Disappear
Mittwoch, 21. Mai, München
Ich klappe die beiden Buchdeckel zu und beginne über das Verschwinden nachzudenken. Mit dem Rücken achtlos an die Türen der S-Bahn gelehnt verdecke ich unbewusst das rote Warnschild „Bitte nicht an die Türen lehnen“. Es ist früher Morgen und nur wenige Leute teilen sich mit mir stehend das Bahnabteil. Die meisten derjenigen, die Sitzplätze haben schlafen oder dösen zumindest ruhig vor sich hin. Mit dem Verschwinden ist es so eine Sache. Ich denke mir oft, dass es bei mir spurlos gehen müsse. An Tod ist dabei nicht zu denken. Ich begreife das Verschwinden als so etwas wie gerade noch manifest an einem Ort sein, um sich einen Augenblick später einfach aufzulösen und an einem anderen Ort, in einer anderen Welt wieder zu erscheinen. Beinahe wie Beamen. Mit dem Ruderboot hinaus bis zur Mitte eines Sees fahren und dann einfach abtauchen, um wo anders wieder auferstehen zu können. Öfter habe ich das Gefühl, das mein Verschwinden gar nicht so viele Leute mitbekommen würden. Aber wer weiß das schon. Wie wäre die andere Welt, wo würde ich auftauchen und könnte ich mir den Ort aussuchen? In den 90ern wollte man einfach nur weg…Rastlosigkeit…Hektik. Die Konsum- und Markenwelt untergrub jeden Individualismus. Menschen verschwinden in der Masse.
Verschwinden als Ausweg.
Verschwinden als Rettungsanker.
Das kann eigentlich doch keine Lösung sein, aber ich denke weiter nach, forme fremde Welten und andere Orte plastisch vor meinem geistigen Auge.
Mir fällt auf, dass ich mich nicht gegen die Türen lehnen sollte und darum trete ich zwei Schritte weiter ins Abteil, stecke mir Kopfhörer ins Ohr, höre Mobys CD „Last night“, fahre die zwei Stationen bis zur Universität und bin zufrieden.
Ich klappe die beiden Buchdeckel zu und beginne über das Verschwinden nachzudenken. Mit dem Rücken achtlos an die Türen der S-Bahn gelehnt verdecke ich unbewusst das rote Warnschild „Bitte nicht an die Türen lehnen“. Es ist früher Morgen und nur wenige Leute teilen sich mit mir stehend das Bahnabteil. Die meisten derjenigen, die Sitzplätze haben schlafen oder dösen zumindest ruhig vor sich hin. Mit dem Verschwinden ist es so eine Sache. Ich denke mir oft, dass es bei mir spurlos gehen müsse. An Tod ist dabei nicht zu denken. Ich begreife das Verschwinden als so etwas wie gerade noch manifest an einem Ort sein, um sich einen Augenblick später einfach aufzulösen und an einem anderen Ort, in einer anderen Welt wieder zu erscheinen. Beinahe wie Beamen. Mit dem Ruderboot hinaus bis zur Mitte eines Sees fahren und dann einfach abtauchen, um wo anders wieder auferstehen zu können. Öfter habe ich das Gefühl, das mein Verschwinden gar nicht so viele Leute mitbekommen würden. Aber wer weiß das schon. Wie wäre die andere Welt, wo würde ich auftauchen und könnte ich mir den Ort aussuchen? In den 90ern wollte man einfach nur weg…Rastlosigkeit…Hektik. Die Konsum- und Markenwelt untergrub jeden Individualismus. Menschen verschwinden in der Masse.
Verschwinden als Ausweg.
Verschwinden als Rettungsanker.
Das kann eigentlich doch keine Lösung sein, aber ich denke weiter nach, forme fremde Welten und andere Orte plastisch vor meinem geistigen Auge.
Mir fällt auf, dass ich mich nicht gegen die Türen lehnen sollte und darum trete ich zwei Schritte weiter ins Abteil, stecke mir Kopfhörer ins Ohr, höre Mobys CD „Last night“, fahre die zwei Stationen bis zur Universität und bin zufrieden.
bflo - 22. Mai, 19:41
