Montag, 25. August 2008

Lost in a dream

Sonntag, 24. August, München

Die Bank steht auf einem grünen Hügel und wirft einen schwarzen Schatten in der fahlen Abenddämmerung. Wir hatten uns vor einer halben Stunde hier verabredet und waren beide pünktlich gewesen. Wie schön sie wieder war, wie immer. Sie trug ein buntes, sonnengeblümtes Kleid und schwarze Pumps. Herrlich. Um über alles zwischen uns zu reden, hatte ich sie herbestellt. Aus meinem Rucksack krame ich eine Flasche Rotwein samt dazugehörigen Gläsern hervor. Wir sitzen, trinken und reden. Ich erzähle ihr alles, meine Liebe und Zuneigung zu ihr...die Sehnsucht. Sie legt ihren Kopf in den Nacken, bewegt ihn von links nach rechts und denkt nach. Lange antwortet sie nicht, lauscht meinem Monolog. Schließlich sagt sie doch etwas. Der Schatten ihrer schlanken Silhouette fällt im Mondlicht auf das grüne Gras der Anhöhe. Ich habe Angst vor dem, was sie sagt, weil ich ahne, was da kommt. So kann es nicht weitergehen, meine ich, meint sie. Zukunft? Gemeinsam! Nee, du! Das wird nichts. Das Gesagte trifft mich im Genick. Ich lamentiere nicht, ich akzeptiere ihr “nein”. Ich glaube, dass ich innerlich absolut damit gerechnet habe. Sie sagt, dass sie meine Liebe ja immer schon vermutet hat, aber es nie riskieren wollte, mich zu fragen. Ich starre blöd den Hügel hinunter. Sie schenkt sich den letzten Rest Wein aus der Flasche in ihr Glas, schwenkt es leicht hin und her und trinkt aus. Ich lege meine Hand um ihre Taille und schaue sie an. Sie ist so schön. Dann berührt sie mit den Fingern meine Schulter, haucht mir einen Kuss neben die Wange, steht auf und geht. “Nicht böse sein!”, ruft sie mir hinterher. Dabei lächelt sie nicht. Ich habe ihr alles gesagt und das was ich beinahe erwartet hatte, ist eingetreten. Alleine bleibe ich auf der Bank zurück. Mit der rechten Hand fahre ich mir langsam durchs Haar und beginne leise zu weinen. Der Mond steht genau über mir und erhellt meine Tränen.
Kurz nach Mitternacht erwache ich aus diesem Traum. Ein Glühwürmchen schwirrt hell-leuchtend in meinem Zimmer umher. RASTLOS. Der Lichtpunkt huscht wirr durch den Raum. Ich richte mich auf, bin schweißgebadet und starre kurz in die Dunkelheit. Nach dem Öffnen der Jalousie fliegt das Glühwürmchen wieder hinaus in die Nacht und ich lege mich wieder schlafen. Ob ich froh darüber sein soll, dass das Gespräch mit ihr doch nicht stattgefunden hat, weiß ich nicht.

Viele bunte Smarties

Samstag, 23. August, München

Kleine Pille...hellgelb mit vereinzelten roten Einsprengseln. Das Mädchen dreht und wendet sie unsicher und noch unentschlossen zwischen Daumen und Zeigefinger - fühlt sich gut an. Ihr Freund sieht sie mürrisch an, drängt sie zum Verzehr. UNGEDULD. Weiterfeiern - höher, schneller. Dann legt sie die Tablette langsam unter ihre Zunge und schluckt sie schließlich. Sie fühlt wohlige Wärme durch ihre Speiseröhre kriechen. RACHENRAUM. Dann geschieht vorerst nichts, absolut gar nichts. Die Droge wirkt mit Verzögerung. ZEITAUFSCHUB. Das Mädchen beginnt wilder und wilder zu tanzen, aber dann startet sie ihren Trip. Im Kopf wird alles weich und unstrukturiert. Die Grenzen der Realität verschwimmen, Konturen verblassen. Sie kann und will nichts anderes, als tanzen. Permanent, beständig und andauernd. Der Körper sagt irgendwann “stopp”, aber er spürt keine Müdigkeit und darum geht es immer weiter. Das Gehirn schaltet auf Durchzug, bemerkt keinen Schmerz. Totale ERSCHÖPFUNG als Folge. Dann ist der Akku leer - der Duracell-Hase steht, die Schellen in seiner Hand stehen still. Sie bemerkt noch ihre Beine, wie sie den Boden verlassen, abheben und sie schließlich schwebt. Vor ihren Augen blitzen und flackern die bunten Lichter...dann wird es schwarz. Dunkelheit umschließt sie. Sie fällt zu Boden, wird ohnmächtig und der schwer gewordene Kopf knallt auf den harten Betonboden. Ein dumpfes Geräusch, dann ist alles still. Der Notarzt schnallt das Mädchen auf eine Trage und schiebt sie in den bereitstehenden gelb-roten VW-Krankenwagen. Mit Blaulicht verschwindet er schließlich in der Dunkelheit.
Irgendwo passiert in Deutschland, am Wochenende, auch heute Nacht. Drogen allgegenwärtig. Ich sehe im Fernsehen einen kleinen Beitrag...schon älter. Die ganze Geschichte hätte so passieren können. Falsche Freunde, schlechter Einfluss. Machtkämpfe und “esanderenundsichbeweisenwollen”. Nach der Entlassung dann der Rückfall...ein neues Wochenende, eine neue Chance. Immer neue Drogen...besser, abgefahrener. Was kann man tun? Hände weg? Kiffen ist aber ok! - Nein ist es nicht! - Oh, schade...aber früher haben doch alle! - Ich bin dagegen! - Was du auch? Ich hab aber grad einen gebaut! - Na dann! - Also bist dabei? - Nee, lass mal...besser ist das.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

alles gute für dich im...
alles gute für dich im neuen jahr ! ...und danke fürs...
fata morgana - 5. Jan, 10:11
Epilog/Das Jahr beginnt...
Donnerstag, 01. Januar, München Der Neujahrsmorgen...
bflo - 3. Jan, 17:26
Ein Herz am Himmel
Mittwoch, 31. Dezember, München In der letzten Nacht...
bflo - 2. Jan, 16:09
Waffenbrüder
Dienstag, 30. Dezember, München Ein Zimmer im Halbdunkel....
bflo - 1. Jan, 19:51
Glücksbote
Montag, 29. Dezember, München Er nimmt seine dicke...
bflo - 1. Jan, 16:31

Links

Suche

Status

Online seit 6739 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 5. Jan, 10:11

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren