Dienstag, 10. Juni 2008

Begegnungen

Montag, 09. Juni, München

Die Gemeinschaft in Budapest beginnt sich aufzulösen. Vor ein paar Monaten haben sich die jungen Leute in Ungarns Hauptstadt zusammengefunden. Studenten aus Deutschland und als Gast durfte auch ich ein paar Tage einer von ihnen sein. Nun geht jeder wieder seinen eigen Weg. Ich überfliege Janas Blog, den sie nur sporadisch aktualisiert, aber das Wichtigste kann ich immerhin herauslesen. Jana, das war das Mädchen mit der Nase, die mich schier um den Verstand bringt. Sie alle packen ihre Sachen und kommen langsam wieder nach Deutschland zurück. Ich würde mich schon wahnsinnig freuen, die noch einmal wieder zusehen. Ob das jemals der Fall sein wird, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden. Ich habe die Zeit in Budapest genossen, denke gerne daran zurück.
Jochen und ich stehen wieder an diesem altmodischen Gasofen in seiner WG. Da, wo man den Sicherheitsschalter immer eine ganze Minute gedrückt halten muss, da sonst kein Gas fließt. Wir schneiden diverses Gemüse klein, schütten es in einen Topf, geben irgendein Fleisch irgendwann dazu und es schmeckt anschließend trotzdem gut. Das fehlt mir irgendwie. Es war eben eine wunderbare Woche. Nun trennen sich die Wege aller wieder und sie werden sehen müssen, was die Zukunft bringt. Ich bin mir sicher, dass sie mit neuen Erfahrungen, neuen Eindrücken und neuen Emotionen zurückkehren werden. So bin auch ich vor zwei Monaten wieder heimgekommen. Im Vergleich zu meinen wenigen Tagen, sind vier Monate eine lange Zeit.
Ich gehe zur Uni und begegne Kathrin. Sie sieht mich nicht, oder will mich nicht sehen…wohl eher Letzteres. Ich schaffe es nicht, sie aufzuhalten. Sie sieht müde aus, stressgeplagt, immer noch wunderschön, aber unzufrieden. Ich glaube, ich werde sie bald vergessen.

Pablos Pferd

Sonntag, 08. Juni, München

Ich treffe Pablo. Er ist Portugiese, aber schon seit vielen Jahren in München. Wir begegnen uns, ohne uns zuvor jemals begegnet zu sein, kurz nach Mitternacht am Marienplatz im Untergeschoss. Mit meinen Gedanken bin ich ganz wo anders fragt, als er mich plötzlich nach Feuer fragt. Als Nichtraucher kann ich ihm natürlich nicht helfen, aber wir beginnen uns angeregt zu unterhalten. Er ist absoluter Portugal-Fan und hat eben noch mit seinen Freunden und seinem, wie er selbst sagt „Clan“, das Spiel gesehen. Jetzt sei er auch schon auf dem Nachhauseweg, aber da er bemerkt habe, dass hier noch soviel los sei, habe er sich entschlossen zu bleiben und ein bisschen von der Atmosphäre mitzunehmen. Welche Atmosphäre denn bitte frage ich ihn, als er sich mit dem Feuerzeug eine Zigarette, eines Türkeifans, wie am Trikot erkennbar wird, anzündet. Das sei die totale EM-Stimmung hier, meint er. Ich blicke mich um und sehe irgendwie nur ziemlich abgestürzte Leute, mutmaßlich Obdachlose und „Glatzen“ mit grimmigen Gesichtszügen. Pablo gefällt es trotzdem. Ich muss plötzlich an Sophie denken…voll komisch eigentlich. Pablo versichert mir glaubhaft, dass er an ein Pferd denke. Er müsse fast immer an ein Pferd denken, denn sein Lieblingsspieler sei Ricardo Carvalho und der erinnere ihn eben immer an ein Pferd. Er wisse auch nicht warum und auch ich bin bass erstaunt. Wir unterhalten uns dann noch über dies und das, Pablo gibt einen EM-Tipp ab (Portugal wird natürlich gewinnen…vor Deutschland). Wir vereinbaren ein gemeinsames Wiedersehen beim Finale End Juni und Pablo versichert mir, dass er leider auch bei unserer Verabschiedung an ein Pferd denken müsse. Das sei eben so. Ich fühle mich nicht gerade geschmeichelt. Wir reichen uns die Hände und ich gehe zur Rolltreppe, fahre hinunter zum Gleis und verschwinde in der einfahrenden S-Bahn. Es war spät geworden.
Moment: Seit wann heißen Portugiesen eigenlich Pablo?

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