Thomas Mann
Montag, 18. August, München
„Gibt es denn hier keinen Stuhl?! Schon früh am Morgen mache ich mich auf den Weg zur Filiale der großen Supermarktkette…Chucks für vierzig Euro, das lockt Kunden an; auch mich. Ich wollte mir schon lange welche kaufen und wenn ich zwanzig Euro sparen kann, dann mach ich das natürlich. Der Alte brüllt durch den Laden, verlangt nach einem Sitzmöbel und ist mit dem Schuhkauf am Ende schneller fertig, als ich. Allerhand. Begrenzte Anzahl, geringe Auswahl, aber schließlich finde ich doch ein ansprechendes Paar Schuhe. Mit einer Schachtel funkelnagelneuer Chucks verlasse ich den Laden.
Mittags treffe ich mich mit einer alten Schulfreundin…zum Sushi-Essen. Sehr lecker. Bei ihr steht am Donnerstag eine OP an. AUFREGEUNG. Am Wochenende werde ich einen Krankenhausbesuch machen. Wir plaudern über Dies und Das, alte Zeiten und vergangene Tage. Zukunftsaussichten, aber auch –ängste, Hoffnungen, Wünsche und Träume. Früher war alles besser. Stimmt nicht? Aber beinahe. Das klingt radikal. Sie sagt etwas sehr philosophisches zu mir, etwas, das ich zunächst nur bruchstückhaft wahrnehme. Später setzen sich die Einzelteile dann zusammen.
Vieles um uns herum ist kaputt, längst hinüber, zerstört. Wir merken es nur nicht, aber es ist da. Ungefähr so, wie im Tod von Venedig: Die Erdbeeren sind äußerlich schon modrig und sehen schlecht aus, obwohl sie noch gut schmecken. Umgekehrt natürlich auch. Äußerlich sieht alles noch gut aus, wobei es innerlich schon vollkommen hinüber ist. ZERFALL. Man muss sich umsehen, beobachten aufpassen und wird bemerken, dass es stimmt. Wie weise sie doch ist. Schlaues Mädchen…und das meine ich ernst. Erst viel später, bei einem MC Donalds-Besuch sollte ich feststellen, dass die Pommes Frites plötzlich viel dicker sind als früher…das muss neu sein. Wie so vieles. Augenblick verweile doch, du bist so schön. Früher war alles besser.
„Gibt es denn hier keinen Stuhl?! Schon früh am Morgen mache ich mich auf den Weg zur Filiale der großen Supermarktkette…Chucks für vierzig Euro, das lockt Kunden an; auch mich. Ich wollte mir schon lange welche kaufen und wenn ich zwanzig Euro sparen kann, dann mach ich das natürlich. Der Alte brüllt durch den Laden, verlangt nach einem Sitzmöbel und ist mit dem Schuhkauf am Ende schneller fertig, als ich. Allerhand. Begrenzte Anzahl, geringe Auswahl, aber schließlich finde ich doch ein ansprechendes Paar Schuhe. Mit einer Schachtel funkelnagelneuer Chucks verlasse ich den Laden.
Mittags treffe ich mich mit einer alten Schulfreundin…zum Sushi-Essen. Sehr lecker. Bei ihr steht am Donnerstag eine OP an. AUFREGEUNG. Am Wochenende werde ich einen Krankenhausbesuch machen. Wir plaudern über Dies und Das, alte Zeiten und vergangene Tage. Zukunftsaussichten, aber auch –ängste, Hoffnungen, Wünsche und Träume. Früher war alles besser. Stimmt nicht? Aber beinahe. Das klingt radikal. Sie sagt etwas sehr philosophisches zu mir, etwas, das ich zunächst nur bruchstückhaft wahrnehme. Später setzen sich die Einzelteile dann zusammen.
Vieles um uns herum ist kaputt, längst hinüber, zerstört. Wir merken es nur nicht, aber es ist da. Ungefähr so, wie im Tod von Venedig: Die Erdbeeren sind äußerlich schon modrig und sehen schlecht aus, obwohl sie noch gut schmecken. Umgekehrt natürlich auch. Äußerlich sieht alles noch gut aus, wobei es innerlich schon vollkommen hinüber ist. ZERFALL. Man muss sich umsehen, beobachten aufpassen und wird bemerken, dass es stimmt. Wie weise sie doch ist. Schlaues Mädchen…und das meine ich ernst. Erst viel später, bei einem MC Donalds-Besuch sollte ich feststellen, dass die Pommes Frites plötzlich viel dicker sind als früher…das muss neu sein. Wie so vieles. Augenblick verweile doch, du bist so schön. Früher war alles besser.
bflo - 19. Aug, 20:49
