Samstag, 24. Mai 2008

Die fabelhafte Welt der Sophie

Freitag, 23. Mai, München

In ihrem Leben scheint schon wieder so viel passiert zu sein und das in den wenigen Wochen, die wir uns nicht gesehen haben. Heute klappt es mit einem Treffen und sie hat dieses Buch dabei, worum ich sie gebeten habe. Ich habe gelernt zu warten. Ihr Leben ist eben schwer planbar, denn sie lebt viel spontaner und mehr aus dem Bauch heraus, im Gegenteil zu mir. Wie jede Begegnung empfinde ich auch diese als magisch. Ich sehe sie schon von weitem, sie lächelt mich an und ich lächle befriedigt zurück. Eine neue Wohnung ist mittlerweile Teil ihrer Welt geworden. Der Umzug war anstrengend und hat länger gedauert, als sie erwartet hatte, aber nun ist es geschafft. Auch eine Arbeit beim „Neon“ – Magazin ist nun Teil ihrer Welt. Sie braucht eben zusätzliche Abwechslung neben der Uni, sonst wird ihr alles zu eintönig. Ich bewundere diese Einstellung, ihre Welt und natürlich auch Sophie. Ich könnte das nicht, versuche ich mich doch immer voll und ganz auf die Uni zu konzentrieren, obwohl eine Nebenbeschäftigung sicher nicht verkehrt wäre. ZEITMANGEL. Sie bekommt das irgendwie hin, in ihrer eigenen kleinen Sophie-Welt. Sie lebt flexibel, lässt sich von fast nichts beeinflussen und bringt die Welt dazu, sich um sie zu drehen. Dabei ist sie kein bisschen arrogant, oder egoistisch…sie bekommt das eben so hin, wie es für sie und andere günstig ist. Ich glaube genau das ist es, was ich so an ihr liebe. Das Semester wird irgendwie weiterlaufen…gemeinsame Veranstaltungen besuchen wir diesmal nicht. Nach einer herzlichen Umarmung wünscht sie mir alles Gute für meine Referate, bevor sich unsere Wege trennen. Ich befürchte, dass ich sie so schnell nicht wieder sehen werde.

Freitag, 23. Mai 2008

Das Parfüm

Donnerstag, 22. Mai, München

Am Feiertag gehe ich durch die Stadt. Alles wirkt ausgestorben, aber die Restaurants haben natürlich geöffnet. Ich sammle die Eindrücke und Düfte, die auf mich einströmen, wenn ich die Straßen entlang gehe. Ich starte an der Briennerstraße und laufe quer durch die Stadt. Wichtig ist, dass man seine Stadt, in der man lebt, immer mit allen Sinnen genießen und wahrnehmen kann. So viele verschiedene Gerüche strömen von allen Seiten auf mich ein. Ich rieche Thymian, Rosmarin, verbranntes Fleisch, gebratene Kartoffeln und Curry-Reis. Meine Stadt ist Wahnsinn, auch am Feiertag. Was da von allen Seiten so alles auf einen einwirkt. Zum Beispiel beobachte ich Obdachlosen, der vor dem sündhaft teuren Merceds-Autohaus im Müll kramt und irgendetwas sucht. Aber mein Weg treibt mich weiter hinein in die Stadt, mitten ins Zentrum. Es sind dann doch überraschenderweise viele Leute unterwegs, schlendern und flanieren die Gässchen entlang. Das alles gehört zu einer Stadt…zu meiner Stadt. Ich würde etwas vermissen, wenn es nicht mehr da wäre. Unsere Städte werden heutzutage immer ähnlicher und es gibt leider nur noch wenige Elemente, die einer Stadt den ganz eigenen Charakter und Charme verleihen. Die Kirchen, das Rathaus, der Stachus, der Marienplatz etc. Das alles ist meine Stadt. Ich gehe nachdenkend vorüber, rieche den der Stadt ewig eigenen Duft, und bin zufrieden. München riecht so.

Donnerstag, 22. Mai 2008

Disappear

Mittwoch, 21. Mai, München

Ich klappe die beiden Buchdeckel zu und beginne über das Verschwinden nachzudenken. Mit dem Rücken achtlos an die Türen der S-Bahn gelehnt verdecke ich unbewusst das rote Warnschild „Bitte nicht an die Türen lehnen“. Es ist früher Morgen und nur wenige Leute teilen sich mit mir stehend das Bahnabteil. Die meisten derjenigen, die Sitzplätze haben schlafen oder dösen zumindest ruhig vor sich hin. Mit dem Verschwinden ist es so eine Sache. Ich denke mir oft, dass es bei mir spurlos gehen müsse. An Tod ist dabei nicht zu denken. Ich begreife das Verschwinden als so etwas wie gerade noch manifest an einem Ort sein, um sich einen Augenblick später einfach aufzulösen und an einem anderen Ort, in einer anderen Welt wieder zu erscheinen. Beinahe wie Beamen. Mit dem Ruderboot hinaus bis zur Mitte eines Sees fahren und dann einfach abtauchen, um wo anders wieder auferstehen zu können. Öfter habe ich das Gefühl, das mein Verschwinden gar nicht so viele Leute mitbekommen würden. Aber wer weiß das schon. Wie wäre die andere Welt, wo würde ich auftauchen und könnte ich mir den Ort aussuchen? In den 90ern wollte man einfach nur weg…Rastlosigkeit…Hektik. Die Konsum- und Markenwelt untergrub jeden Individualismus. Menschen verschwinden in der Masse.
Verschwinden als Ausweg.
Verschwinden als Rettungsanker.
Das kann eigentlich doch keine Lösung sein, aber ich denke weiter nach, forme fremde Welten und andere Orte plastisch vor meinem geistigen Auge.
Mir fällt auf, dass ich mich nicht gegen die Türen lehnen sollte und darum trete ich zwei Schritte weiter ins Abteil, stecke mir Kopfhörer ins Ohr, höre Mobys CD „Last night“, fahre die zwei Stationen bis zur Universität und bin zufrieden.

Feier-Tag

Dienstag, 20. Mai, München

Meine Bedenken von letzter Wochen haben sich zerschlagen. Heute hat sie Geburtstag, was sie aber verdrängt. Verstehe ich gar nicht, obwohl Vierundzwanzig nun wirklich kein Alter ist. Wobei ich zugeben muss, dass ich auch nicht mehr so begeistert bin, wenn besagter Tag näher rückt. Frauen sind da ja immer noch kritischer. Letzte Woche war sie noch kalt und irgendwie abweisend, aber das scheint an den Umständen gelegen zu haben. Ich stelle fest, dass sie, wenn sie mit mir alleine spricht, viel offener ist. Sind ihre Freunde dabei, wirkt sie zusehends verschlossen. Auch heute Morgen scheint sie den Tag ausgeblendet zu haben…sie kommt zu spät. Später schenke ich ihr eine kleine Flasche Wein und eine Süßigkeit. Ich habe den Eindruck, dass Sandra sich trotzdem freut. Sie redet oft von so etwas wie einer inneren Uhr und davon, dass sie eigentlich mit Sechsundzwanzig ein Kind möchte…ein Mann fehlt ihr aber noch. Wir verabschieden uns und ich bin glücklich, dass sie sich doch gefreut hat. Sie sagt, dass sie den Wein die Tage einmal probieren wird. Für mich verläuft der restliche Tag ziemlich ruhig und ich kann mit Freunden noch einen entspannten Abend verleben. Todmüde falle ich später ins Bett, da mein Schlafdefizit mittlerweile beträchtliches Ausmaß angenommen hat.

Angst essen Seele auf

Montag, 19. Mai, München

Teilweise hatte Kathrin Recht. Rückblickend kann ich das wohl sagen. Es ist Sonntag und ich sitze ab neun Uhr morgens in der Uni. Teil zwei des Blockseminars…immer noch interessant, trotz Sonntag. Mit einer Kommilitonin komme ich auf das Thema „Stalking“ zu sprechen. Sie erzählt mir, dass sie da seit einigen Monaten von einem verfolgt wird und sie hat Angst. Krasse Sache. Ihr ist das natürlich mächtig unangenehm und unheimlich. Als das Seminar endet, gehe ich mit vielen unterschiedlichen Erfahrungen nach Hause. Ich merke, dass ich etwas paranoid bin, denn urplötzlich sehe ich an jeder Ecke eine Situation, in der ich helfen müsse. EINDEUTIG ÜBERTRIEBEN. In jedem Fall hat mich das Wochenende richtig weiter gebracht.
Auf dem Heimweg denke ich an Kathrin und versuche ihre Situation zu verstehen. Teilweise gelingt mir das auch. Sie hatte damals Angst…vor mir, wie sie gesagt hat. Ich wollte wohl zu viel, aber sie hat eindeutig überreagiert. Es wäre müßig, wieder darüber nachzudenken und zu schreiben, darum nur so viel. Wenn ein so großes Missverständnis wie zwischen Kathrin und mir auftritt, ist es nur schwer wieder aus der Welt zu schaffen. Unseres besteht immer noch, daran hat sich auch nach 355 Tagen nichts geändert…schade. Ich beschließe ihr eine Mail zu schreiben…wieder einmal. Ich sollte es nicht tun, aber es fällt mir schwer, damit zu leben. Ich kann es einfach nicht. Sie hat Angst…ich auch.

Dienstag, 20. Mai 2008

An den Grenzen

Sonntag, 18. Mai, München

Ich bin ein Pendel, ausgerichtet auf die Überbrückung einer möglichst großen Wegstrecke und die Zurücklegung der maximalen Amplitude zwischen zwei Punkten. Also gehe ich meinen Weg permanent zwischen zwei Extremen. Den Bereich dazwischen muss ich sorgsam abwägen und vorsichtig ausloten. Gefahr besteht nur an den Ränder…dazwischen kann ich mich relativ sicher fühlen. So ist das nun mal im Leben…man muss seinen eigenen Mittelweg finden. Wie pflege ich soziale Beziehungen? Ich weiße es nicht, weiß nur, dass Frauen einfach zu schwierig sind.
Vor einem Monat beschloss ich, DJ zu werden. Ich bin es immer noch nicht, aber der Gedanke ist noch da, mindestens genauso stark wie vor vier Wochen, wenn nicht sogar stärker. Ein Gefühl von Macht, Kontrolle und Einzigartigkeit verbinde ich mit dem DJ-Sein. Dabei ist womöglich die Kontrolle die stärkste Waffe…ich sage, zu was getanzt wird. Gefälle der Zuständigkeit. Ich bin euer Dealer, besorge euch den Stoff, zu dem ihr tanzt. Ich mache süchtig.
„For you“ von den Disco Boys tönt über die Lautsprecher durch den Raum und dabei kommt dieser Gedanke. Es ist das geschickte Handwerk, das mich fasziniert und in den Bann zieht. Der Song packt mich und meine Gedanken gehen weit…ein echter Dance-Hit.
Ich springe weiter…“Narcotic“. Ich liebe diesen Song, war lange Zeit der Meinung, dass es das beste Lied ist, das jemals geschrieben wurde. Alleine das Key-Board-Intro erzeugt Gänsehaut und mir läuft ein Schauer über den Rücken…eiskalt. 1998 erschienen ist die Macht auch nach zehn Jahren nicht gebrochen. Danke Liquido.

Wir sind Helden

Samstag, 17. Mai, München

Uni am Wochenende. Es fühlt sich seltsam an, aber im Rückblick bin ich heilfroh, dass ich es gemacht habe. Nach drei Semestern auf der Warteliste bin ich nun auch endlich am Zug. Zivilcourage-Trainings an der Uni sind sehr gefragt (scheinbar). Samstags um 9.00 Uhr fällt der Startschuss...wie es abläuft? Egal! Was ich mir erhoffe? Wichtig! Wir schauen viel zu oft weg, wenn irgendwo um uns herum Menschen in Not sind. Das Seminar befasst sich besonders mit fremdenfeindlichem Verhalten, was als Thema ja gar nicht wichtig genug sein kann. Ein Schwarzer wird angepöbelt, Mitmenschen starren auf den Boden oder glotzen aus dem Fenster. Auch ich bin dafür anfällig. Leider. Man muss eingreifen, aber wie? Hemmschwellen müssen abgebaut werden...das will das Seminar und es ist gut so. Rollenspiele erleichtern die Implementierung. Die Dozentin ist äußerst hübsch, ich möchte sagen es ist die hübscheste Dozentin der Psychologie hier an der Uni in München. Die Atmosphäre ist entspannt...alle sind locker, unverkrampft und machen mit. Ich sauge die Umgebung in mich ein; neue Gesichter, neue Menschen, überwiegend weiblich. Es passiert viel zu viel Ungerechtigkeit um uns herum. Die Welt ist schlecht, Bayern endlich wieder Meister. Die Zeit vergeht wie im Flug...ein Wochenende an der Uni...morgen der zweite Tag.
Abends, als ich längst zu Hause bin befindet sich der Autokorso mit den Fußballhelden auf der Leopoldstraße, nahe dem Gebäude, in dem das Semianr stattfindet. Auch ich war ja heute irgendwie ein Held, wenn auch nur ein kleiner.

Montag, 19. Mai 2008

Die Wahrheit ist

Freitag, 16. Mai, München

Die Wahrheit, die vor mir liegt ist abgegriffen, staubig und matt von Schmutz. Zu oft habe ich sie in den letzten Tagen mit schmutzigen Händen angefasst, gedreht und gewendet. Sie hat jetzt nichts Ursprüngliches mehr und die Grenzen ihrer räumlichen Ausdehnung sind vollkommen verschwunden. Hat sie doch so klein und unscheinbar wie nur möglich begonnen, scheint sie sich nun enorm ausgedehnt zu haben, so dass ich Mühe habe, sie zu greifen.
Schon vor Jahren wurde mir ein Teil der Wahrheit bereits bewußt, doch erst jetzt merke ich langsam, dass ich sehr viele ihrer Facetten noch gar nicht kenne. Sie ist ein schillerndes Konstrukt, scheinbar unendlich und nicht absolut. Die Wahrheit ist...
Gerade in letzter Zeit habe ich versucht sie aktiv irgendwo hinzudrängen, aus meinen Augen dorthin, wo ich sie nicht permanent sehen muss. Ich hatte Angst vor ihr und wollte sie bekämpfen, aber sie hat sich nicht unterkriegen lassen. Jetzt liegt sie wieder da, frech und aufgeblasen in ihrer ganzen Größe vor mir und ich kann der Konfrontation mit ihr nicht mehr entgehen. Sie ist äußerst unangenehm, beinahe Ekel erregend.
Die Wahrheit ist...
Ich fühle mich rastlos, seelenloser, einsamer Wanderer durch die Zeit...und eigentlich ziemlich allein.

Sonntag, 18. Mai 2008

Botschaft der Kaiserin

Donnerstag, 15. Mai, München

Sie hat sich schon lange nicht mehr gemeldet, dabei wollte sie mir doch das Buch ausleihen. Mit der Zusage, dass sie sich melden wolle und zwar sehr bald, trennen sich unsere Wege nach dem Theater vor fast zwei Wochen. Seit dem hat sie nichts mehr von sich hören lassen. Ich muss offen zugeben, dass ich darüber schon traurig bin. Gut, ich verstehe ja, dass sie viel Stress die letzten Tage hatte, weil sie ja umgezogen ist. Aber aus einer Kiste ein Buch hervorkramen uns sich bei mir melden, ob man sich mal kurz treffen könnte, kann so schwer nicht sein. Auf jeden Fall warte ich immer noch auf eine Rückmeldung von ihr und wenn diese bis Montag nicht erfolgt, dann muss ich mir das Buch wohl selber kaufen. That`s life.
Franz Kafka kann man glauben.
Die ganze Situation kommt mir so vor, wie in einer Parabel oder einer Kurzgeschichte, die ich einmal von ihm gelesen habe. Es geht um die kaiserliche Botschaft, die, vom Kaiser gesandt und nur für mich bestimmt ist. Aber der Bote, der damit zu mir unterwegs ist, kann und wird mich niemals erreichen. So groß ist die Kluft zwischen uns. Sie, die Kaiserin und ich, derjenige, der auf eine Nachricht wartet und sie sich träumt, wenn der Abend kommt. Ich sitze beinahe da und warte, aber nichts passiert. Kafkas Geschichte wird natürlich anders interpretiert und ausgelegt, aber ich deute sie genau so.
Ich stelle mir dann vor, dass Sophies Botschaft schon längst auf dem Weg zu mir ist, aber mich wegen all der Hindernisse und Schwierigkeiten nicht erreichen kann. Eigentlich lächerlich, aber ich erträume sie mir, und das nicht nur, wenn der Abend kommt. Oft läutet es dann an der Haustüre, oder mein Handy vibriert und ich schaue irritiert nach oder nehme verstört das Gespräch an. Eigentlich beängstigend…

Freitag, 16. Mai 2008

Alle, alle fragen; jeder, jeder will es wissen

Mittwoch, 14. Mai, München

Die Zeit vergeht wieder viel zu schnell. Heute ist morgen schon gestern. Es ist unglaublich, wenn ich mir vorstelle, dass das Semester doch gerade erst begonnen hat; der reine Wahnsinn. Ich werde älter und älter, das bedrückt mich von Zeit zu Zeit, obwohl es zum Leben einfach dazugehört. Früher konnte ich den Tag meines Geburtstags gar nicht abwarten, wohingegen ich heute fast froh bin, wenn der Zeitpunkt vorüber ist. Ich hoffe, das ist normal.
Wir waren in der S-Bahn verabredet, aber sie ist mal wieder krank. Ich warte, aber nur kurz und zum Glück nicht vergebens, denn ich bin selbst noch irre schlaftrunken. Ob es ihr in Afrika wohl auch so ging? Diese Frau hält wirklich kaum etwas aus…obwohl, vielleicht ist das im Moment auch nur eine schlechte Phase, wer weiß. Evolutionsbiologisch wäre eine Fortpflanzung mit ihr eigentlich ungünstig, da doch immer nur die Stärksten und best angepassten Lebewesen überleben (sagt Darwin). Na ja, in der kurzen Zeit sollte das aber nichts ausmachen und wenn ich ehrlich bin, ist mir dieser Aspekt auch scheißegal. Da zählen dann einfach andere Werte, das gebe ich offen zu. Auf jeden Fall ist sie eben mal wieder krank…ein Schnupfen, aber auch der wird vorübergehen…ganz bestimmt. Vielleicht sehe ich sie ja nächste Woche. Wer weiß das? Wer kennt die Antwort? Das Leben ist leider nicht zu einhundert Prozent planbar. Obwohl, was heißt leider...

Donnerstag, 15. Mai 2008

Der Fleck

Dienstag, 13. Mai, München

Ich habe es geschafft, das ist der Durchbruch, ganz bestimmt. Ich brüte vor meinen Unterlagen, schenke mir eine Tasse Kaffee ein und rühre mechanisch darin herum. Mein Schreibtisch versinkt in einem Berg von Papieren, Zetteln und Büchern. Angestrengt fliegt mein Blick über die eng beschriebenen Zeilen. Dann passiert es: als ich versuche die Tasse an meine Lippen zu führen, ergießt sich ein Schwall der braunen Koffeinbrühe über eines meiner Blätter. Mein erster Kaffeefleck ist geboren. Hektisch reiße ich das beschmutzte Blatt von einem Stapel weiterer Unterlagen, damit nicht noch andere Dokumente Schaden nehmen.
Kaffeeflecken auf irgendwelchen wissenschaftlichen Materialien erwecken für mich immer den Eindruck des Intellektuellen. Das ist wir vorher noch nie passiert. Man sieht, dass mit den Dingen gearbeitet wurde, dass sie benutzt und verwendet wurden. Ein bestimmtes Flair entsteht, der Eindruck von Wissenschaftlichkeit. Man kann das gar nichts so genau beschreiben. Frustriert wegen des Fleckens, aber auch glücklich, da ich mich nun als Intellektueller fühle, packe ich nach getaner Arbeit meine Sachen zusammen. In der S-Bahn neben mir sitzt eine Frau, die intensiv in der Nase bohrt, ihren Popel anschließend zu einer Kugel rollt und ihn durchs Abteil schnippt. Sachen gibt’s.

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