Montag, 4. August 2008

Weisheit auf zwei Rädern

Sonntag, 03. August, München

Die Lektüre von “Rave” beamt mich sogleich hoch...andere Sphäre...fremde Galaxie. Da passiert etwas mit mir, das ich aber nicht genauer beschreiben kann. Wenn die Drogen nicht wären, denn auf die kann man getrost verzichten...die braucht kein Mensch! Oder doch? Flucht aus der Realität in eine fiktive, andere Welt...THE GREAT ESCAPE. Diesen Gedanken werde ich für meine Magisterarbeit im Hinterkopf behalten. Ich komme darauf zurück. Frühmorgens sind es wieder die Vögel, die mich aus meinen unruhigen Träumen wecken. Da kann man ja nichts machen, denn so ist eben die Natur...nimmt keine Rücksicht auf den Wochentag. SONNTAGMORGEN. Muss natürlich dann gleich wieder raus aufs Rad und raus in die Welt. Der Regen der letzen Nacht und des frühen Tages hat die Luft etwas abgekühlt und die staubtrockene Erde gewaltig mit Feuchtigkeit durchsetzt. Wieder einmal fliegen mir die wildesten Gedanken zu...schlagartig. Wie einzelne Fetzen einer bunt gewebten Patchwork-Decke. Es sind teils erfreuliche Dinge, die mir da so in die Gehirnwindungen schießen, teilweise aber auch dunkle, düstere Impressionen. ZUKUNFTSFRAGEN. Was wird passieren wenn...? Und überhaupt und sowieso! Ja wie denn jetzt nun? Keine Ahnung, aber im Zweifel...für den Angeklagten? Immer doch. Gestern habe ich wieder angefangen den “Werther” zu lesen...großartiger Roman. Da steckt so viel Leben und Weisheit drin, dass es manchmal an den Seiten unter dem Buchdeckel heraus sprudeln möchte. Die besten Geschichten schreibt eben immer noch das Leben und da ist es gerade gut, wenn einer da ist, der sie achtsam und sorgfältig niederschreibt. Da ist dann äußerste Präzision geboten, die alles für die Nachwelt konserviert. Davon lernen können auch wir noch...gestern, heute, morgen...ständig.
Ja, so etwas fällt mir immer dann ein, wenn ich auf meinem Fahrrad sitze und durch die Wälder strample. Schon toll irgendwie. Bist du da ganz sicher? - Auf jeden...

Sonnenschauspiel

Samstag, 02. August, München

Mit der Enttäuschung kommt die Dunkelheit. Die Sonnenfinsternis ist, laut Zeitung, teilweise zu sehen. Ich passe gar nicht aus, achte nicht darauf, so dass das Schauspiel sowieso an mir vorübergeht. Da ist es dann auch egal, ob ich was beobachten hätte können, oder nicht. In einem Beitrag in den Nachrichten sehe ich bunt gekleidete Menschen mit schwarzen Sonnenbrillen irgendwo in Deutschland auf einem Hügel stehen und doof in den Himmel glotzen. 1999 hat auch mich dieses Naturschauspiel in seinen Bann gezogen. Für zwei Mark wurden Spezialpappbrillen gekauft, kamen dann am „D-Day“ kurz zum Einsatz, ehe ich sie in meiner Schule für Afrika gespendet habe. Da wurde dann ein paar Jahre später auch so eine Sonnenfinsternis veranstaltet. Seit mittlerweile neun Jahren, damals war es auch August, hängt ein Foto der verdunkelten Sonne in unserem Wohnzimmer. Für drei Mark konnte man es damals im Drogeriemarkt um die Ecke kaufen. Es ist ein Stück Erinnerung an den Tag, an dem es tagsüber plötzlich völlig finster geworden ist. Damals große Stimmung…tagsüber im Wohnzimmer sitzen und schlagartig wird es um einen herum schwarz, obwohl die Jalousien geöffnet sind…TOLL. Man wusste ja, dass es irgendwann wieder hell werden würde. Mit der kleinen Sonnenfinsternis hat sich auch meine Sonne verdunkelt...etwas hatte sich vor sie geschoben, aber eben komplett, so dass nicht einmal mehr an den Rändern ein Lichtkranz zu sehen war. Den Anblick jedoch kann ich unter keinen Umständen ertragen. Mir wird bewusst, dass meine Sonne nach diesem Spektakel vorerst wohl für längere Zeit untergehen würde. Um mich herum erlischt der eben noch strahlendblaue Himmel und es wird schlagartig Nacht. Die Vögel, deren Lieder zuvor noch zuversichtlich und voll der Hoffnung klangen, sind verstummt. Wie ist es, wenn man verliebt ist und dieses Gefühl erwidert wird? Ich kann es nicht sagen, aber sie weiß es...bekennt sich zu ihrer Liebe, schmettert das hinaus in die Welt. Was zu erwarten war...ich bin es nicht! “Amo ohne das odi”...allerdings im Dunkeln, ohne Gegenpart und einfach so in die Nacht hinein.

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