Glücksbote
Montag, 29. Dezember, München
Er nimmt seine dicke Winterjacke vom Haken, zieht sich an und tritt hinaus ins Treppenhaus. Vom vierten Stock runter auf die Straße. In seiner Tasche stecken eine Schere und eine Rolle dunkelrotes Geschenkband. Sein Weg führt ihn an diesem Morgen geradewegs zur Sparkasse. In der langen Schlange vor dem Bankschalter muss er einige Minuten warten. Die Leute erledigen am Ende des Jahres noch schnell ihre Geldgeschäfte. Endlich hat die nette Dame hinter dem Schalter für ihn Zeit. 50 Euro in 5 Euro-Scheinen...mit einer kleinen Geldrolle verlässt er die Filiale wieder. Auf dem Weg in den Stadtpark kommt er an einem großen Supermarkt vorbei. Der Parkplatz ist mit Autos überfüllt. Menschen schleppen Tütenweise Silvesterknaller zu ihren Fahrzeugen. Raketen und Knaller...bunt, teuer und laut. Das ist nicht seine Welt. Das Feuerwerk zum Jahreswechsel liebt er irgendwie, aber selbst Geld dafür auszugeben käme nie in Frage. Früher in seiner Teenagerzeit hat er ab und an mit seinen Freunden ein paar Böller und Raketen in die Luft gejagt, aber heute...nein. Lächelnd geht er an den mit Tüten bepackten Menschen, die gehetzt umher hasten, vorbei in den kleinen Park. Der Boden ist hart gefroren und mit Schnee bedeckt. Mit seinen Handschuhen wischt er eine der grünen Bänke sauber und setzt sich. Er rollt jeden der zehn 5 Euro-Scheine klein zusammen und bindet Geschenkpapier drum herum. Die zehn Röllchen steckt er in seine Jackentasche. Mit der Bahn in die Stadt. Menschen hasten auch hier, ruhelos, hektisch und scheinbar ohne konkretes Ziel. Er hingegen geht auf einem festen Weg, auf sicherer Bahn, auf einem vorgegebenen Gleis. Der Straßenverkäufer preist seine Zeitung an. “Trotz” prangt in dicken roten Lettern auf dem Titel. Es ist kalt, Mütze und Handschuhe wärmen nur kurzzeitig. Um in der Kälte bestehen zu können, muss der Verkäufer immer wieder auf und ab gehen. 5 Euro, einfach so als Geschenk im alten Jahr. Das Röllchen fühlt sich gut an in seiner Hand.
Der Fremde hatte es ihm mit den besten Wünschen zugesteckt. Auch in der U-Bahnstation im Untergeschoss steht einer, verkauft “Trotz” und bekommt 5 Euro. So geht das immer weiter, den ganzen Vormittag lang, bis alle Scheine verteilt sind. Keine Böller sondern Spenden. Seine Tasche ist leer, er hat die Menschen glücklich gemacht und sie bedankten sich bei ihm. Es wird immer kälter draußen. Er betritt das kleine Cafe, gönnt sich eine heiße Schokolade. Draußen geht der Tag zu Ende. Er und zehn andere Menschen sind äußerst glücklich. Mit der Unterseite seiner Tasse hinterlässt er einen runden Kreis aus schwarzem Kakao auf der weißen Tischdecke.
Er nimmt seine dicke Winterjacke vom Haken, zieht sich an und tritt hinaus ins Treppenhaus. Vom vierten Stock runter auf die Straße. In seiner Tasche stecken eine Schere und eine Rolle dunkelrotes Geschenkband. Sein Weg führt ihn an diesem Morgen geradewegs zur Sparkasse. In der langen Schlange vor dem Bankschalter muss er einige Minuten warten. Die Leute erledigen am Ende des Jahres noch schnell ihre Geldgeschäfte. Endlich hat die nette Dame hinter dem Schalter für ihn Zeit. 50 Euro in 5 Euro-Scheinen...mit einer kleinen Geldrolle verlässt er die Filiale wieder. Auf dem Weg in den Stadtpark kommt er an einem großen Supermarkt vorbei. Der Parkplatz ist mit Autos überfüllt. Menschen schleppen Tütenweise Silvesterknaller zu ihren Fahrzeugen. Raketen und Knaller...bunt, teuer und laut. Das ist nicht seine Welt. Das Feuerwerk zum Jahreswechsel liebt er irgendwie, aber selbst Geld dafür auszugeben käme nie in Frage. Früher in seiner Teenagerzeit hat er ab und an mit seinen Freunden ein paar Böller und Raketen in die Luft gejagt, aber heute...nein. Lächelnd geht er an den mit Tüten bepackten Menschen, die gehetzt umher hasten, vorbei in den kleinen Park. Der Boden ist hart gefroren und mit Schnee bedeckt. Mit seinen Handschuhen wischt er eine der grünen Bänke sauber und setzt sich. Er rollt jeden der zehn 5 Euro-Scheine klein zusammen und bindet Geschenkpapier drum herum. Die zehn Röllchen steckt er in seine Jackentasche. Mit der Bahn in die Stadt. Menschen hasten auch hier, ruhelos, hektisch und scheinbar ohne konkretes Ziel. Er hingegen geht auf einem festen Weg, auf sicherer Bahn, auf einem vorgegebenen Gleis. Der Straßenverkäufer preist seine Zeitung an. “Trotz” prangt in dicken roten Lettern auf dem Titel. Es ist kalt, Mütze und Handschuhe wärmen nur kurzzeitig. Um in der Kälte bestehen zu können, muss der Verkäufer immer wieder auf und ab gehen. 5 Euro, einfach so als Geschenk im alten Jahr. Das Röllchen fühlt sich gut an in seiner Hand.
Der Fremde hatte es ihm mit den besten Wünschen zugesteckt. Auch in der U-Bahnstation im Untergeschoss steht einer, verkauft “Trotz” und bekommt 5 Euro. So geht das immer weiter, den ganzen Vormittag lang, bis alle Scheine verteilt sind. Keine Böller sondern Spenden. Seine Tasche ist leer, er hat die Menschen glücklich gemacht und sie bedankten sich bei ihm. Es wird immer kälter draußen. Er betritt das kleine Cafe, gönnt sich eine heiße Schokolade. Draußen geht der Tag zu Ende. Er und zehn andere Menschen sind äußerst glücklich. Mit der Unterseite seiner Tasse hinterlässt er einen runden Kreis aus schwarzem Kakao auf der weißen Tischdecke.
bflo - 1. Jan, 16:26
