Dienstag, 13. Mai 2008

Lazy Feiertag

Montag, 12. Mai, München

An Feiertagen weiß ich selten, was ich mit meiner freien Zeit anfangen soll. Heute ist das anders, denn ich muss ziemlich viel Zeug für die Uni fertig machen. In den letzten Tagen hat sich einfach zu viel hier angesammelt. Zudem habe ich am Wochenende dieses Seminar, was bedeutet, dass ich noch Texte lesen und zusammenfassen muss. Ich versinke also in meinen Aufzeichnungen, lese Satz für Satz, mache mir Notizen und tippe das Ganze später am Computer ab. Ein Traumtag sieht zwar anders aus, noch dazu wo es draußen wieder herrliches Wetter hat, aber da muss ich durch. Manchmal muss man eben den inneren Schweinehund überwinden, auch wenn er noch so groß ist. Glücklicherweise komme ich wirklich gut voran. Abends sitze ich dann wieder auf meinem Fahrrad und radle in den Biergarten. Schönes Wetter, preisgünstiges Bier und eine chillige Atmosphäre lassen mich den Nachmittag zu Hause schnell vergessen. Wir sitzen gemütlich in einer kleinen Gruppe auf Bierbänken und jeder hat eine frische Maß vor sich stehen. Sogar eine Live-Band spielt. Der Sänger ist echt nicht schlecht…liefert ruhige, gediegene Mucke, zu der auch prima eine Flasche Rotwein gepasst hätte. Der Abend jedenfalls klingt wunderbar aus und eine halbe Stunde vor Mitternacht mache ich mich dann wieder auf den Heimweg.

Blick in die Zukunft

Sonntag, 11. Mai, München

Heute musste ich feststellen, dass mich das frühe Ausscheiden bei Jörg Pilawa dann doch länger gefuchst hat, als erwartet. Ich wäre eben zu gerne nach Hamburg gefahren.
Zudem ist ja Muttertag, ein idealer Tag also um nachzudenken und den eigenen Standpunkt zu bestimmen. Bei uns wird dieser Tag gar nicht so wahnsinnig gefeiert. Es ist nichts Besonderes mehr, sagt auch meine Mutter. Immerhin ist herrliches Wetter. Ich sehne mich wieder nach der Stadt, ihren Menschen, ganz einfach nach Ungarn. In zwei Tagen hat Jana Geburtstag, über einen Monat bin ich jetzt weg. Ich hätte zu gerne noch mit ihr in Budapest gefeiert. Wieder einmal habe ich das Gefühl, dass ich in die Stadt zurück muss, und zwar so schnell wie möglich. Hier in München ist im Moment alles irgendwie zerfahren, plattgetreten und festgelaufen. Zudem lässt mich dieser Traum nicht mehr los, all diese Menschen ohne Gesichter. Er war schaurig, irgendwie erschreckend, aber er hat mir gezeigt, dass etwas passieren muss. Aber was? Meine Situation verändert sich nicht, indem ich sie aufschreibe. Der isolierte Prozess kann nur aktiv gestört und unterbrochen werden. Ich muss gewisse Parameter verändern. Den letzten Satz denke ich erst, als ich mit einem Becher Bier in der Hand im „Substanz“ stehe. Der zweite Sonntag im Monat bedeutet Poetry-Slam.
Auch sie wirkt heute schrecklich kalt…ich dachte, wir würden uns gut verstehen. Es könnte daran liegen, dass ihre Freunde alle dabei sind. Ich begrüße sie zögern, hatte schon so eine Vorahnung, da sie meine SMS nicht beantwortet hat. Sie erschrickt, wie wenn ich ein Fremder wäre. Wir wechseln nur wenige Worte…es ist laut, aber daran liegt es nicht. Eine peinliche Pause entsteht, als ich merke, dass sie nicht weiterreden will (das erkenne ich sofort). Die Distanz zwischen uns wächst und erst am Mittwoch werde ich die Gelegenheit haben im natürlichen Sonnenlicht mit ihr darüber zu reden. Es wird kein Vergessen der Situation geben, denn ich muss wissen, wo ich stehe…definitiv. Zu Hause werfe ich mich in Klamotten aufs Bett und höre „Weekend“ von Earth & Fire…Melancholie.

Jörg Pilawa

Samstag, 10. Mai, München

Mittags um zwölf beginnt das Casting. Ich möchte nicht sagen, dass ich mich habe breitschlagen lassen, aber zuerst war ich von der Idee gar nicht begeistert. Schließlich konnte ich mich nach langem Hin und Her doch aufraffen und bin mitgekommen. So stehen wir beide punkt zwölf Uhr vor dem Hotel Europe und warten auf die Tante von der Casting-Agentur. Ich denke nach und sehe mich schon auf dem heißen Stuhl gegenüber von Jörg Pilawa sitzen. Irgendwie freue ich mich nun doch darauf vielleicht ins Fernsehen zu kommen. Die 25 Allgemeinwissensfragen sind nicht allzu schwer. Ich habe ein richtig gutes Gefühl, auch wenn mein Kumpel und ich schließlich doch nach der zweiten der drei Casting-Hürden scheitern. Irgendwie hat es einfach nicht sein sollen und das ärgert mich etwas. Die gegenseitige Vorstellung des Partners, mit dem man nach Hamburg reisen will, ist schon nicht so gut gelaufen. Der dicke Typ mit seiner hübschen Freundin und die Nonne in Kostüm mit ihrem Begleiter sind natürlich erst einmal weiter gekommen. Ich war überrascht, denn der Fragentest lief ja ganz gut. Wir hatten bei der Vorstellung wohl nicht die richtige Geschichte zu erzählen.
Im Nachhinein glaube ich, dass eben die Leute, die viele Fragen richtig beantworten nicht genommen werden. Die Öffentlich-Rechtlichen haben nicht so viel Geld, dass sie es rauswerfen können. Zudem brauchen sie Leute, die tolle Geschichten erzählen können und das Publikum vor den Bildschirm locken. Das kann ich zwar auch, aber heute war irgendwie nicht mein Tag. Na ja, vielleicht beim nächsten Mal.

Samstag, 10. Mai 2008

Fahrt ins Nichts

Freitag, 09. Mai, München

Ich sitze auf einem dieser dunkelroten Sitze einer etwas in die Jahre gekommenen Regionalbahn. Die Fahrt verläuft unruhig, denn die Räder auf den Schienen rattern und scheppern gewaltig, aber sonst scheint alles in Ordnung. Ich starre aus dem Fenster und blicke in ein schwarzes Nichts; keine Bäume, keine Landschaft überhaupt gar nichts. Ich starre verwirrt auf meine Armbanduhr, aber die Zeiger und die Datumsanzeige fehlen, so dass nur das runde Ziffernblatt mit den Zahlen von eins bis zwölf zu sehen ist. Ängstlich blicke ich mich in meinem Abteil um und bin beruhigt, als ich mehrer Menschen in meiner Nähe sitzen sehe. Ich starre einen Mann schräg vor mir an, der zurückgelehnt auf seinem Platz Musik hört. Ich schrecke blitzschnell zurück, als ich erkenne, dass er kein Gesicht hat. Nase, Mund, Augen, Ohren…alles fehlt. Ich erkenne nur glatte Haut, die nahtlos vom Haaransatz bis zum Kinn reicht. Hektischer streift mein Blick nun die Menschen in meinem Abteil und ich stelle fest, dass sie alle keine Gesichter haben. Instinktiv fasse ich mir mit dem Finger an meine Nase, obwohl ich ganz genau weiß, dass bei mir alles dran ist. Aber sicher ist sicher. Ich sitze in einem Zug und fahre ins Nichts, um mich herum steinerne Menschen ohne Gesichter. Die Fahrt beschleunigt sich und unter mir rumpelt es noch heftiger als zuvor. Auf einmal steht sie vor mir. Aber das kann eigentlich gar nicht sein; ist sie nicht noch in Afrika? Meine Gedanken kreisen in meinem Kopf wirr auf und ab. Ich drohe verrückt zu werden. Auch sie hat kein Gesicht, keinerlei Mimik, aber dennoch erkenne ich sie sofort. Ich würde sie unter tausenden wieder erkennen. Ich öffne meinen Mund um etwas zu sagen, aber plötzlich beginnt sie vor mir förmlich zu zerfließen. Sie löst sich einfach auf und beginnt im Nichts zu verschwinden. Dann ist sie schlagartig weg. Ich fühle, wie der Zug auf einen pechschwarzen Abgrund zufährt.
Ich erwache in meinem Bett, bin unruhig aufgewühlt und durcheinander. Danach kann ich lange keinen Schlaf mehr finden.

Früh übt sich

Donnerstag, 08. Mai, München

Ich stehe spätnachmittags in der S-Bahn und beobachte eine Gruppe Kindergartenkinder mit ihren Betreuerinnen. Die Kinder sind ganz still während ihnen etwas über die Geschichte Münchens erzählt wird. Faszinierend. Ich interessiere mich eigentlich gar nicht für die Szene, aber ein Kind weckt meine ganze Aufmerksamkeit, so dass ich dann doch immer wieder hinschauen muss. Der kleine Junge, ich schätze ihn auf drei Jahre, trägt eine dunkelblaue Schirmmütze. Darauf ist in weißen, gestickten Lettern „Wodka Gorbatschow“ zu lesen. Unweigerlich muss ich schmunzeln, so bizarr stellt sich mir die Szene dar. Ich meine, wie geil ist das denn? Sitzt da so ein kleiner Junge, der eine Mütze mit Wodka Werbung auf dem Kopf trägt. Gerade gestern stand hat eine Tageszeitung die Schlagzeile „Unsere Kinder saufen sich ins Koma“ gebracht. Das konnte ich an einem der „stummen Verkäufer“, die überall aufgebaut sind, genau erkennen. Die Kindergartengruppe und ihre Betreuerinnen hat Spaß und außer mir fällt die Mütze des Kleinen wohl keinem auf. Es ist ja nichts Schlimmes, aber trotzdem finde ich das lustig und grotesk. Auf dem Nachhauseweg finde ich die ganze Sache immer noch komisch…wahrscheinlich kann sowieso nur ich über so etwas schmunzeln.

Freitag, 9. Mai 2008

Ice Ice Baby

Mittwoch, 07. Mai, München

Normalerweise halte ich nicht an, wenn ich von Unbekannten seltsam von der Seite angequatscht werde. Aber diesmal musste ich anhalten. Das kälteste Eis der Welt solle ich doch einmal probieren. Und das mach ich dann auch. -50 Grad Celsius...ein echtes Astronauteneis eben verspricht der sonnengebräunte Eisverkäufer mittleren Alters. Dieses Eis habe wahrlich schon jetzt Kultcharakter, meint er. Ich probiere einen Löffel, auf dem bunte Perlen, die wie Liebesperlen aussehen (die, die es immer auf Volksfesten in kleinen durchsichtigen Babyfläschchen zu kaufen gibt), umher kullern. Ich schiebe das Löffelchen rasch in meinen Mund, kaue und lutsche ein bisschen auf den kleinen Bällchen herum. Es schmeckt nach nichts...ich fühle nur Kälte, aber sonst habe schon ich aufregendere Dinge gegessen. Trotzdem beteuere ich, dass es mir gut schmeckt und ich werde beim nächsten Mal gerne einen Becher davon kaufen. Ganz bestimmt. Ich bedanke mich nochmal für die Kostprobe und gehe weiter. Der Eisverkäufer scheint sich zu freuen. Nach ein paar Metern halte ich an und krame eine Trinkflasche aus meinem Rucksack und sauge hastig einige Schlucke Wasser in ich ein. Das Eis hat zwar nach nichts geschmeckt, aber trotzdem habe ich einen komischen Geschmack im Mund. Das Wasser reinigt meine Schleimhäute. Ich weiß, dass ich mir dieses Eis niemals kaufen werde.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Sonnenschein

Dienstag, 06. Mai, München

Neuerdings bekommt man an jeder Ecke Flyer in die Hand gedrückt….grüne, gelbe, rote oder ganz bunte. Diese Handzettelkultur hat dermaßen zugenommen, sodass mittlerweile überall Menschen stehen und einem etwas in die Hand drücken. Abends komme ich dann immer nach Hause und das Erste, was ich mache ist, dass ich meine Taschen ausleere und den ganzen unnötigen Kram rausschmeiße. Für die nächste Zeit nehme ich mir nun vor, diese Flyer einfach gar nicht erst anzunehmen. Das wird wohl das Beste sein.
Nun ist endlich Sommer in der Stadt. Die Röcke der Frauen werden kürzer und die Tage länger. Es bleibt jetzt mehr Zeit, die wirklich wichtigen Dinge zu tun. Draußen die Straße entlanggehen und die Tage genießen. Die Sonne scheint herrlich warm vom Himmel und wärmt meine müden Glieder. Ich habe die letzten Tage leider nur wenig geschlafen. Ich sitze wieder einmal auf einer Bank und danke dabei an die verschiedensten Dinge. Die nächsten Tage werde ich viel zu tun haben. Gerade für die Uni werde ich viel machen müssen. Ich hoffe, dass das Wetter nicht zu schön sein wird, denn sonst kann ich mich sicherlich nur schwer überwinden. In der Sonne sitzend schlafe ich ttsächlich für fünfzehn Minuten ein. Am helllichten Tag.

Mittwoch, 7. Mai 2008

Kultur schnuppern

Montag, 05. Mai, München

Ein harter Tag lag vor und liegt mittlerweile hinter mir. Nun bin ich glücklich, denn alles lief halbwegs so, wie ich es mir vorgestellt habe.
Am Abend treffe ich Sophie…wie verabredet, zum Theater. Eigentlich bin ich sauer, denn ich hatte von ihr gar keine Rückmeldung bekommen, ob sie überhaupt kommt. So etwas macht mich immer ganz fuchsig. Ich plane einfach immer noch zu viel…die Such nach dem guten Konstrukt. Ich sollte viel mehr dem Zufall überlassen. Auf jeden Fall kommt sie dann irgendwann doch…auf ihrer Vespa rauscht sie heran, sogar mit Helm. Und spätestens als sie absteigt und mich begrüßt, kann ich ihr nicht mehr böse sein. Wir erleben einen wunderbaren Abend…sie scheint irgendwie jeden zu kennen, begrüßt jeden und spricht mit fast allen anderen Theaterbesuchern. Gut, ich muss dazu sagen, dass mit mir und ihr nur gut zwanzig Leute da sind…aber egal. Ich kenn außer ihr auch noch jemanden. Einen guten Kumpel von mir, den ich schon längere Zeit nicht mehr gesehen habe. Wegen ihm bin ich auf das Stück aufmerksam geworden, denn er spielt mit. Früher gingen wir in eine Klasse, was immer für Verwirrung gesorgt hat, da wir beide den gleichen Nachnamen tragen, aber nicht miteinander verwandt sind. Später unterhalten wir uns noch eine Stunde lang über vergangene Zeiten…die Erinnerung kehrt zurück…tolle Zeiten, große Zeiten. Währendessen fühle ich mich wahnsinnig alt. Unglaublich ist das. Später verabschiede ich mich von Sophie und verschwinde in die Nacht zur U-Bahn. Sophie rauscht mit einer Freundin auf ihrer Vespa ab…ein herrlicher Abend, den ich nicht missen möchte, geht zu Ende.

Montag, 5. Mai 2008

Einerlei

Sonntag, 04. Mai, München

Der Paketfahrer wirft ein großes, rechteckiges Päckchen vom Lastwagen auf den Betonboden. "Nicht werfen" und "Handle with care" steht links und rechts in dicken Lettern an den Seiten der Pappschachtel. Den Mann scheint das nicht zu kümmern. Missmutig schultert er die Fracht und verschwindet damit in einem der nahegelegenen Hauseingängen. Der Geschäftsmann parkt seinen Wagen eilig im Halteverbot, springt raus, dreht sich noch einmal um und betätigt die elektronische Türschließanlage. In zehn Minuten wird eine Politesse kommen und ihm einen Strafzettel verpassen. Der Geschäftsmann wird lachen, den Strafzettel achtlos in seine hintere Hosentasche stecken und davonfahren. So wird es sein. Die wenigsten Menschen scheinen sich noch um Dinge zu kümmern, die von ihnen verlangt werden. Achtlos und fahrlässig setzen sie sich über Regeln und Normen hinweg. Vieles scheint scheißegal zu sein. Womöglich bin nur ich der, der sich an Regeln hält...der Depp halt. Ich sage womöglich (irgendwer wird sich jetzt schon gedacht haben "Aber ich halte mich auch an die Gesetze!". Es geht darum, dass vielen Leuten wesentliche und wichtige Sachen einfach am Arsch vorbeigehen. Das ist der Punkt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das muss mal gesagt werden. Die Sonne scheint und ich will raus in die Natur. Der Englische Garten bietet Möglichkeit abzuschalten und die Seele baumeln zu lassen. Das sollte ich öfter tun.

Sonntag, 4. Mai 2008

Panta rhei

Samstag, 03. Mai, München

Das Generationenproblem beschäftigt mich weiterhin. „Wonderwall“ von Oasis ist eben auch so ein Lied, das ich mit den 90ern und der damaligen Generation in Verbindung bringe. Es ist das Phänomen der „Lost generation“…das „Sich-nicht-erinnern-können“. Ich habe das Lied sicher schon zwei Dutzend Mal gehört, aber immer wenn ich es abrufen möchte, kann ich mich nicht an den Anfang erinnern. Es ist immer wieder unglaublich. Ich sitze da und in meinen Kopf schießt der Gedanke an dieses Lied. Doch kaum will ich es ansingen, ist der Text wie von der Festplatte gelöscht. Wenn ich dann aber drei vier Takte höre, kehrt die Erinnerung an den ganzen Song schlagartig zurück.
Dann fasse ich neuen Mut und sichere die Erkenntnis, dass in den 90ern nicht alles schlecht war…ganz bestimmt nicht.
In Zukunft werde ich noch mehr schreiben. In meinem Kopf hat sich wieder so einiges angesammelt, was sich lohnen würde zu Papier zu bringen. Es ist alles wie im Fluss…immer nach irgendwohin unterwegs. Es muss raus aus meinem Kopf, durch die Hand in die Finger und von da in die Tasten des PCs oder den hellblauen Füllfederhalter auf meinem Schreibtisch. In gewisser Weise macht mich genau das ja frei. Einfach den Block nehmen, sich hinsetzen und schreiben. Einfach so.

Samstag, 3. Mai 2008

Generation X

Freitag, 02. Mai, München

Faserland. Es ist noch gar nicht so lange her, als ich dieses Buch gelesen habe. Es hat mich damals schon fasziniert. Aber jetzt, da ich es ein zweites Mal lese, kann ich es nur mit viel Mühe wieder aus den Händen legen. Eigentlich werde ich erst durch das Zufallen meiner Augenlieder am Weiterlesen gehindert. Es ist einfach ein tolles Buch, das einen bestimmten Zeitgeist vermittelt. Die Menschen definieren sich über Sein und Haben, über ihre Mode und über ihren Konsum. Im Drogenrausch fühlen sich sogar die eigenen Haare irgendwie saugeil an. Gut die 68er Generation hat auch Drogen genommen, aber da waren die Umstände doch auch andere. Faserland beschreibt die Nichtigkeit des Moments, wenn das, was vor fünf Minuten war gleich schon vergessen ist. Alles wird so austauschbar, nichts hat mehr individuellen Wert. Mitmenschen, Freunde…alles flüchtig und tauschbar. Irgendwie muss das Fundament auf dem wir stehen neu definiert werden. Der namenlose Protagonist verschwindet am Ende einfach…ins Nichts. Es bleibt überhaupt gar nichts von ihm übrig. Kein Mensch fragt nach ihm…er hinterlässt praktisch keine Spuren…ein laut- und spurloser Abgang von der Weltbühne. Ein weiteres Problem ist die grenzenlose Mobilität. Am Vormittag im Flugzeug nach Frankfurt, am Nachmittag mit der Bahn weiter nach Berlin…morgen wieder zurück. Nichts hält uns mehr an festen Orten. Lokalitätsverlust. Auch ich will ja immer weg…besonders schlimm war das vor meinem Budapest-Trip. Wir sind immer in Bewegung. Als das Buch erschien, war ich elf Jahre alt. Das Werk behandelt so viele Themen, deckt so viel Verlogenheit auf und ist doch so wahr. Ich bin die Generation nach Faserland, aber im Grunde hat sich nicht viel getan. Seit Tagen höre ich immer wieder einen der letzten Songs, den Falco vor seinem Tod noch gemacht hat: „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da!“. Ein Riesending…Falco goes Techno. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. Im Moment nur das Buch. Dabei verschwimmt die Tatsache, dass sich Sophie noch nicht wegen dem Theaterbesuch gemeldet hat, fast imUnwichtigen.

Großes Theater

Donnerstag, 01. Mai, München

Am Tag der Arbeit sitze ich gemütlich zu Hause und mache einfach nichts. Obwohl, ich lese meine Texte und muss mich um deren Zusammenfassung kümmern. Trotzdem bin ich heute so richtig faul…das muss auch einmal sein. Nur vormittags, als es einmal ganz kurz zu regnen aufgehört hat, setze ich mich auf meine Fahrrad und strample zur Bank um Geld abzuholen.
Wieder zu Hause denke ich an Sophie. Nach langer Zeit kommt sie mir mal wieder in den Sinn, vor allem da wir uns nächste Woche zu einem gemeinsamen Theaterbesuch verabreden wollen. Ich beschließe, ihr eine SMS zu schreiben, aber dummerweise habe ich kein Guthaben mehr auf dem scheiß Mobiltelefon. Es ist immer das Gleiche…wenn man einmal was braucht. Zum Glück habe ich die Möglichkeit, ihr über den PC eine Kurznachricht zu schicken. Das ist gut. Bin gespannt, ob das mit dem Theaterbesuch funktioniert. Im Moment zieht sie ja um und da verstehe ich selbstverständlich dass sie viel Stress hat. Trotzdem würde ich mich freuen, sie nach echt langer Zeit mal wieder zu sehen (sonst würde ich das hier auch gar nicht schreiben). Vor ein paar Tagen hat sie mir auch mal gemailt und irgendetwas von einer Einweihungsparty ihrer neuen Unterkunft geschrieben, über die sie aber noch extra informiert. Ich darf weiterhin gespannt sein…Party mit ihr fände ich toll.

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