Samstag, 16. Februar 2008

The kids aren´t alright

Samstag, 16. Februar 2008, München

Heute hingegen war wieder ein schöner Tag, auch wenn uns die Kälte nicht loslässt. Was mache ich falsch? Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich normal bin, oder nicht. Die Frage dürfte sein: Was ist normal?
Ich bin 23 aber fühle mich alt. Im Fernsehen sehe ich ein Mädchen, 21 Jahre alt, mit einer fünfjährigen Tochter. Mit 16 Jahren wurde sie schwanger, wollte abtreiben, was aber zu riskant war, da sie ein Jahr davor schon eine Abtreibung hatte. Nun besucht sie ihre Mutter, die selbst erst 38 Jahre alt ist. Manchmal denke ich, dass Leben ist eine „Truman Show“. Meine Meinung ist, wenn man Kinder bekommt, sollte man sich der Verantwortung auch bewusst sein und wissen, was auf einen zukommt. Natürlich will ich Kinder, aber erst, wenn ich auch für sie sorgen kann, also mein Studium abgeschlossen habe und Geld verdiene. Eine Kommilitonin von mir ist auch fast 24 Jahre alt und will in zwei Jahren ihr erstes Kind. Viel zu früh. Sie hört ihre innerer biologische Uhr monoton ticken. „Tick, Tack, Tick, Tack“. Ich gebe zu: Für Männer ist das alles einfacher.
Sollte einmal der seltene Fall eintreten, dass ich mir auf einem einschlägig bekannten TV-Sender eine Talk-Show anschaue, sind da auch nur komische Leute. „Die Alte hat mich verlassen!“ Ich frage mich dann immer: „Wie konnte der überhaupt jemals eine finden?“ Obwohl, die will ich meistens eh nicht. Es ist eben nicht leicht…(inspired by Dieter Nuhr).
Zudem bin ich der Meinung, dass viel zu oft folgenreicher Geschlechtsverkehr im Dunkeln vollzogen wird.
Entschuldigung, aber wer da mit wem…das kann oft nicht beabsichtigt sein. Mehr Licht in deutschen Schlafzimmern.
Licht aus
Licht an
Akt
Licht aus
Wenn man selbst traurig und enttäuscht ist, holt man einmal aus und schlägt um sich, in alle Richtungen und auf alles, was sich bewegt. Aber irgendwo habe ich sicher auch recht. Ganz bestimmt.
Muss gleich los zum Starkbieranstich...bin da seit Jahren jedes Jahr. Dieses Jahr eher ungünstig...bin nicht in der Stimmung. Aber die Welt dreht sich eben weiter.

Freitag, 15. Februar 2008

Prison Break

Freitag, 15. Februar 2008, München

Nichts ahnend verlasse ich morgens mit dem Fahrrad das Haus. Es ist noch nicht einmal zehn Uhr. Vor mir verlieren zwei Leute den Boden unter den Füßen und knallen auf den harten Straßenbelag…Blitzeis. Ich entschließe mich nach einigen Metern umzukehren und zu Fuß zu gehen. Meine Oberschenkel, Rippen und alle anderen Knochen sind mir eben sehr wichtig.
Martinshorngejaule umhüllt mich auf meinem Weg zum Bahnhof. Ich hatte die richtige Entscheidung getroffen…ganz gewiss. Ich kann spüren, dass es wieder ein kalter Tag werden wird. Gestern Abend in der Sportsbar noch Fußball geschaut…ein schöner Abend. Für mehr als ein Bier hat mein Geld aber nicht mehr gereicht.
In der Bahn sitze ich wieder mal neben einem, der mit seinem MP3-Player das ganze Abteil beschallt. „Can't get you out of my head” höre ich Kylies Stimme unter seinen Kopfhörern singen. Es stört mich nicht.
So ist es wohl, wenn man verliebt ist…Allgegenwärtigkeit. Ich komme aus der Mensa, vorbei an der Kneipe. Draußen haben sie eine Sitzgelegenheit aufgebaut komplett mit durchsichtigen Planen umgeben, so dass ein abgeschlossener Raum entsteht, der auch beheizbar ist. Das ganze ist wirklich hermetisch abgeriegelt, da kommt nichts raus. Drinnen läuft ein rostrotes Eichhörnchen verstört auf und ab, hin und her…kreuz und quer zwischen den Kissen und Decken auf den Polstersitzen. Es ist gefangen, kommt nicht raus. Ich versuche irgendwo einen Spalt zu öffnen, aber die Verbindungsstellen sind teilweise mit Schlössern verriegelt. In acht Stunden öffnet der Laden und das Tier wird befreit werden, ganz sicher.
Ich gehe weiter und denke nach. Auch sie ist gefangen, in meinem Kopf, aus dem es vorerst kein Entrinnen gibt. Aber das ist für mich schlimmer, als für sie. So ist sie da, wo ich bin und das ist gut so…“Stay forever and ever and ever and ever“…“Set me free“. Na was denn jetzt…Ich weiß es nicht.

Donnerstag, 14. Februar 2008

Dornengewächse

Donnerstag, 14. Februar 2008, München

Ich sitze am Bahnsteig und Rauch weht mir in die Nase. Der Metallaschenbecher neben mir im durch weiße Linien abgegrenzten Raucherbereich qualmt fürchterlich. Es stinkt nach verbranntem Papier. Wie kann man nur...denke ich. Dabei fällt mir ein, wie ich mich jüngst selbst schon dabei ertappt habe, als ich ein Tempo in einen Raucheraschenbecher gezwengt habe. Mea culpa.
Valentinstag interessiert mich normalerweise nicht, zu unwichtig und kommerziell erscheint mir dieser Brauch. Auf der weißen Liege beim Arzt kann ich meine Arme entspannen. Ich balle eine Faust und rosenrotes Blut schießt in die kleine Spritze, die die Ärztin durch meinen Oberarm gebohrt hat. Routineuntersuchung. Dabei denke ich nach. Es wäre doch schön, wenn man jemanden an diesem Tag beschenken könnte. Immer wieder am 14. Februar...seit fünf Jahren nunmehr. Ich richte meinen, nur mit einem T-Shirt bekleideten Oberkörper auf. Mir ist nicht schwindlig, obwohl ich Spritzen hasse. Alles in Ordnung. Raus aus der Arztpraxis, hinaus in die Kälte. Vor dem Wartezimmer stauen sich die Patienten...nicht genug Sitzplätze...Grippewelle...Noro-Virus. Ich hasse auch Arztbesuche.
Als sie wieder geht läuft im Radio „California Dreaming“. Wir hatten uns zwischenzeitlich gar nichts zu sagen und es trat eine peinliche Stille zwischen uns ein. Ich merke wieder sehr deutlich, dass da einfach nicht viel mehr geht. Sie zahlt zuerst und geht auch als Erste…I've been for a walk on a winter's day...if I didn't tell her I could leave today.
Es ist zum Ausrasten und manchmal wünsche ich mir den Tritt in die Tonne, so wie Klinsmann 1997 nach seiner Auswechslung. Leider ist nix vergleichbares in der Nähe.
Auf dem Heimweg mindestens 25 Menschen mit Rose in der Hand gesehen. Ich habe sie nicht genauer gezählt.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Winterträumereien

Mittwoch, 13. Februar 2008, München

Eine kalte Nacht zog übers Land. Der Morgen ist richtig schön winterlich, eisig und frostig-kalt. Behutsam kratze ich Eisblumen vom Fenster, an diesem Mittwoch um acht Uhr morgens. Dreißig Minuten später beginnt der Lärm…Hammer, Meißel, Meißel, Hammer. Abwechslung. Irgendwer im Haus bekommt neue Stromleitungen. Das dumpfe Drohnen, Schlagen und Klopfen treibt mich nach draußen, raus aufs Fahrrad, um ziellos in den Morgen radeln. An der zweiten Ampel auf meinem Weg muss ich schon halten. Ich entspanne, ziehe die Handschuhe hoch, rücke meine Mütze zurecht und schließe sanft meine Augen.
Plötzlich stehe ich auf einer großen Wiese, die Sonne scheint und es ist absolut windstill. Langsam beginne ich mich um die eigene Achse zu drehen, beide Arme hoch in die Luft haltend. Auf der Landstraße, die neben der Wiese verläuft nähert sich ein Auto mit offenem Verdeck. Ich kann drei Paar Hände erkennen, hoch in den Himmel gestreckt, so wie ich es tue. Dann höre ich ein Hupen und verlangsame meine Drehbewegung. Hinter dem Sportwagen fährt ein Mädchen auf einem alten, klapprigen Fahrrad ohne Lichtanlage. Ich weiß sofort, dass sie es ist. Die Sonne brennt jetzt erbarmungslos auf das Gras um mich herum. Das Mädchen steigt ab, wirft ihr Rad auf die Straße und kommt mit offenen Armen auf mich zugelaufen…Hollywood…Kitschfilm. Ich beginne nicht zu rennen, sondern vorharre an meinem Standpunkt.
Die Februarkälte holt mich wieder ein, denn ich stehe immer noch an der Ampel. Zwischenzeitlich war wohl grün, mittlerweile steht die Ampel wieder auf rot. Zwei Frauen auf der gegenüberliegenden Straßenseite werfen mir seltsame Blicke zu. So etwas passiert eben. Endlich bekomme ich grün und ich trete in die Pedale. Wenn ich mich auch körperlich fortbewege, verharren meine Gedanken weiterhin bei ihr, der Landstraße und dem alten, klapprigen Fahrrad.

Dienstag, 12. Februar 2008

Zwei bei Jauch

Dienstag, 12. Februar 2008, München

Gestern gespannt auf die Quizshow gewartet. Blind Date-Special…eine Riesennummer, ganz bestimmt. Wird einmalig, phänomenal und spannend werden. Zwei Stunden lang, 120 Minuten pure Unterhaltung.
Stattdessen: Langeweile. Unmotivierte Kandidaten raten munter vor sich hin…oder auch nicht. Die Sendung zieht sich unnötig in die Länge, wie ein altes Kaugummi. Nur zwei Paar kommen dran. Am Ende erwartet man eine gigantische Überraschung, so vollmundig wird etwas ganz besonderes von Günther angekündigt.
REINFALL
AUSFALL
ÜBERFALL
FALLERA
Es wird etwas vom Vater der Kandidatin gefaselt, der sich auch ohne Wissen der Tochter beworben hat und für den nun noch eine Kandidatin vorgesehen wäre…Blablabla.
Was sich dann aber zeigt ist, dass der Altersunterschied zwischen Vater und vorgesehener Kandidatin immens ist. Ich schätze mindestens 24 Jahre.
Ich hätte mir diese Sendung schenken sollen.
Etwas Positives konnte ich dann der Sendung doch noch abgewinnen. Frank Farian und seine lustige Funtruppe Bonny M. hielten sich mit „Rivers of Babylon“ in den letzten 30 Jahren am längsten auf Platz eins der deutschen Charts.
Exakt 17 Wochen…Obwohl der Frontmann, der aus Kautschuk zu bestehen scheint, eigentlich gar nicht singen kann. Seinen Namen habe ich vergessen. Aber „Daddy Cool“ mag ich aber immer noch. Trotzdem…nächstes Mal zappe ich weiter.
Heute im Vorbeigehen die Bild gelesen, präsentiert vom stummen Verkäufer am Straßenrand.
Netter Witz auf der Titelseite: „Bastian Schweinsteiger denkt zu viel!“ – Klappe zu…und ja, ich habe gelacht.

Montag, 11. Februar 2008

Frauensachen

Montag, 11. Februar 2008, München

Frauen machen komische Sachen, beispielsweise sich in der S-Bahn einen Liedstrich ziehen und zwar mit Spiegel.
Kurz vor der Haltestelle kramt sie in ihrer riesigen Tasche…was Frauen nur immer so alles mitnehmen, wenn sie für zwei Stunden das Haus verlassen…unglaublich. Im Stehen kann ich fünf Gegenstände in dieser Monstertasche erkennen. Ipod, Geldbeutel, Fusselrolle, Handy und eine Dose Bonbons. Ich vermute jedoch, dass sich gut zwei Dutzend Dinge in darin befinden. Schon beinahe im Aufstehen fingert sie an ihren Wimpern herum…Stress und Hektik. Frauen machen komische Sachen.
Raus aus der Bahn und über Frauen nachgedacht. Irgendwie passieren denen auch komisch Sachen. Sie fallen die Treppe runter, oder ein Gerüst stürzt über ihnen zusammen. Mysteriös.
Weiter mit dem Bus…Frau mit Hund…süß. Der Hund verhält sich absolut ruhig, gibt keinen Laut. Es ist aber auch ein ganz kleiner Hund, ein ganz junger.
Die Szene ist nett…sie nimmt ihn hoch, knuddelt ihn, küsst ihn. Ich versuche ja schon gar nicht mehr Frauen in ihrer Ganzheit zu verstehen. Mir reicht es schon, wenn ich ganz wenig von ihnen verstehe. Nur so ein kleines bisschen.
Der Slam gestern war wieder super…nur die beiden Moderatoren gingen mir ziemlich auf die Nerven, aber man kann ja nicht alles haben. So ist es eben.

Sonntag, 10. Februar 2008

Des Nächtens

Sonntag, 10. Februar 2008, München

Wenn es dunkel wird, sollte man raus auf die Straße. Die Enge der eigenen vier Wände scheint einen förmlich zu erdrücken. Das Universum steht uns offen und wir können gehen, wohin wir wollen. Die Stadt lebt, denn überall regt und bewegt sich etwas. Nichts ist Stillstand, alles ist Leben.
Die Schuhe machen ein angenehm kratzendes Geräusch auf dem frostigen Straßenbelag. Irgendwo in der Ferne heult ein Martinshorn…ein Hund bellt.
Die Straßenlaternen werfen ein fahles Licht auf mich, so dass mein schwarzer Schatten vor mir tanzt. Sonst herrscht Stille. Ich liebe diese Ruhe, mitten in der Stadt, nur etwas abseits vom großen Zentrum. Ja, das gibt es noch. Darüber bin ich sehr froh, denn so etwas schafft Rückzugsmöglichkeiten, neue Räume und offene Welten.
„Wenn ich die stummen Blicke schicke,
sie wie Rummenigge kicke, meint ihr, checkt sie das?“
Ich bin absolut gespannt, wie sich das entwickelt. Immer diese Sache mit den Frauen. Eben gleich raus und testen. Es ist zwar noch nicht frostig draußen, aber immer hin herrscht schon die Dunkelheit. Bayern spielt auch gerade noch gegen Bremen. Mal sehen…1:1. Ist das alles?

Samstag, 9. Februar 2008

Miteinander gegeneinander

Samstag, 09. Februar 2008, München

Bleischwer liegt die Sonne über dem afrikanischen Kontinent. Die Hitze spiegelt sich leuchtend in den feinen Sandkörnchen. Endlose Steppe und Sand, wohin das Auge blickt.
Ich muss mit Mütze und Handschuhen morgens raus. Es ist wieder kälter geworden, eben schön winterlich, obwohl sich im Tagesverlauf immer wieder die Sonne zeigt. Im Schatten aber bleibt es kalt. Unter meiner Jacke beginne ich langsam zu schwitzen. Auch der Fahrtwind kühlt nicht.
München gleicht einem Hochsicherheitstrakt…jedes Jahr wieder aufs Neue, immer im Februar. Und das obwohl nur ein paar Politiker und Staatsmänner/-frauen vorbeikommen…irgendwie bizarr.
Man bekommt nie das, was man will…zumindest nicht so einfach. Ich sollte viel mehr versuchen und auch ab und an die Konfrontation suchen.
Einige Autonome werfen Steine und brennende Wodkaflaschen gegen die vergitterten Schaufenster der Geschäfte. Radikaler Protest…Mann gegen Mann.
Die Polizei muss Wasserwerfer einsetzen um die aufgebrachten Demonstranten zurückzudrängen. Sie protestieren, wagen etwas, auch gegen Recht und Ordnung. Man selbst bleibt immer viel zu passiv. Handlung ist situationsabhängig. Dabei muss genau überlegt werden, wann wie gehandelt wird. Nichts überstürzen, lieber zaudern. Es ist ein Dilemma.

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