfit, war seit einem halben Jahr ziemlich oft im Fitnessstudio. AUSDAUER...KONDITION. Muskelmasse aufbauen, Lungenvolumen hinzugewinnen. Jede Faser in meinem Körper hat sich auf diese Reise vorbereitet...Donauradweg. Zuerst bis Passau, dann bis Wien und schließlich bis Budapest, so der Plan. Auch im Kopf bin ich frei, gut vorbereitet und hochmotiviert. Da war für mich alles klar. Immer am Wasser entlang...ab und an gab es eine kleinere Panne, ein kaputter Fahrradschlauch oder abgewetzte Bremsklötze. Sicherheit muss schon sein. Ansonsten läuft alles perfekt. Ich musste erstmal raus aus Deutschland, weg von ihr...vorerst. Was dann kommt, wird sich zeigen. In zwei bis drei Wochen soll es ja schon wieder zurückgehen und dann habe ich vor, einiges zu ändern. Doch vorerst bin ich hier unterwegs, Seite an Seite mit der Königin der europäischen Flüsse. Plötzlich ist der Weg zu Ende. Vor mir offenbart sich das blanke Nichts in Form eines riesigen Abgrundes. Pechschwarze Finsternis schlägt mir entgegen, als ich in die Schlucht blicke...es geht nicht weiter. Ich drehe mich um, will zurück, aber auch hinter mir nichts als unendliche Leere. Ich bin gefangen...möchte schreien. Dann wache ich auf. Schweißgebadet liege ich in meinem Bett...um drei Uhr nachts. ALPTRAUM. Doch diesmal schlafe ich, als ich mich etwas beruhigt und wieder in die Realität zurückgefunden habe, sofort wieder ein.

Peking 2008

Freitag, 08. August, München

Ob es sie wirklich gibt? - Die große, die einzige, die eine wahre Liebe. Mich beschäftigt sie immer noch, die gestrige Begegnung im Biergarten. Ich denke viel nach, versuche immer wieder mich in Werther hineinzuversetzen und unternehme den Versuch, ihn ein bisschen zu verstehen. Das ist echt Wahnsinn...LEIDENSCHAFT, aber was für eine. Da kann man sich eigentlich gar nicht so recht mit identifizieren. Wie viel Werther steckt in uns? Unglückliche Liebe, Zurückweisung. Ich bin möglicherweise bereits zehn bis fünfzehn Prozent “Werther”. Das ist schon ein bisschen krass, finde ich. Ansonsten ist eben schon wieder alles wie immer...die Tage und Wochen ziehen ins Land und sie antwortet nicht. Möglicherweise könnte ein sogenannter offener Brief an sie wirklich die Wende bringen und Klarheit schaffen. So quasi ein für alle mal. Ich werde mir etwas überlegen, allerdings werde ich doch noch ein paar mal versuchen, sie zu kontaktieren. Ein Mail wird sie ja wohl beantworten. Der Rest ist Schweigen...Sophie hat sich auch immer noch nicht gemeldet. MAUER DER STILLE...daran prallt alles wortlos ab. In China beginnen die Spiele. Prachtvoll, protzig...FASADE. Im Herzen schreien doch viele “Free Tibet”...zeigen und zum Ausdruck bringen will das aber niemand. Der Ausschluss droht. Boykott...Farce. Ich bin gespannt, aber zumindest das Feuerwerk war bereits olympiareif. Freundliche und friedliche Spiele, aber in der Welt ist schon wieder Krieg. Was soll man tun. Im Grunde führt jeder Mensch irgendeinen Krieg. Meiner ist im Moment der gegen mich selbst. So eher passiv nach innen als demonstrativ und aktiv nach außen. Sechzehn Tage Wettkämpfe...da bin ich gespannt. Man sieht ja durchaus “exotische” Sportarten, von denen man sonst nie etwas mitbekommt. BOGENSCHIEßEN und SOFTBALL.

Freitag, 8. August 2008

Wert(h)erlebnis

Donnerstag, 07. August, München

Am frühen Vormittag mache ich mich auf den Weg zur Universität...mit dem Fahrrad ein weiter Weg. Aber so schön. Die Stunden bis mittag vergehen wie im Flug. Später sitze ich unter einem großen HB-München-Sonnenschirm in einem lauschigen Biergarten irgendwo im Englischen Garten. Vor mir steht ein eiskaltes Bier und ich lese im “Werther”. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel und ich gerate auch ohne mich anzustrengen heftig ins Schwitzen. Ein Mann stellt sich neugierig an den Tisch. Er trägt ein buntes Hawai-Hemd, kurze Shorts und dunkelbraune Sandalen. WIRKT NETT.
“Sie lesen Goethe?” - “Ja, hin und wieder ganz gerne!” - “Werther bringt sich doch am Ende selbst um, oder?” - “Das ist richtig, ja. Er erkennt, dass er Lotte, seine große Liebe, nie bekommen wird und scheidet deshalb freiwillig aus dem Leben.” - “Hm...sind sie denn auch unglücklich verliebt, weil sie da so interessiert lesen?” Ich denke kurz nach und wiege dabei den Kopf hin und her. - “In gewisserweise kann man das so sagen, ja in der Tat!” - “Sie tun sich da jetzt aber nichts an, oder?” - “Davon können sie ausgehen...ganz sicher nicht!” - “Na dann ist ja alles in Ordnung. Viel Spaß noch bei der Lektüre und alles Gute wegen dem Mädchen!” Der Fremde lächelt, grüßt mit der linken Hand, dreht sich um und geht. - “Auf wiedersehen!”, rufe ich ihm noch hinterher und vertiefe mich wieder in mein Buch. Die seltsame Begegnung vergesse ich schnell, aber als ich die Seiten zuklappe und den “Werther” weglege, werde ich doch nachdenklich. Sich wegen eines Mädchens umbringen. Was muss da alles passieren, damit man soweit geht? UNKONTROLLIERBARKEIT. Aber etwas unglücklich verliebt bin ich doch...vielleicht sogar so wie Werther. Mit dem Unterschied, dass er seine Lotte öfter sehen konnte. Im Gegensatz zu mir. Oh je! Ich packe das gelbe Reclam-Büchlein in meinen Rucksack, schnappe mir den leeren Bierkrug, stehe auf und gehe. An der Theke stelle ich mein Glas ab, lächle zufrieden und schwingen mich auf mein Rad um seelenruhig davon zu radeln.

Donnerstag, 7. August 2008

Der gerettete Tag

Mittwoch, 06. August, München

Die nächsten Tage werde ich mit Lernen und Arbeiten zubringen.
Abends ging es dann ins Fußballstadion. Immerhin etwas. FREIKARTEN. Sehr gute Plätze für ein schwaches Spiel. Andere Leute mussten 60 Euro für diese Karten bezahlen und dann so ein Kick...naja Inter Mailand...immerhin. Wahnsinnige Müdigkeit am nächsten Morgen. Dann aber die Überraschung in der Arztpraxis. Ich will nur ein Rezeptabholen, ab und an muss das ja sein. Damals hing sie am Telefon fest, ich konnte dieKlebe- Blumen auf ihren Nägeln bewundern. Sie versuchte gerade die Person am anderen Ende der Leitung abzuwimmeln. Sie wirkte nett. Heute ist sie bei einem Patienten...erklärt ihm irgend so eine Atemmaschine...FACHWISSEN. Die Sprechstundenhilfe an der Rezeption angelt nach dem Rezept gibt es mir und ich bin schon fast wieder draußen, als das Mädchen von ihrem Atemgerät aufblickt und mich süß anlächelt. Ich bin selig, springe die Treppen hinunter und der Tag ist gerettet. Wie bei unserer ersten Begegnung. Ich muss irgendeinen Vorwand suchen und öfter vorbeischauen. Dass hübsche Mädchen und ich sollten uns einmal gemeinsam unterhalten. Soweit der Plan...WUNSCH vs. WIRKLICHKEIT. Vielleicht siegt diesmal je der Wunsch...verdient hätte er es jedenfalls. Die Begegnung war kurz, aber sowas hinterlässt bei mir immer einen bleibenden Eindruck. Vorerst wird es nicht leicht sein, bei ihr vorbeizuschauen, aber mir wird schon was einfallen.
"Jetzt kommt es dick mann
Ich rette den Tag
Ich sag, ab geht die Party
Und die Party geht ab.

Sonnengebräunte Haut

Dienstag, 05. August, München

Alltag...Es passiert nichts Außergewöhnliches. Mal wieder die alter Leier. Routine lastet zentnerschwer auf meinen Schultern.
Ich erreiche sie nicht, höchstens mit viel Mühe, aber ich bin es langsam auch ziemlich leid. Was soll ich tun? Südafrika hat sie so verändert.
Auf der Suche nach dem süßen Duft des unbekannten Mädchens und natürlich auch nach ihr, betrete ich die Bibliothek. Vormittags hatte ich noch zu tun und am Nachmittag ist sie schon wieder weg, oder war vielleicht überhaupt nicht da! Wer weiß? Reinfall. Alles andere läuft wie erwartet zufriedenstellend. Jedoch fehlt mir manchmal Reibung, Konflikt, Diskussion und Aufruhr. AUSWEICHMANÖVER. Die Sonne habe ich dieses Jahr auch noch nicht wirklich gesehen. Teile meines Körpers ächzen nach Licht, beispielsweise die Waden und Oberschenkel und mein Rücken. Die Hände und Oberarme sind schon leicht gebräunt, das ist ok. “Die Sonne wohnt in einer Tube!”...SLOGAN. Selbstbräuner als Lösung. Sophie hat immer noch nicht geantwortet, dabei hatte ich ihr erneut eine SMS geschrieben. Das erste Eishockeyspiel in der neuen Saison steht bald an. Ich wollte wissen, ob sie Interesse daran hätte, mitzukommen. Das ist dann eben so eine Sache. Zumindest auf eine Antwort habe ich gehofft. VERGEBENS. Frauen, unmöglich sie zu verstehen...zumindest scheint es bei denen, die ich kenne so zu sein. So verweile ich also in der Bibliothek, draußen sieht es schon wieder mächtig nach Regen aus, und kopiere Artikel aus diversen Büchern. MONOTONIE. Mir bleibt keine andere Wahl.

Dienstag, 5. August 2008

Rumpelstilzchen

Montag, 04. August, München

Die große Welle kommt auf mich zu und droht mich wegzuspülen. Ich stehe da am Ufer und kann nicht weg...gar nichts machen, außer auszuharren. Der Himmel ist grau, wolkenverhangen und es riecht wieder nach Regen. In den letzten Tagen hat sich meine Sonne fast nicht mehr gezeigt, außer vielleicht ein- bis zweimal. Ich muss unweigerlich an diesen metallisch-brachialen Sound von Witt/Heppner aus den 90er Jahren denken. “Die Flut”, ein großer Song verbunden mit jeder Menge Erinnerung an das letzte Jahrzehnt. Das Wasser der Wellen transportiert es für mich von Ort zu Ort, eben dorthin, wo ich bin. Wann wird das Wetter denn endlich wieder besser? - Hoffentlich bald! - Sei einfach zuversichtlich! Immer doch.
Am frühen Nachmittag dann ein Lichtblick. Erinnerst du dich noch an die, sie so gut roch? Damals im Seminar! Weißt du doch! Logens...Was isn mit der? Ich sehe sie in der Bibliothek sitzen, über ihre Bücher und Unterlagen gebeugt. Schön wie sie da intensiv nachdenkt und heftig studiert. BEZAUBERND. Ich vergesse sie allerdings gleich wieder und mach das, weshalb ich hergekommen bin. Recherchieren. Plötzlich steht sie neben mir...einfach so, und unterhält sich mit mir. Wir schauen uns an...ein Blick in ihre tiefbraunen Mandelaugen erhellt meine Seele...tanzen. Sie lächelt, ich auch. Natürlich vergesse ich wieder nach ihrem Namen zu fragen. Namenloses Weiterleben...merke ich aber leider erst später. Mist. Wir trennen uns, aber sie sagt, sie sei morgen wieder hier in der Bibliothek. Ich bin gespannt, denn wenn ich nicht sowieso dort wäre um zu arbeiten, würde ich glatt extra wegen ihr rein fahren...vielleicht. Ich muss jede noch so kleine Chance nutzen. Was bleibt mir auch sonst übrig. Die Anonymität muss aufhören, morgen muss ich sie nach ihrem Namen fragen. Ich bin gespannt. Ich glaube, dass ich ihn sogar schon einmal gehört habe! Stefanie vermute ich unsicher und hoffe auf morgen. Glück muss man haben.

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