Dienstag, 20. Mai 2008

An den Grenzen

Sonntag, 18. Mai, München

Ich bin ein Pendel, ausgerichtet auf die Überbrückung einer möglichst großen Wegstrecke und die Zurücklegung der maximalen Amplitude zwischen zwei Punkten. Also gehe ich meinen Weg permanent zwischen zwei Extremen. Den Bereich dazwischen muss ich sorgsam abwägen und vorsichtig ausloten. Gefahr besteht nur an den Ränder…dazwischen kann ich mich relativ sicher fühlen. So ist das nun mal im Leben…man muss seinen eigenen Mittelweg finden. Wie pflege ich soziale Beziehungen? Ich weiße es nicht, weiß nur, dass Frauen einfach zu schwierig sind.
Vor einem Monat beschloss ich, DJ zu werden. Ich bin es immer noch nicht, aber der Gedanke ist noch da, mindestens genauso stark wie vor vier Wochen, wenn nicht sogar stärker. Ein Gefühl von Macht, Kontrolle und Einzigartigkeit verbinde ich mit dem DJ-Sein. Dabei ist womöglich die Kontrolle die stärkste Waffe…ich sage, zu was getanzt wird. Gefälle der Zuständigkeit. Ich bin euer Dealer, besorge euch den Stoff, zu dem ihr tanzt. Ich mache süchtig.
„For you“ von den Disco Boys tönt über die Lautsprecher durch den Raum und dabei kommt dieser Gedanke. Es ist das geschickte Handwerk, das mich fasziniert und in den Bann zieht. Der Song packt mich und meine Gedanken gehen weit…ein echter Dance-Hit.
Ich springe weiter…“Narcotic“. Ich liebe diesen Song, war lange Zeit der Meinung, dass es das beste Lied ist, das jemals geschrieben wurde. Alleine das Key-Board-Intro erzeugt Gänsehaut und mir läuft ein Schauer über den Rücken…eiskalt. 1998 erschienen ist die Macht auch nach zehn Jahren nicht gebrochen. Danke Liquido.

Wir sind Helden

Samstag, 17. Mai, München

Uni am Wochenende. Es fühlt sich seltsam an, aber im Rückblick bin ich heilfroh, dass ich es gemacht habe. Nach drei Semestern auf der Warteliste bin ich nun auch endlich am Zug. Zivilcourage-Trainings an der Uni sind sehr gefragt (scheinbar). Samstags um 9.00 Uhr fällt der Startschuss...wie es abläuft? Egal! Was ich mir erhoffe? Wichtig! Wir schauen viel zu oft weg, wenn irgendwo um uns herum Menschen in Not sind. Das Seminar befasst sich besonders mit fremdenfeindlichem Verhalten, was als Thema ja gar nicht wichtig genug sein kann. Ein Schwarzer wird angepöbelt, Mitmenschen starren auf den Boden oder glotzen aus dem Fenster. Auch ich bin dafür anfällig. Leider. Man muss eingreifen, aber wie? Hemmschwellen müssen abgebaut werden...das will das Seminar und es ist gut so. Rollenspiele erleichtern die Implementierung. Die Dozentin ist äußerst hübsch, ich möchte sagen es ist die hübscheste Dozentin der Psychologie hier an der Uni in München. Die Atmosphäre ist entspannt...alle sind locker, unverkrampft und machen mit. Ich sauge die Umgebung in mich ein; neue Gesichter, neue Menschen, überwiegend weiblich. Es passiert viel zu viel Ungerechtigkeit um uns herum. Die Welt ist schlecht, Bayern endlich wieder Meister. Die Zeit vergeht wie im Flug...ein Wochenende an der Uni...morgen der zweite Tag.
Abends, als ich längst zu Hause bin befindet sich der Autokorso mit den Fußballhelden auf der Leopoldstraße, nahe dem Gebäude, in dem das Semianr stattfindet. Auch ich war ja heute irgendwie ein Held, wenn auch nur ein kleiner.

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