Freitag, 13. Juni 2008

(Em)phorie

Donnerstag, 12. Juni, München

Ich bin lange nicht mehr so intensiv Fahrrad gefahren wie heute. Früh morgens raus und rauf auf das Bike. Die Sonne scheint und es ist herrliches Wetter. Der Wind weht mäßig, aber doch kühl und das ist angenehm und sehr erfrischend. Ich genieße die wenigen Minuten in der Natur, ehe ich wieder nach Hause fahre, dusche und mich auf den Weg zur Uni mache. Als ich in der S-Bahn stehe, regnet es bereits in Strömen. Ich hatte Glück, dass ich so früh schon Rad gefahren bin. Später treffe ich in der Fußgängerzone eine Gruppe spanischer Fußballfans. Fünf Leute stehen kompakt um einen Mann herum, der dem Anschein nach ihr Reiseleiter zu sein scheint. Zwei Engländer gehen vorüber und rufen ihnen „Fernando Torres is the best player in the world!“ zu. Daraufhin stimmen die Spanier in laute „Torres, Torres!-Fangesänge“ ein. Lachend gehen die Engländer weiter. Auch ich muss grinsen. So ist eben Fußball. Herrlich!

Donnerstag, 12. Juni 2008

Offenherzig

Mittwoch, 11. Juni, München

Francesco ist Italiener und liebt die Frauen. Ich beobachte ihn, während ich auf meine U-Bahn warte, was heute verhältnismäßig lange dauert. Es ist frühmorgens und auch Francesco steht auf dem Bahnsteig. Jetzt geht er auf ein ihm fremdes Mädchen, das auf einem der Bänke sitzt, zu und spricht es an. Ich denke mir zuerst, dass sich die junge Frau belästigt fühlen könnte und überlege ernsthaft, ob ich nicht eingreifen sollte. Doch Francesco ist höflich, nett, zuvorkommend und hat nichts Böses im Sinn. Es ist einfach seine Masche. Anscheinend sprechen beide dieselbe Sprache, denn ich höre italienische Vokabeln heraus und das Mädchen kann auf Francescos Fragen dann doch antworten. Dann versichert er ihr, dass sie sehr schön sei. Ich verstehe es, denn er sagt es auf Deutsch. Verschwimmende Grenzen: Wo hört Freundlichkeit auf, wo fängt Belästigung an? Ich beobachte still, denn dem Mädchen scheint Francescos offenherzige Art sehr gut zu gefallen. Vielleicht ist das die Lösung: Man müsste einfach viel unkomplizierter agieren. Ich bin da einfach zu verkrampft. Direkt die Frauen ansprechen! Warum denn nicht? Francesco unterhält sich noch ein paar Minuten mit dem Mädchen, während ich wieder in mein Buch schaue. Alles ist in Ordnung. Dann kommt die Bahn. Francesco gibt dem Mädchen artig die Hand, bedankt sich und beide lachen. Die blonde Schönheit fühlt sich geschmeichelt. Die Begegnung tat ihr gut. Beide halten kurz gegenseitig ihre Hände, bevor Francesco aufsteht und in den Zug steigt. Er ist genau im Wagen vor mir und ich kann ihn gut durch die milchig-wirkende Glasscheibe erkennen. Jetzt fährt der Zug an und Francesco wirft dem Mädchen, das nun regungslos auf der Bank sitzt, eine Kusshand zu und winkt. Sie winkt zurück und wirkt glücklich. Mein Blick verharrt auf dem Mädchen und als ich wieder zu Francesco schaue, unterhält der sich bereits angeregt mit der jungen Frau, die neben ihm steht. Ich stecke mir meine Kopfhörer in die Ohren und lausche den „Killers“. „Were the white boys dance“…was für ein toller Song.
“Cause we're gonna go and change somebodies word.”

Erkennen

Dienstag, 10. Juni, München

Völlig müde stehe ich im gut gefüllten S-Bahnabteil. Ich bin punktgenau eingestiegen, obwohl wir nur den ersten Wagen als groben Anhaltspunkt vereinbart hatten. Da sitze sie immer, sagt sie. Was für ein gutes Timing meinerseits. Ich hatte sie längere Zeit nicht mehr gesehen, aber es scheint, als ob sie von Tag zu Tag hübscher wird. Wieder einmal ist es die Nase, die meinen Blick besonders fesselt. In letzter Zeit scheine ich ein Fable für „Nasen“ zu haben. Diese Stubsnäschen sind aber auch zu süß. Sie fährt mit einer Freundin zusammen nach München, der sie mich aber nicht vorstellt; ich mich ihr aber auch nicht. Das ist egal, denn nur sie zählt. Ich bin froh, dass es Tage wie diese gibt, an denen wir uns sehen. Ihr Südafrikaaufenthalt und die anschließende Party vor über zwei Monaten haben dazu beigetragen. Es ist gut so. Wir unterhalten uns über zwei andere Fahrgäste hinweg, denn ich habe keinen Sitzplatz. Erst am Hauptbahnhof kann ich mich hinsetzen.
Ich befand mich in einem größeren Zugabteil und auch da saß sie mir gegenüber, jedoch ich konnte sie nicht richtig erkennen. Ihr Körper schien eine schattenlose Chimäre zu sein, unwirklich und imaginiert. Ich sah ihre Gestik, ihre Mimik und ihre Nase. Sie war real, aber doch auch wieder nicht. Es war sehr seltsam, vor allem, da ich sie nicht erkennen konnte. Ich sah mich um und bemerkte, dass es in dem Abteil zwei Türen gab, die aber von innen nicht geöffnet werden konnten. Wir waren gefangen. Draußen flog die Landschaft vorbei, ein zäher Brei aus Bäumen und Umgebung. Dann sah ich mich weiter im Abteil um und sie war verschwunden, einfach nicht mehr zu erkennen. Ich musste an Südafrika denken und erwachte schließlich. Das war vor ein paar Tagen.
Wir gehen noch gemeinsam zur U-Bahn. Sie muss eine Station weiter fahren als ich. Beim Abschied habe ich das Bedürfnis, sie zu umarmen, was ich dann auch tue. Sie ist müde, wirkt dadurch abwesend und doch so vertraut. Es fühlt sich kurz so an, als sei sie in meinen Armen eingeschlafen. Ein Moment, unendlich flüchtig. Ich steige aus, sie fährt weiter und als der Zug den Bahnhof verlässt, verschwimmt ihr Gesicht hinter der Glasscheibe. Ich kann sie nicht erkennen.

Dienstag, 10. Juni 2008

Begegnungen

Montag, 09. Juni, München

Die Gemeinschaft in Budapest beginnt sich aufzulösen. Vor ein paar Monaten haben sich die jungen Leute in Ungarns Hauptstadt zusammengefunden. Studenten aus Deutschland und als Gast durfte auch ich ein paar Tage einer von ihnen sein. Nun geht jeder wieder seinen eigen Weg. Ich überfliege Janas Blog, den sie nur sporadisch aktualisiert, aber das Wichtigste kann ich immerhin herauslesen. Jana, das war das Mädchen mit der Nase, die mich schier um den Verstand bringt. Sie alle packen ihre Sachen und kommen langsam wieder nach Deutschland zurück. Ich würde mich schon wahnsinnig freuen, die noch einmal wieder zusehen. Ob das jemals der Fall sein wird, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden. Ich habe die Zeit in Budapest genossen, denke gerne daran zurück.
Jochen und ich stehen wieder an diesem altmodischen Gasofen in seiner WG. Da, wo man den Sicherheitsschalter immer eine ganze Minute gedrückt halten muss, da sonst kein Gas fließt. Wir schneiden diverses Gemüse klein, schütten es in einen Topf, geben irgendein Fleisch irgendwann dazu und es schmeckt anschließend trotzdem gut. Das fehlt mir irgendwie. Es war eben eine wunderbare Woche. Nun trennen sich die Wege aller wieder und sie werden sehen müssen, was die Zukunft bringt. Ich bin mir sicher, dass sie mit neuen Erfahrungen, neuen Eindrücken und neuen Emotionen zurückkehren werden. So bin auch ich vor zwei Monaten wieder heimgekommen. Im Vergleich zu meinen wenigen Tagen, sind vier Monate eine lange Zeit.
Ich gehe zur Uni und begegne Kathrin. Sie sieht mich nicht, oder will mich nicht sehen…wohl eher Letzteres. Ich schaffe es nicht, sie aufzuhalten. Sie sieht müde aus, stressgeplagt, immer noch wunderschön, aber unzufrieden. Ich glaube, ich werde sie bald vergessen.

Pablos Pferd

Sonntag, 08. Juni, München

Ich treffe Pablo. Er ist Portugiese, aber schon seit vielen Jahren in München. Wir begegnen uns, ohne uns zuvor jemals begegnet zu sein, kurz nach Mitternacht am Marienplatz im Untergeschoss. Mit meinen Gedanken bin ich ganz wo anders fragt, als er mich plötzlich nach Feuer fragt. Als Nichtraucher kann ich ihm natürlich nicht helfen, aber wir beginnen uns angeregt zu unterhalten. Er ist absoluter Portugal-Fan und hat eben noch mit seinen Freunden und seinem, wie er selbst sagt „Clan“, das Spiel gesehen. Jetzt sei er auch schon auf dem Nachhauseweg, aber da er bemerkt habe, dass hier noch soviel los sei, habe er sich entschlossen zu bleiben und ein bisschen von der Atmosphäre mitzunehmen. Welche Atmosphäre denn bitte frage ich ihn, als er sich mit dem Feuerzeug eine Zigarette, eines Türkeifans, wie am Trikot erkennbar wird, anzündet. Das sei die totale EM-Stimmung hier, meint er. Ich blicke mich um und sehe irgendwie nur ziemlich abgestürzte Leute, mutmaßlich Obdachlose und „Glatzen“ mit grimmigen Gesichtszügen. Pablo gefällt es trotzdem. Ich muss plötzlich an Sophie denken…voll komisch eigentlich. Pablo versichert mir glaubhaft, dass er an ein Pferd denke. Er müsse fast immer an ein Pferd denken, denn sein Lieblingsspieler sei Ricardo Carvalho und der erinnere ihn eben immer an ein Pferd. Er wisse auch nicht warum und auch ich bin bass erstaunt. Wir unterhalten uns dann noch über dies und das, Pablo gibt einen EM-Tipp ab (Portugal wird natürlich gewinnen…vor Deutschland). Wir vereinbaren ein gemeinsames Wiedersehen beim Finale End Juni und Pablo versichert mir, dass er leider auch bei unserer Verabschiedung an ein Pferd denken müsse. Das sei eben so. Ich fühle mich nicht gerade geschmeichelt. Wir reichen uns die Hände und ich gehe zur Rolltreppe, fahre hinunter zum Gleis und verschwinde in der einfahrenden S-Bahn. Es war spät geworden.
Moment: Seit wann heißen Portugiesen eigenlich Pablo?

Montag, 9. Juni 2008

Im Büro mit Christiano R.

Samstag, 07. Juni, München

Der Tag ist gekommen, die EM beginnt. Ich arbeite den ganzen Tag an diesem Handout und kann es am Abend dann endlich abschicken. Dann komme ich doch noch raus, denn die Redaktion, für die ich ab und an kleinere Artikel schreibe feiert die Einweihung der neuen Büroräume.
Ich stehe mit einem Bier in der Ecke und kenne erst einmal so gut wie niemanden. Das Bier ist lauwarm, denn irgendwer hat eine ganze Menge Flaschen aus dem Kühlschrank genommen, ohne wieder neues Bier nachzufüllen. Na toll!
Ich nippe an meinem Bier, starre immer wieder zur Großbildleinwand, auf der das Spiel Portugal gegen die Türkei läuft. Gar keine schlechte Partie. Ich treffe dann doch noch jemanden, mit dem ich mich noch den halben Abend über unterhalten kann. Immerhin! Portugal schießt zwei Tore und gewinnt verdient. Die, mit der ich mich unterhalten habe, verabschiedet sich und fährt nach Hause.
Mittlerweile stehen überall Leute, die sich ziemlich gut zu kennen scheinen und sich ständig umarmen und abknutschen. Irgendwo schreit jemand. Dann ist plötzlich kein Augustiner mehr da und ich trinke notgedrungen ein Becks. Es schmeckt genau so, wie ich erwartet habe, nämlich schlecht. Mittlerweile ist es fast Mitternacht und überall haben sich Grüppchen gebildet, die sich angeregt unterhalten. Nun ist es Zeit zu gehen. Ich erfahre zufällig vo irgendwem, dass neben uns in den Büroräumen die Redaktion des famosen „Neon“-Magazins eingezogen ist und heute auch feiert. Sophie arbeitet jetzt bei „Neon“. In der Online-Redaktion glaube ich. Als ich auf die Straße trete, schüttet es aus Kübeln, aber gehe mit dem Schirm los, als mir auffällt, dass die Büroräume aus denen ich gerade komme in der Hausnummer 49 sind. Sophie wohnt in der gleichen Straße Hausnummer 63, nur ein paar Häuser weiter. Sachen gibt es! Ich laufe nun durch die Nacht bis zum Marienplatz. Im Untergeschoss ist die Hölle los. Jeder hat irgendwie Alkohol dabei. Es ist kurz nach Mitternacht.

Sonntag, 8. Juni 2008

24 Stunden zum Vergessen

Freitag, 06. Juni, München

Es geschieht eigentlich nichts. Ich fahre früh zur Universität und es passiert fast den ganzen Tag lang nichts. Ich sitze im Computerraum, in dem es trotz des Regenwetters heiß und stickig ist. Absolut ein Tag zum Vergessen. Ich kann den PC beinahe nicht mehr sehen, aber mein Dozent will mein Thesenpapier nun doch schon früher, als ich geplant hatte. Aber am Mittwoch ist dann erst einmal alles vor bei und ich werde durchschnaufen können bis zum 20. Juni. Danach ist es dann endgültig vorbei. Ich langweile mich beinahe schon vor dem flimmernden Bildschirm. Irgendetwas scheint mit den Farben und den Zeichen auf der Mattscheibe nicht zu stimmen. Es ist, als würde all das vor mir in einem zähen Einheitsbrei zusammenfließen. Ich lasse den Kopf auf meine verschränkten Arme sinken und habe später das dumpfe Gefühl kurzzeitig eingeschlafen gewesen zu sein. Ich beschließe, dass nun Schluss ist und es besser ist, nach Hause zu gehen. Für heute habe ich genug gearbeitet, aber morgen werde ich noch mehr tun müssen. Ansonsten blieb heute alles ruhig. Es scheint fast so, als wäre ich mit geschlossenen Augen durch die Welt gegangen.
Ein Blinder.

Freitag, 6. Juni 2008

Lichtblick

Donnerstag, 05. Juni, München

Es gibt Tage wie diesen, da ist das Aufmerksamkeitsmaximum bei mir bereits am Nachmittag erreicht. Ich fühle mich matt und unkonzentriert, kann kaum noch anständig denken. Durch das Seminar muss ich aber durch, da hilft alles nichts. Zum Glück ist der Computer-Seminarraum anständig gekühlt. Zwei Ventilatoren rattern monoton an der Decke vor sich hin. Die ersten weiblichen Seminarteilnehmer ziehen sich fröstelnd ihre Jacken an. Ich finde es ganz in Ordnung. Später muss ich noch in die Bibliothek und es ist mal wieder unglaublich warm dort. Klimatisierung Fehlanzeige. Ich drohe geistig total abzuschalten, bis SIE meine Aufmerksamkeit weckt. Ich kenne sie aus meinem „München-Seminar“, aber wir haben noch kein Wort miteinander gesprochen. Das sollte sich heute ändern. Gleichzeitig greifen wir nach dem Seminarordner, der achtlos oben auf dem Regal liegt. Ihr Lächeln haut mich um…wir führen einen kurzen Smalltalk über das Seminar und das Eis scheint gebrochen zu sein. Ihr Gesicht, ihre Brille und die großen Augen bündeln meine Aufmerksamkeit. Sie lächelt süß. Als sie vor mir zu ihrem Arbeitsplatz geht, ertappe ich mich dabei, wie ich ihr auf den Hintern schaue. Ich fühle, dass ich unbedingt noch in der Bibliothek bleiben möchte, was ich dann auch noch für fünfzehn Minuten tue.
Wieder draußen stehe ich an den Schließfächern um meinen Rucksack zu holen und nun betritt auch sie den langen Gang. Wir sagen „Tschüss“ und gehen getrennte Wege. Am Montag ist wieder Seminar und ich freu mich. Ihren Namen weiß ich leider nicht, aber das fällt mir erst zu Hause auf. Immer das gleiche Problem an so einer großen Universität wie meiner.
Auf dem Bett liegend höre ich "Feel the rush", den EM-Song.

Donnerstag, 5. Juni 2008

Durch den Regen

Mittwoch, 04. Juni, München

Die Hitze der letzten Tage fordert ihren Tribut, denn schlagartig verdunkelt sich der Himmel und ein Gewitter zieht auf. Dicke, schwarze Regenwolken stehen bleiern in der Luft. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, denn ich kann fühlen, dass es gleich losgehen wird. Schließlich will ich doch losradeln, kehre aber nach knapp einhundert Metern wieder um. Der Himmel öffnet seine Schleusen und es beginnt in Strömen zu regnen.
Als der Niederschlag etwas schwächer wird, muss ich dann aber doch los. Es war schon spät geworden und ich wollte heim. Das Wetter war nicht wirklich bessern geworden, aber ich kämpfte mich trotzdem mit dem Fahrrad durch die langsam einsetzende Dunkelheit. Von meinem Helm perlten die einzelnen Tropfen ab und ließen meine Ohren ganz feucht werden. Nässe peitschte mir ins Gesicht, aber ich kämpfe mich trotzdem über den schwarzen Asphalt. Meine Hose war vom vielen Regen bereits völlig durchnässt und klebte an den Oberschenkeln. Von unten spritzte Wasser von der Straße gegen meine Schuhe. Langsam sogen sich auch die Socken mit Regen voll. Aber ich wollte, ja ich musste weiter.
Es ist immer eine Frage des Kopfes, denn der muss wollen, auch wenn der Körper längst nicht mehr will.
Ziemlich außer Puste kam ich dann zu Hause an, zog die nassen Klamotten aus und stellte mich unter die Dusche. Was für eine Schlacht.

Disconnect

Dienstag, 03. Juni, München

Wie abhängig der Mensch mittlerweile vom Internet ist, musste ich gestern feststellen. Gegen Abend kam der große Regen, Gewitterwolken zogen auf, es begann zu regnen und aus den anfänglich harmlos wirkenden Windböen wurde ein richtiger Sturm. Bei gedämpftem, aber ausreichendem Licht, saß ich vor meinem PC. Der matt-glänzende Flachbildschirm flimmerte ruhig vor sich hin und ich wollte mit dem Schreiben beginnen. Plötzlich wurde die Internetverbindung gekappt, noch bevor ich meine Emails abrufen konnte. Ich starrte auf den Boden, auf mein Modem, an dem alles wild blinkte und flackerte. Die LED-Lämpchen spielten Straßenverkehr, imitierten eine Ampel, funkelten abwechselnd rot, gelb und grün. Dann sind drei von ihnen endgültig erloschen. Nur noch die Netzsteckerkontrollleuchte verharrte in angenehmem Hellgrün. Brav. Ich versuchte zwei Stunden lang, den Fehler zu korrigieren, habe das Modem neu gestartet, geupdatet und zig Mal neu gebootet, aber es half nichts. Um Zehn Uhr dann habe ich meine Arbeit beendet. Ohne Internet konnte ich die wichtige Mail nicht abrufen und meine Antwort darauf nicht verschicken. Ohne Internet konnte ich nicht online veröffentlichen, weshalb auch das Schreiben keinen Sinn hatte. Freunde um diese Uhrzeit noch mit meinem Problem zu belästigen, wagte ich nicht. Man ist ja beinahe aufgeschmissen ohne die globale Vernetzung heutzutage…was will man also machen. Ich nutzte den angebrochenen Abend, um weiter in einem guten Buch zu lesen. Auch irgendwie ganz nett.
Heute Morgen dann den PC gestartet und online gegangen. Plötzlich war alles wieder so, als wäre nichts gewesen.
The storm was over.

Dienstag, 3. Juni 2008

Drei Tage wach

Montag, 02. Juni, München

Drei Monate ist sie nun schon auf Valium, eben seit sich ihr Freund von ihr getrennt hatte. So steht es zumindest in der Zeitung. Eine arme Frau, Mitte zwanzig und total kaputt. Da ist nichts mehr zu machen. Sie wolle nun mit dem Entzug beginnen, sie wisse, dass es hart wird, aber wolle es dennoch durchstehen. Das ist krass.
Dabei fing alles so harmlos an und zwar mit der Trennung von ihrem Freund nach neun Jahren Beziehung. Dabei war ihr das egal, hatte er sie die letzten zwei Jahre nur noch betrogen, was sie ja auch wusste. Sie wusste, dass bald Schluss sein würde, hatte es im Gefühl und es war ihr egal. Dann hat sie Stefan kennen gelernt, vor fast genau sechs Monaten. Es war während eines Australienurlaubs passiert, Stefan, eigentlich Deutscher, lebt mit seiner Familie seit zehn Jahren in Down Under. Beide verbrachten drei herrliche Wochen in Sydney und Melbourne. Vor drei Wochen kam Stefan sie besuchen, sie saß schon auf gepackten Koffern, denn sie wollte mit und wegen ihm den Kontinent für immer verlassen und zum anderen Ende der Welt auswandern. Er kam, sagte, dass er sie nicht mehr liebe und das wars dann. SEIFENBLASE. Alles geplatzt. Aus und vorbei. Was folgt sind Intensivstation nach zu viel Valium und Psychopharmaka, sowie die vor einer Woche begonnene Therapie. Er sollte der Mann fürs Leben sein…ein anderes Leben fern von Deutschland. Nun hat sie Angst. Sie ist aber über den Berg, wird irgendwann zurück ins Leben finden, aber die Narben werden bleiben. Die Erde dreht sich weiter. Jetzt ist sie erst einmal kaputt, aber es wird einen Neuanfang geben. Zerfressene Welt…die neuen Jahre Beziehung hat sie auch nicht so ohne weiteres überstanden.
In der Zeitung lese ich nur folgenden Satz: „Junge Frau nach Überdosis Valium in die Intensivstation eingeliefert." Trotzdem ist DAS ihre Geschichte.

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