Sonntag, 03. August, München
Die Lektüre von “Rave” beamt mich sogleich hoch...andere Sphäre...fremde Galaxie. Da passiert etwas mit mir, das ich aber nicht genauer beschreiben kann. Wenn die Drogen nicht wären, denn auf die kann man getrost verzichten...die braucht kein Mensch! Oder doch? Flucht aus der Realität in eine fiktive, andere Welt...THE GREAT ESCAPE. Diesen Gedanken werde ich für meine Magisterarbeit im Hinterkopf behalten. Ich komme darauf zurück. Frühmorgens sind es wieder die Vögel, die mich aus meinen unruhigen Träumen wecken. Da kann man ja nichts machen, denn so ist eben die Natur...nimmt keine Rücksicht auf den Wochentag. SONNTAGMORGEN. Muss natürlich dann gleich wieder raus aufs Rad und raus in die Welt. Der Regen der letzen Nacht und des frühen Tages hat die Luft etwas abgekühlt und die staubtrockene Erde gewaltig mit Feuchtigkeit durchsetzt. Wieder einmal fliegen mir die wildesten Gedanken zu...schlagartig. Wie einzelne Fetzen einer bunt gewebten Patchwork-Decke. Es sind teils erfreuliche Dinge, die mir da so in die Gehirnwindungen schießen, teilweise aber auch dunkle, düstere Impressionen. ZUKUNFTSFRAGEN. Was wird passieren wenn...? Und überhaupt und sowieso! Ja wie denn jetzt nun? Keine Ahnung, aber im Zweifel...für den Angeklagten? Immer doch. Gestern habe ich wieder angefangen den “Werther” zu lesen...großartiger Roman. Da steckt so viel Leben und Weisheit drin, dass es manchmal an den Seiten unter dem Buchdeckel heraus sprudeln möchte. Die besten Geschichten schreibt eben immer noch das Leben und da ist es gerade gut, wenn einer da ist, der sie achtsam und sorgfältig niederschreibt. Da ist dann äußerste Präzision geboten, die alles für die Nachwelt konserviert. Davon lernen können auch wir noch...gestern, heute, morgen...ständig.
Ja, so etwas fällt mir immer dann ein, wenn ich auf meinem Fahrrad sitze und durch die Wälder strample. Schon toll irgendwie. Bist du da ganz sicher? - Auf jeden...
bflo - 4. Aug, 10:45
Samstag, 02. August, München
Mit der Enttäuschung kommt die Dunkelheit. Die Sonnenfinsternis ist, laut Zeitung, teilweise zu sehen. Ich passe gar nicht aus, achte nicht darauf, so dass das Schauspiel sowieso an mir vorübergeht. Da ist es dann auch egal, ob ich was beobachten hätte können, oder nicht. In einem Beitrag in den Nachrichten sehe ich bunt gekleidete Menschen mit schwarzen Sonnenbrillen irgendwo in Deutschland auf einem Hügel stehen und doof in den Himmel glotzen. 1999 hat auch mich dieses Naturschauspiel in seinen Bann gezogen. Für zwei Mark wurden Spezialpappbrillen gekauft, kamen dann am „D-Day“ kurz zum Einsatz, ehe ich sie in meiner Schule für Afrika gespendet habe. Da wurde dann ein paar Jahre später auch so eine Sonnenfinsternis veranstaltet. Seit mittlerweile neun Jahren, damals war es auch August, hängt ein Foto der verdunkelten Sonne in unserem Wohnzimmer. Für drei Mark konnte man es damals im Drogeriemarkt um die Ecke kaufen. Es ist ein Stück Erinnerung an den Tag, an dem es tagsüber plötzlich völlig finster geworden ist. Damals große Stimmung…tagsüber im Wohnzimmer sitzen und schlagartig wird es um einen herum schwarz, obwohl die Jalousien geöffnet sind…TOLL. Man wusste ja, dass es irgendwann wieder hell werden würde. Mit der kleinen Sonnenfinsternis hat sich auch meine Sonne verdunkelt...etwas hatte sich vor sie geschoben, aber eben komplett, so dass nicht einmal mehr an den Rändern ein Lichtkranz zu sehen war. Den Anblick jedoch kann ich unter keinen Umständen ertragen. Mir wird bewusst, dass meine Sonne nach diesem Spektakel vorerst wohl für längere Zeit untergehen würde. Um mich herum erlischt der eben noch strahlendblaue Himmel und es wird schlagartig Nacht. Die Vögel, deren Lieder zuvor noch zuversichtlich und voll der Hoffnung klangen, sind verstummt. Wie ist es, wenn man verliebt ist und dieses Gefühl erwidert wird? Ich kann es nicht sagen, aber sie weiß es...bekennt sich zu ihrer Liebe, schmettert das hinaus in die Welt. Was zu erwarten war...ich bin es nicht! “Amo ohne das odi”...allerdings im Dunkeln, ohne Gegenpart und einfach so in die Nacht hinein.
bflo - 4. Aug, 10:41
Freitag, 01. August, München
Ich fürchte es ist vorbei. Abgehetzt erreiche ich spätabends den Bahnhof. Noch fahren Züge ab. Kalter Schweiß rinnt mir in Bächen übers Gesicht, Arme und Beine. In meinen Kniekehlen haben sich kleine Pfützen gebildet und wenn ich mir mit der Zunge unter meinen Lippen am Kinn entlang lecke, dann schmeckt es salzig. Ich atme schwer, mein Herz- und Pulsschlag sind maximal erhöht. Durch die Glastür betrete ich zögerlich die Bahnhofshalle. Um mich herum ist es laut und alles wirkt öde und kalt...grau in grau...erdrückend farblos, schon tausendmal gesehen. Wieder einmal hatte ich einen Zug verpasst...abgefahren ohne mich. Ich stand einfach nur passiv daneben. Das ist das Leben...zu zögerlich, zu verhaltend, zu abwartend, zu unentschlossen. Gestern hatten mich Mücken in die Beine gestochen...heute jucken die Stiche, schwellen an, werden rot und fühlen sich heiß an, wenn ich meine Wange an sie drücke. Der Zug ist endgültig abgefahren. Ich hatte wahrlich nicht die besten Karten um aufzuspringen, aber immerhin die Chance. Ich war einer von Vielen. Sie sind drinnen, ich draußen. Wer entscheidet darüber? Das Gefühl...spielt eine wichtige Rolle, ist unabdingbar. Ich hatte kein Gepäck dabei, kam unvorbereitet, quasi ohne Ausrüstung. So stand ich da, tagelang, monatelang. Mein Ticket hielt ich quasi schon in der Hand...zwar nicht erster Klasse, aber es war immerhin eine Fahrkarte...Option....Chance. Ich wusste ja, dass so ein Zug nicht ewig hält. Irgendwann fährt er einfach ab...das ist quasi ein Naturgesetz. Gerade dann, wenn er so schön ist, wie dieser. Sein herrliches rot strahlt und funkelt weit in die ferne. Alles glänzt, der Lack ist neu und die Scheinwerfer sind blank geputzt. Wenn man nur lange genug in sie hineinsieht, dann glaubt man darin ein wundervoll strahlendes Mandel-braun zu erkennen. Tief hinein in das Innere, in die Seele des Zuges. So stand ich lange am Bahnsteig, bewunderte aus der Ferne dieses Gesamtkunstwerk. Neugierig schlich ich immer wieder herum, beäugte es sowohl verliebt, als auch kritisch. Ich war verzückt, wobei ich mich nie traute hineinzugehen.
Heute kommt der Tag, an dem der Zug zwar langsam, aber dennoch stetig den Bahnsteig verlässt und seine weite Reise antritt. Einige Männer kann ich im Inneren der Wagen wahrnehmen. Ich bin draußen...leider. Und als ich dem Zug noch hinterher schaue, wie er in die Ferne fährt bis er am Horizont zu einem winzigen, kaum noch erkennbaren Punkt, zusammenschmilzt, werde ich ganz traurig. Als er gänzlich verschwunden ist, drehe ich mich um und trotte den Bahnsteig zurück, mit der Erkenntnis, wohl gerade das Liebste in meinem Leben womöglich für immer verloren zu haben. Auf einer Bank ruhe ich mich aus, wobei ich mein Gesicht in beide Hände vergrabe.
Ich stehe an Gleis neundreiviertel, aber wenn dann doch ein Zug kommt, kann ich ihn nicht sehen.
bflo - 2. Aug, 14:16
Donnerstag, 31. Juli, München
Die blonden Haare hängen ihr auf der linken Seite lässig ins Gesicht. Das sieht sexy aus. “Ich kann deinen Pony sehen”, sage ich zu ihr. “Welchen Pony?”, meint sie. “Na da vorne bei dir am Haaransatz. Das sieht chic aus.”, erwidere ich. “ Ach das meinst du. Sag das doch.” - Nichtverstehen. Fängt meist mit Kleinigkeiten an und artet dann wahnsinnig aus. Dabei sieht der hübsche Pony, der ihr von vorne ins Gesicht fällt wirklich äußerst sexy aus. Ich muss das feststellen. Dahinter liegen ihre wachen Augen. Augen, die die Welt um sie herum erkunden, wahrnehmen und das Wahrgenommene wie ein Schwamm aufsaugen. Der Sehnerv meldet das dann dem Gehirn...dieses sagt “Welt” zu uns. Der Prozess der Wahrnehmung: einzigartig, komplex, differenziert. Was wird wie wahrgenommen, wie viel und warum? Oberweite, Automarke, Bundesligatabelle! Als Mann stößt man ganz schnell auch mal an die Grenzen des Möglichen. Was bleibt davon hängen? Natürlich nur das Wichtigste. So gucken ihre Augen also neugierig hinter dem goldgelben Pony hervor, hinaus in die Welt und sehen mich. Werde ich überhaupt wahrgenommen? Scheint so, doch dann kommen Zweifel auf. Sie sieht mich nicht, blendet mich aus ihrem Gesichtsfeld aus. Besagter Nerv meldet
“Nichtbeachten” an ihre zentrale Verarbeitungsstelle im Kopf. Sie geht weiter...alles ist wie vorher, nur etwas Zeit ist inzwischen vergangen. Nichtbeachtet stehe ich dann da, an der Ecke, an eine Hauswand gelehnt, nachdenklich. Nikotinabhängige würden nun eine rauchen, ich hingegen begnüge ich mit einem Kaugummi - tropic-peach. Schmeckt zuerst irgendwie grauenhaft, dann neutral und aufgebraucht. Ich werfe das Kaugummi achtlos in den Müll. Wenn das Gesichtsfeld eingeschränkt ist, verschwimmt das Geschehene an dessen Rändern, bis es irgendwann einfach nicht mehr wahrgenommen werden kann. Jetzt.
Falsche Neuronen werden auf falschen Bahnen in verkehrte Richtungen geschickt. Ausweiten der Randzonen...Mode, Dresscode, Kleidung, Schuh, Hemd. Alles da, alles sitzt...perfekt. Ich lege das beste Parfüm auf, nur um gesehen und somit wahrgenommen zu werden. Ist das nötig? Ja! Der Pony blockiert den Zugang zu ihrer Welt. Lässig bläst sie ihn sich von der schweißnassen Stirn. Aber da bin ich längst schon die Straße entlang und nach Hause gelaufen.
bflo - 1. Aug, 13:50
Mittwoch, 30. Juli, München
Gefühllos und kalt, so geht er durch die Straßen seiner Stadt. Wenn die Nacht einbricht, fühlt er sich am wohlsten, der Mann ohne Gefühle. Er schlängelt sich durch die hell erleuchteten Gassen und Wege, hinein in die bleischwere Dunkelheit. Wieso er nicht mehr in der Lage ist, Gefühle zu zeigen, weiß er selbst nicht so genau…irgendwann musste er die Fähigkeit dazu wohl verloren haben. Natürlich konnte er noch lachen, schmunzeln oder innerlich traurig und missmutig sein. Nur nach außen konnte er all seine Emotionen nicht mehr richtig rüber bringen. Dumpf klingen die harten Tritte seiner festen Schuhe durch die Finsterniss. Ab und an kreuzen eine umher streunende Katze oder ein entlaufender Hund seinen ansonsten einsamen weg. Er zieht den Hut tiefer in die Stirn, schlägt den Mantel vorne ganz zu, klappt seinen Stehkragen nach oben und zündet die eben erloschenen Zigarette in seiner rechten Hand wieder an. Er kennt nur sehr wenige Menschen und wiederum nur sehr wenige kennen ihn...damit kommt er gut zurecht. Fern aller Gefühle wird es ihm, so denkt er, nie mehr gelingen, eine Frau von ganzem Herzen zu lieben und ihr diese Liebe auch zu zeigen. Vor Jahren war noch alles in Ordnung, bis er eines nachts einem Mädchen begegnet war und sich sofort verliebt hatte. Sie sprachen nur wenig miteinander, ehe sie verschwand, doch sie nahm seine Liebe und die Fähigkeit diese Liebe anderen zu offenbaren mit hinweg in die Dunkelheit. Seitdem war sein Herz auch innerlich eiskalt. Der Verfall wird von Tag zu Tag schlimmer und kann nicht aufgehalten werden. Es geschieht einfach mit ihm...unabdingbar, unveränderlich. Jeden Abend geht er durch die Gassen seiner Stadt, hinein in die Nacht...Transit am Übergang der Zeit. So begleitet der den Wechsel von Tag und Nacht. Manche Menschen, denen er begegnet halten ihn für einen Irren, einen verrückten Spinner oder sehen in ihm den menschgewordenen Tod. Für die anderen ist er nur der “Wächter der Nacht". Freunde hat er längst keine mehr. Allen gegenüber war er gefühllos und kalt. Nur ab und an sucht er eine der spärlich beleuchteten Eckkneipen auf und genehmigt sich ein kühles Bier und eine Kleinigkeit zu Essen. Manchmal sitz eine junge Frau alleine neben ihm am Tresen oder in der Mitte des Lokals. Dann unterhält er sich, sie lachen und tauschen verschiedene Geschichten und Erlebisse. Dann ist er für Minuten wieder normal. Dann spürt er manchmal tief in seinem Herzen so etwas wie Liebe...dumpf, oberflächlich und doch ganz tief in ihm drin. Dabei bleibt es. Das ist der Zeitpunkt, da er seiner Gesprächspartnerin zunickt, klirrend ein Paar Münzen auf den Tresen fallen lässt und durch die Schwingtür hinaus in die Nacht verschwindet. Noch lange hallen seine Schritte durch die Gassen und die Frau drinnen bleibt einsam, irritiert und traurig zurück. Doch voller Zuversicht und Hoffnung huscht ein sanftes Lächeln über das Gesicht des Einsamen und begleitet ihn auf seinem Weg.
bflo - 31. Jul, 22:06
Dienstag, 29. Juli, München
Sophie beantwortet keine Mails von mir. Was da wohl schon wieder los ist? Dabei habe ich ihr bereits dreimal geschrieben...SCHWEIGEN. Ich weiß nicht, ob es nur den anderen so geht, dass sie unter Stress stehen und viel zu tun haben. Ich bekomm das ja irgendwie unter einen Hut; kann meine Arbeit machen, zumindest teilweise. Die, die vor drei Monaten aus Südafrika kam, schweigt auch immer noch...ich möchte reden, vielleicht die Karten ein für alle mal auf den Tisch legen...offen spielen. Ich weiß sehr wohl, dass mein Blatt nicht das Beste ist, ich keinen Joker und kein Ass mehr im Ärmel habe, aber möglicherweise werde ich es riskieren. Durch die Wand das Schweigens hindurch aber unmöglich. “Hello darkness my old friend!” Gestern Abend noch im Kino gewesen und einen Teeny-Film gesehen...eigentlich peinlich, aber es sollte eben echtes Popcorn-Kino sein. Das war es dann auch...viel gelacht. Hatte an Ochsenknecht-Sohn-freie-Zone geglaubt und mich getäuscht...IRRGLAUBE. Da lassen sich diese Beziehungsprobleme immer so leicht lösen...unter Vierzehnjährigen. Wir sind zu alt...basta. Einen Ponyhof müsste man haben. Hab ich aber nicht! Pech! Ich denke darüber hinaus nach, all den Leuten, die hier drin vorkommen, einfach den Link hierzu zu schicken, mich zu offenbaren. Irgendwann werde ich das tun...doch vorerst bleibe ich anonym. Das hier ist ja nix Verbotenes oder Geheimes...es ist für MICH...REFLEXION. Mal sehen. Reden hilft, aber wie, wenn die Leute nicht erreichbar sind. Abwarten...Wie lange? Zu lange! Zögern und Zaudern.
Am nächsten Abend auf dem Balkon gestanden, ans Geländer geklammert, mit einem Glas Weißbier in der Hand. In den Nachthimmel gestarrt, die Augen in die Luft auf etwas Unsichtbares geheftet...DESILLUSIONIERT. Von weit her sind Böllerschüsse zu hören, es knallt, scheppert und kracht. Ich werde gestört, es hält nicht lange und schon bald ist es wieder still. Überall funkelte und leuchtete es...der Abend, noch jung, unverbraucht, nagelneu. Ich strecke das Bierglas in die Höhe, proste mir zu...unsichtbar. Unnahbar. Dann ziehen Wolken auf, der Himmel verdunkelt sich und schlagartig bricht die Nacht durchs Firmament. Es wird schwarz...pechschwarz. Kalt und leblos scheint alles um mich herum.
bflo - 30. Jul, 09:03
Montag, 28. Juli, München
„Dies Erdenleben, womit soll ich`s vergleichen? Wie wenn von Booten, früh hinausgerudert, keine Spur mehr zurück bleibt.“ Ich lese diesen Spruch an einer weißgestrichenen Wand im Aquariumhaus des Münchner Tierparks. Der Ausflug war lange geplant, doch bisher hat immer die Zeit gefehlt. Frühmorgens mit dem Fahrrad nach Thalkirchen geradelt…Sonnenschein. Ich war lange nicht mehr hier, wie ich sofort feststelle, denn einiges hat sich verändert. Die Schilder an den Tiergehegen, früher blass und von der Sonne ausgeblichen, wurden mittlerweile ausgetauscht oder erneuert. Weitläufig und großzügig angelegt war das Areal jedoch schon immer. Ein interessanter Tag. Es ist etwas anderes, wenn man als Erwachsener in den Tierpark geht. Man hat einen anderen Blick, nimmt sich für den Rundgang mehr Zeit und beobachtete alles ganz anders. Als Kind ist man an allem interessiert, selektiert dabei das Unwichtige vom Wichtigen viel langsamer, weshalb man schnell die Lust an manchen Erscheinungen verliert. Heute ist das anders, denn konnte ich früher gar nicht schnell genug zu den Löwen und Tigern gelangen, langweilen sie mich heute…liegen permanent faul in der Sonne und bewegen sich nicht. Affen sind interessanter…ich beobachte Schimpansen, die nächsten Verwandten des Menschen unter den Tieren. Schnell und neugierig sind sie, wie Menschenkinder. Auch Gorillas faszinieren mich und ich schwöre, dass einer von ihnen, wenn man sich die Körperbehaarung wegdenkt, wie Lucio, der Abwehrspieler von Bayern München, aussieht. Nur für Eisbären, Robben und Pinguine kann ich mich nicht so recht begeistern. Sie haben einfach zu wenig Platz, die Gehege und Schwimmbecken sind viel zu klein. MANKO. Viel gesehen, viel gelaufen, etwas nachgedacht…so verlasse ich am späten Nachmittag wieder den Tierpark. Eigentlich ganz interessant, trotzdem fühlt es sich anders an, als früher. Irgendetwas war passiert…ich bin immer noch begeistert, aber anders als damals. Man wird eben erwachsener…oder kommen die Einflüsse von außen? Internet, virtuelles Leben, neue Medien…was macht das mit uns? NEUE BEDÜRFNISSE. An eine weißgestrichene Wand würde ICH groß den Satz „Achte auf das Wesentliche!“ pinseln. Denn es gilt: „Tempora mutantur et nos mutamur in illis.
bflo - 29. Jul, 13:07
Sonntag, 27. Juli, München
Ich muss wohl wieder etwas merkwürdiges geträumt haben...UNRUHE. Ich stoße mit meinem Fuß so heftig an das große Kissen am Bettende, dass mein CD-Turm krachend umkippt. Dadurch schrecke ich hoch...aber wie. KRASS. Es ist nichts kaputt gegangen, wie ich augenscheinlich feststelle, nur die Halterung der Schwingtür hat sich gelockert und ein paar Discs liegen auf dem Boden verstreut - harmlos. Ich linse schlaftrunken auf meinen Wecker und stelle fest, dass es erst sechs Uhr morgens ist...na prima. Zum Glück falle ich schnell zurück in einen festen, traumlosen Schlaf.
Philosophie beschäftigt mich. Über was ich nicht schon sinniert habe: “Sein und Zeit”, “den Krieg aller gegen alle” oder den “kategorischen Imperativ”. Durch das Studium an der Universität bedingt begegnet mir vieles davon immer und immer wieder. Die Existenzialisten beeindrucken mich, Kant verstehe ich meistensnicht richtig und Hegel finde ich geheimnissvoll. Heute will ich mir über Schopenhauer Gedanken machen. Eigentlich schon falsch, denn von wollen kann keine Rede sein. Schopenhauers Satz: “Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will!”, sollte mich noch eine zeitlang beschäftigen. Das ist in der Tat eine wichtige Frage...ist unser Wille wirklich nicht frei, sondern wird von irgendwem, von irgendwoher irgenwie gesteuert? Die Experimente Libets scheinen dies ja auch zu untermauern. Ich will keine Abhandlung darüber schreiben, aber wenn ich etwas tue, weil ich denke, dass ich es will, es aber nur tun und nicht wollen kann, dann beschäftigt mich das schon. Ein interessantes Phänomen. Ich kann mir zwar Semmeln kaufen, aber ich kann nicht wollen, dass ich sie kaufe. Ich kann die Bank zwar überfallen, aber ist das auch mein Wille? Besonders im Bereich Verbrechen und Kriminalität würde die Unfreiheit des Willens eine völlig neue Rechtssprechung bedeuten. Aber was ist mit der Liebe? Wenn ich zwar lieben, aber das nicht wollen kann, wer braucht dann noch die Liebe? Ich beschließe für mich, dass Schopenhauers Gedanke zwar interessant, aber nicht richtig ist. Zumindest nicht vollständig. Oder doch? Ich werde weiter darüber nachdenken, auch wenn ich das wirklich gar nicht wollen könnte. Es ist immer besser, das getane auch als gewollt nachvollziehen zu können...ansonsten gäbe es kaum noch Selbstvertrauen. Darum sage ich: “Ja ich will!”
bflo - 28. Jul, 16:30
Samstag, 26. Juli, München
Kurz vor Mitternacht, es waren die letzten zehn Minuten am Tag meines vierundzwanzigsten Geburtstags, habe ich den großen Wagen gesehen. Zumindest habe ich mir eingebildet, dass es der große Wagen sein, wobei ich mir absolut nicht sicher war. Es hat einfach zu gut gepasst. Auch wenn der Film zunehmend uninteressanter und dessen Dialoge immer platter wurden, hatte die Szenerie eine gewisse Einzigartigkeit. Ich war alleine, obwohl Hunderte Menschen um mich herum auf mitgebrachten Decken oder Handtüchern im Gras lagen. Als der Film dann endlich vorbei war, trotteten wir nur langsam gen Bahnhof. Es war spät geworden...zu spät, um noch irgendwo etwas trinken zu gehen, obwohl die Situation es erfordert hätte. Ein herrlicher Sommerabend mitten in der Stadt...einmalig schön.
Ich wache auf und mein Genick schmerzt wie verrückt. Das gestrige Liegen im Gras tat ihm nicht gut...heute ist alles verspannt. Ich hätte es wissen müssen, denn man ist ja schließlich keine zwanzig mehr. Pech gehabt. Mühsam quäle ich mich aus dem Bett um zu frühstücken. Ein Tag, wie geschaffen um beim Fahrradfahren wieder einen klaren Kopf zu bekommen. RESÜMEE: Ein äußerst unspektakulärer Geburtstag....einer, der einfach vorüberging. Ich kann klagen...mich nicht entscheiden, wollte es doch so. Das war früher anders. Auf der Klassenfahrt in Hamburg, vor fünf Jahren, zum Neunzehnten. Auf Sankt Pauli kurz vor Mitternacht in irgendeine Bar gestolpert, mit dem ganzen Kurs, angestoßen, ausgetrunken und weitergezogen. Das war toll und endete in einer Disco damit, dass Flaschen flogen. RANDALE. Ein Kumpel hat mich rausgezogen. Wir waren alle unbeteiligt, irgendwelche Halbstarken wollten auf den Putz hauen. Sirene, Blaulicht, Peterwagen...morgens um fünf. Am nächsten Tag wieder ultrafit am Frühstückstisch gesessen. Das waren noch Zeiten. SPEKTAKEL. Man wird eben leider doch immer älter. Die Entscheidung fiel bewusst, war möglicherweise suboptimal, aber auch nicht die Schlechteste. Sie hat mich wirklich vergessen...keine Nachricht, bis heute. Hat wohl wieder viel Stress, aber trotzdem...TRAURIGKEIT. ENTTÄUSCHUNG. Wortlos starre ich auf den Bildschirm, den Blick auf mein leeres E-Mail-Postfach geheftet und bin selbst innerlich leer. Was bleibt ist Hoffnung. Mir läuft die Zeit davon...Tick, tack...tick, tack.
bflo - 27. Jul, 10:27