Freitag, 8. Februar 2008

Finito Life

Freitag, 08. Februar 2008, München

Was es bedeutet zu leben!
Im Kino kommt, soweit ich das überblicken kann, im Moment nur Mist. Doch wenn man in Ruhe an die Sache rangeht, kann man noch echte Perlen entdecken. Ohne großartige Action, einfach nur traurig, emotional, bewegend, oscarreif. Denn das Beste kommt zum Schluss.
Im Kino sitzend, ohne Popcorn und Cola, einfach nur pur den Film genießen.
Fragen drängen aus dem Unterbewusstsein nach oben: „Es“ ruft „Über-Ich“. „Ich“ wieder mal dazwischen in der Mittlerposition.
Zuvor 20 Minuten an der Kartenabholungsschlange gestanden, aber es hat sich gelohnt.
Was tut man, wenn einem nur noch wenige Monate zum Leben bleiben? Alles nachholen, was man verpasst hat? Was habe ich verpasst? Meine Liste wäre leider länger…verpasste Chancen, Gelegenheit...passé.
Man wird nachdenklich, wirft Gedanken hin und her. Am Ende geht alles versöhnlich aus, auch wenn jemand sterben muss.
Der Film endet ruhig, sanft und Leise. Eine Botschaft, die sich in mich hineinfrisst und festsetzt wie eine Zecke. Nur diesmal wird kein Blut gesaugt.
Ich finde, dass jeder so eine Liste haben muss auf der er Dinge abhackt, die er unbedingt tun sollte, bovor er den Löffel abgibt.
Handeln heißt zu leben. So verlasse ich bestärkt, aber auch nachdenklich das Lichtspielhaus. Draußen ist es eiskalt und es beginnt leicht zu schneien.
42 Jahre sind eine verdammt kurze Zeit.

Donnerstag, 7. Februar 2008

Von Menschen und Pferden

Donnerstag, 07. Februar 2008, München

Die Woche ist anstrengend…bisher. Gestern noch ziemlich lange gelesen, um heute mitreden zu können. Dann aber sehr gut geschlafen.
Morgens auf dem Bahnsteig ist es nicht mehr dunkel, auch den Sonnenaufgang sehe ich nicht. Alles verschiebt sich schon wieder Richtung Sommer. Anfang April werde ich nach Budapest fahren…Ausspannen, Abschalten…Läuterung.
Das Wetter ist schön, obwohl es dieses Jahr noch gar keinen richtigen Winter gab. Aber das kann ja noch kommen.
Ich kann mitreden. Nicht immer zeigt sich mein Gegenüber mit dem Gesagten einverstanden, aber zum größten Teil bin ich auf dem richtigen Trip.
Später kommt sie zur Uni, leider umsonst, denn sie wollte etwas von mir kopieren. Leider habe ich meine Unterlagen verliehen und noch nicht wieder zurückbekommen. Solche Dinge passieren eben. Für einen gemeinsames Kaffeetrinken reicht es dann leider nicht mehr. Too bad.
Raus auf die Straße und wieder zu Fuß unterwegs sein ist bei diesen äußeren Bedingungen durch nichts zu ersetzen. Ich sollte mal wieder Laufen gehen…ach, irgendwie unterwegs sein ist per se ja schon schön. Rastlosigkeit.
Auf dem Heimweg "Ein fliehendes Pferd" gekauft.

Mittwoch, 6. Februar 2008

Stolperstein

Mittwoch, 06. Februar 2008, München

Heute beim Gehen über den Begriff "Philosophie" gestolpert. Jedoch nur über einen Teil, nämlich das „sophie“. Wenn der Regen von oben kommt, kommt das Leben von vorne. Konfrontation…live und direkt. Alles ist möglich.
Untypisches Winterwetter…Klimakatastrophe. Auf dem Papier heute wohl ein Sieg für Obama, lebensweltlich aber wohl für Clinton. Es herrschen eben überall Veränderungen, deren Potential wir heute noch nicht erkennen können. Die Zukunft ist meistens eine Wundertüte (oder eine Schachtel Pralinen).
Filme üben eine enorme Anziehung auf uns aus. Wir sind fasziniert und begeistert. Und das nur, weil es das Kino im Kopf eines jeden von uns immer schon gibt. Jeder macht sich eben seine ganz eigenen Filme. Ein absolut faszinierender Gedanke.
Ich bin draußen, trotz Regen. Werde nass…ein reinigendes Gefühl. Und dabei sicher nicht das schlechteste.
Das Spiel endet mit einem 3:0 für uns. Aber es war kein gutes.

Dienstag, 5. Februar 2008

Tür zu

Dienstag, 05. Februar 2008, München

Für Faschingsmuffel wie mich echt hart. Am liebsten würde ich einfach zu Hause bleiben…morgen ist alles vorbei.
Natürlich kam sie heute nicht zu uns, wie zu erwarten war.
Wir sitzen also alle gemütlich im Atzinger, atmen frische Luft, es herrscht ja Rauchverbot, und trinken jeder Bier, Cafe oder Tee. Meine Dozentin wird immer gelöster und sympathischer. Das gefällt mir, so wirkt sie irgendwie menschlicher. Es wird sogar ein bisschen gelästert…Frauen halt, aber auch wir Jungs ziehen ordentlich vom Leder.
Ein kühles Weißbier und die Gewissheit, dass Dozenten auch nur Menschen sind, komplettieren zwei angenehme und interessante Stunden Kneipe.
Der Horror beginnt mit der Heimfahrt. In gnadenlos überfüllten U-Bahnen stehen die Menschen dicht an dicht, wie Sardinen in der Dose. In Tokio kann es nicht schlimmer sein. Ich warte zwei Bahnen ab und beschließe dann zu Fuß zu gehen. Die Ludwigsstraße entlang bis zum Marienplatz. Es ist ein warmer Wintertag.
Überall Menschen verkleidet, oder unverkleidet…Hauptsache dabei. Ist mir irgendwie alles zu viel. Ich tanke mich behutsam durch die Menschenmassen. Endlich am Stachus…S-Bahn…heim. Muss später noch mal zu meiner Bank. Nun ist auch hier die Hölle los. Faschingstreiben, Festwagenumzug.
Wieder Massen von Menschen. Später endgültig daheim. Die Türe fällt hinter mir ins Schloss. Ich reiße die Mauern hinter mir ein und baue vor mir neue. Morgen ist alles vorbei.

Montag, 4. Februar 2008

Himmel und Hölle

Montag, 04. Februar 2008, München

Was ich begriffen habe ist, dass das Leben viel zu kurz ist um schlechte Musik zu hören.
Ich hätte mich früher hinsetzten sollen…dieses Dekolleté…der absolute Wahnsinn. Ich schaue zunächst immer wieder bewusst aus dem Fenster, dann wieder zu ihr, aus dem Fenster und wieder hin zu ihr. So macht Bahnfahren mal richtig Spaß. Wunderbar blond ist sie auch noch. Sieht alles echt aus. Vor dem Aussteigen schließt sich jäh die Pforte zum Paradies. Sie packt die zwei langsam in ihrem dicken Mantel ein. Ich gehe noch ein paar Meter neben ihr, Richtung Rolltreppe, ehe sich unsere Wege trennen. Trotzdem toll.
Zwei Frauen treffen sich zufällig in der Kaufingerstraße. Eine von beiden trägt einen geschmacklosen rosa Skianzug, die andere einen schwarzen Mantel. Meint die Manteldame: „Na, feierst du schon ordentlich Fasching?“ – „Ich geb dir gleich Fasching. Ich lauf immer so rum!“, antwortet die Skianzugdame empört…lustig.
Menschenmassen drängen sich durch die Fußgängerzonen, überall ist es laut. Ich bin wirklich kein Faschingsfreund. Aufesetzte Freude, gespielte Fröhlichkeit. Das alles ist bieder und grotesk. Morgen wird noch schlimmer, aber es geht wieder vorbei.
Ich setzte mich in ein kleines Cafe und bestelle Cappuccino.
„Ich lauf' umher, bleib' vorm Spiegel steh'n. Meine Augen hassen den, den sie seh'n. – Du fehlest mir.“
Sie ist immer noch krank, fliegt erst am Mittwoch. Werde sie morgen wohl nicht sehen. Muss sich vollkommen auskurieren und fit werden. Absolut schade…Trauer, aber auch Verständnis. Immer ich…war klar. Verstört laufe ich durch die Straße, Richtung Bahnstation. Ich muss abwarten.

Sonntag, 3. Februar 2008

Nahtstelle

Sonntag, 03. Februar 2008, München

“Just open your eyes and listen to me.” Es gibt so viele Dinge, über die es sich lohnt zu sprechen. Manchmal bin ich so herrlich kraftlos, dass es eine wahre Freude ist. Für wen macht man denn das alles? Wozu opfert man sich beständig auf, auch wenn man weiß, dass nichts am Ende rumkommt. Immer weiter, vorwärts, denn es gibt kein Halten mehr. Die Nationalsozialisten waren frenetische Fanatiker, hoffnungslose Größenwahnsinnige.
Es muss ein Ruck durch mich gehen, denn hier gibt es viel zu sehen, zu erleben, zu entdecken.
Ich suche meinen Standort…privat und gesellschaftlich.
Wenn ich Rad fahre kann ich richtig gut nachdenken. Dann schießen die Gedanken in mein Hirn, sammeln sich in meinem Kopf und bilden eine homogene Struktur. Ich sehe weiter, denke komplexer wenn mir der Fahrtwind ins Gesicht weht. Es ist kühl, ich trage Handschuhe und Mütze und Imagination dringt unter meine Kopfhaut in meine Gehirnwindungen. Alles ächzt und rattert. Maschine-Mensch. Ich bin frei. Doch das Leben ist nicht nur Rad fahren…man muss immer wieder absteigen. Zu viele Dinge verwerfe ich abseits des Drahtesels einfach wieder. Das muss sich ändern. Der Tritt in die Pedale trennt beinahe zwei Welten…denn ich bin ein anderer. Secound-Life.
Der Gedanke daran, sie vor dem Afrika-Trip nicht mehr zu sehen nagt an mir. Sie ist schon wieder erkältet, fliegt aber am Dienstag. Ich hoffe, dass es klappt. Sonst wäre ich für lange Zeit ziemlich traurig.

Samstag, 2. Februar 2008

Der alte Affe Angst

Samstag, 02. Februar 2008, München

Die Stadt schläft nie. An der Münchner Freiheit ist schon früh am Morgen reger Betrieb…Autos, Menschen, Masse. Das wird im Tagesverlauf noch zunehmen, besonders da Wochenende ist. In einer Stadt, die nie rastet müssen alle immer weiter voran, immer schneller, immer besser. Ich nehme mir eine Auszeit und schlendere die Leopoldstraße entlang, bis zur Giselastraße. Gelassenheit und Zufriedenheit erfüllen mich. Bereits am Abend werde ich wieder ganz in der Nähe sein.
Spät nachts auf dem Heimweg, ich bin zu Fuß unterwegs, hält ein Wagen neben mir. Zwei Frauen fragen mich nach dem Weg zum Krankenhaus. Ich bin leicht angetrunken und verlaufe mich in umständlichen Erklärungen. Nützt nichts.
Ich steige rasch ein und lotse die Damen hin. Einfach so, ohne nachzudenken. Vor dem Krankenhausparkplatz setzen sie mich wieder ab und ich laufe den nun etwas weiteren Weg nach Hause. Unglaublich, brisant, nüchtern.
In der Bibel steht: „Selig, die da arm sind im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.“ – Macht mir Angst und ich überlege, ob ich dann nicht lieber in die Hölle will. Gratwanderung. Ansichtssache, aber ich fahre eben oft genug S-Bahn.
Sophie ist toll. Heute hat sie aber einen Satz gesagt, der mich sehr nachdenklich macht…immer noch.
„Du kennst doch auch den Dings…der ist engagiert und fleißig, wie du. Wie der überhaupt eine Freundin finden konnte?“
Ich bin verstört. Das ist kein Kompliment. Ich habe Angst.

Freitag, 1. Februar 2008

Zerrbild

Freitag, 01. Februar 2008, München

Kein Bier vor vier. Da stehen sie,an der Bushaltestelle morgens um viertel nach acht. Andere, so wie ich halten schlaftrunken einen Becher Kaffee in der Hand. Doch in ihren Fäusten glitzert die Becks Gold Flasche verstohlen in der frühen Morgensonne.
Jeder der beiden nimmt einen satten Schluck und der große Blonde beißt genüsslich in seine Semmel. Zur Sicherheit hat jeder der zwei noch eine weitere Flasche in seiner Hosentasche deponiert. Man kann ja nie wissen. Beide steigen in den Bus, sicher zur Schule oder sonst wo hin. Armes Deutschland.
Wie Forrest hetze ich rastlos und unermüdlich durch die Stadt. Zu Fuß gehen, Meter machen, sich frei gehen. Es ist herrlich, nicht zu kalt und nicht zu warm. Ein Krankenwagen prescht mit hoher Geschwindigkeit und Blaulicht durch die Fußgängerzone. Panisch springen entsetzte Menschen zur Seite. Die Blinklichter verschwinden hinter den Menschen, das Geräusch nimmt ab. Flüchtigkeit.
Ein Notfall, irgendwo akut, doch beinahe ebenso schnell wieder vergessen. REALITÄTSDIFFUSION.
Im Bahnhof stehen die Züge in Reih und Glied nebeneinander…Gleis an Gleis. Nahe Orte, ferne Orte, dutzende Verbindungen, Ziele, Wahlmöglichkeiten.
Einfach irgendwo einsteigen und davon rauschen. Einfach so, ohne lange zu überlegen einsteigen…aussteigen. Manchmal juckt es mich schon.

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