Donnerstag, 31. Januar 2008

Haarscharf

Donnerstag, 31. Januar 2008, München

Beim Friseur zu sitzen empfinde ich fast so unangenehm, wie zum Arzt zu gehen. Ich habe zwar meinen Stammhaarexperten, aber dennoch gehe ich sehr ungern hin, obwohl die hübsche Friseurin ihr Haarhandwerk wirklich sehr gut versteht. Leider explodiert mein Kopf alle neun Wochen und wirres Haarwerk breitet sich auf meiner Kopfhaut aus. Mit Gel ist dann nichts mehr zu machen…Notfall…Telefon…Termin. Das Gute ist wirklich der Gratis-Espresso. Schmeckt wie beim Italiener, was daran liegen mag, dass ich seit Jahren bei einem putzigen italienischen Haarmann Kunde bin, quasi völkerverbindend. Dabei habe ich die 118 Minute an jenem denkwürdigen 4. Juli noch lange nicht vergessen.
Das Mädel, das Hand anlegt ist wirklich sehr hübsch. Ich entspanne mich vollkommen und beginne gerade, die Welt zu vergessen, als…
Die alte Frau neben mir zählt zunächst all ihre Krankheiten auf und wie man sie am besten behandeln kann. Das sagt sie mehr zu sich selbst, als zu irgendwem anders. Ich komme mir vor, wie im Wartezimmer einer Arztpraxis. Zudem sei sie gerade sehr im Stress wegen…
Nach etlichen Belanglosigkeiten sind meine Haare ab und ich bin ziemlich genervt.
Was es nicht alles für Krankheiten gibt. Aber die Frisur sitzt jetzt…immerhin.
Ich zahle und verlasse zügig den Salon.
Es ist vorerst das letzte Mal, dass ich einfach so zu diesem Arzt kann, um sie zu sehen. Lungenfachdoktor! Das heute klang schon fast wie ein Vorwand, obwohl ich echt einen Grund hatte da noch mal hinzulaufen. Sie zu sehen war nur einer.
Ich muss mir etwas überlegen. Dringend.

Mittwoch, 30. Januar 2008

Si tacuisse…

Mittwoch, 30. Januar 2008, München

Über was soll man schreiben, wenn es nichts gibt, worüber es sich zu schreiben lohnt? Wenn so absolut gar nichts Außergewöhnliches passiert ist. Sollte man sich überhaupt hinsetzen und sich Gedanken über etwas machen, worüber man sich eigentlich gar keine machen möchte?
„Apologize“ – Ein Lied, das mich im Moment kaum noch los lässt. öfter, in letzter Zeit immer häufiger, dafür aber immer nur kurz. So etwas gibt es eben.
Radfahren wäre viel leichter, wenn einem nicht immer dieser Wind ins Gesicht peitschen würde…Bremsbalance. Ich müsste eigentlich schon Oberschenkel wie Schwarzenegger haben, aber leider ist noch nichts zu sehen. Ich trete in die Pedalen…fester, intensiver. Kilometer für Kilometer. Frische Luft, Natur.
Erneut dem „Großen Mahlke“ begegnet. Imposante Erscheinung…mächtig…wuchtig.
Muss morgen wieder zu diesem Arzt, etwas nachfragen…kein Vorwand.
Möglicherweise ist sie dann wieder am Empfang, telefoniert und hat Blumen auf den Nägeln. Wer weiß? Plötzlich unterhalten wir uns und sie sagt…

Dienstag, 29. Januar 2008

Der Fall Nokia

Dienstag, 29. Januar 2008, München

Wirtschaftsökonomik. Es hat sich praktisch auf dem Silberteller angeboten und kam ja dann auch dran. Ich weiß zwar, was der Professor später lesen will, aber es fällt mir wahnsinnig schwer gegen meine persönlichen Ansichten zu schreiben. Man muss genau darüber nachdenken. Keine Chance für die Mitarbeiter, denn der Konzern muss wachsen…mit aller Gewalt…brachial. So kann ich immerhin sicherstellen, dass ich die Prüfung bestehen werde. Manchmal muss man eben alle persönlichen Ansichten ausblenden.
Sie hat ihre Prüfung nicht bestanden. Durchgefallen, wegen irgendeiner Kleinigkeit…kann ich nicht nachvollziehen. Dementsprechend enttäuscht ist sie dann auch…kann ich verstehen, absolut. Die mit dem Freund, der nicht spricht.
Im Blog-Seminar ging es wieder um real, fiktional, fiktiv und faktual. Trennscharf nicht abzugrenzen…Vermischung…Einheit und doch so wichtig zu untersuchen. Wer bin ich?
Erotikfachgeschäft-Mitarbeiter…wie das klingt. Was es nicht alles gibt.
Ich merke immer wieder, wie kompliziert doch die Welt ist, so vernetzt, so globalisiert. Zum Glück ist die Vorlesungszeit bald vorbei, aber auch dann habe ich viel zu tun. Viele Leute, die ich kenne sind derzeit im Ausland…krasse Sache. Fernweh, darauf läuft es wohl wieder hinaus.

Montag, 28. Januar 2008

Was es nicht gibt

Montag, 28. Januar 2008, München

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Keine Liebesbeweise, keine Treueschwüre. Liebe, reduziert auf ihre Funktion als Medium. Die Mädels neben mir brechen zusammen.
Die Bedeutung der Dinge liegt in unserem Bewusstsein. So gesehen hat nichts eigentliche Bedeutung, bevor wir ihm nicht eine zuweisen. Tragisch aber wahr, denn es gibt keine Liebesbeweise, da wir sie nirgends aufgeschrieben finden. Liebe basiert lediglich auf Vertrauenssache. Da geht sie dahin die Romantik…R.I.P.
Gestern Abend habe ich gelernt Musik zu verstehen. Ganz bestimmte Musik…den Techno…den Rave.
Vor Jahren war das groß, ich klein und habe es nicht verstanden. Seit gestern glaube ich kann ich dieses Gefühl der Ekstase nachvollziehen und begreifen.
Mit der Musik geht eine bestimmte Stimmung einher, die dich mitnimmt und in ferne Welten trägt. Ausgelassenheit…Klangwelten. Das können mir die Beatles so nicht geben.
Heute drückt der Schnupfen auf die Stimmung und das Gemüt. Bin trotzdem wieder draußen, an der Kaltluftfront. Will eigentlich nur ein Rezept abholen, nichts weiter. Ich habe es ziemlich eilig, aber als ich sie sehe wird Zeit unwichtig. Abgeklärt und ruhig sitzt sie am Empfang, koordiniert die Patienten und telefoniert. Ich komme dran und sie hat immer noch die Telefonmuschel am Ohr. Wir verstehen uns medial über Gesten, ohne Worte. Lächeln uns an, wobei sie genervt versucht den Anrufer kurz zu halten. Hinter mir viele Leute.
Ihre Fingernägel wippen an der Maus, sind glatt-lackiert und mit Blüten beklebt.
Ich flüstere irgendetwas, sie auch, aber es wird unwichtig, Makulatur.
Ich mustere sie, während sie nach dem Rezept kramt…beide lächeln wir.
Als ich die Arztpraxis verlasse, erkläre ich diesen Tag zu einem der besseren.

Sonntag, 27. Januar 2008

forget, forgot, forgotten

Sonntag, 27. Januar 2008, München

Ein warmer Tag. Irgendwie trotzdem komisch, denn eigentlich ist es bedeckt und riecht nach Regen. Die Luft wirkt bleichschwer und drückt auf mich und mein Gemüt. Wieder raus mit dem Rad…Bewegung, Bewegung. Es tut so unglaublich gut. Zum Glück fängt es dann doch nicht zu regnen an, bleibt trocken, aber die Sonne zeigt sich nicht.
Das Leben ist im Moment schrecklich unspektakulär, real, wirklich und etwas fad. Es schmeckt irgendwie einfach alles gleich. Ich brauche wieder einmal Abwechslung, ganz dringend und möglichst bald. Imbissbude!
Einfach noch mehr raus, mehr Menschen treffen, mehr abfeiern…Rave.
Ist ja irre, was es alles so für Möglichkeiten gibt, gäbe…manigfache Chancen.
„Heute morgen, um 4 Uhr 11…“, viel Licht, da meine Jalousie kaputt ist. Materialermüdungserscheinung.
Es gibt eben so Tage, an die man sich später sicher nicht mehr erinnert…gar nicht mehr erinnern will.
Auf dem Rad höre ich nur das Rauschen des Windes, ganz sanft und flüchtig. Zum Glück ist Sonntag und nur wenig Verkehr. Vor der Veranda eines alten Hauses an einem Baum, hängt ein silbernes Windspiel, das leise klirrt wenn der Wind hindurchfährt. Als ich wieder zu Hause bin habe ich den glockenhellen Klang nicht vergessen.
Etwas bleibt!

Samstag, 26. Januar 2008

Schatten und Licht

Samstag, 26. Januar 2008, München

Als ich an ihnen vorbeifahre ist es erst halb zehn Uhr morgens. Beide stehen sie da, jeder ein Bier oder sonst ein alkoholisches Getränk in der Hand, und unterhalten sich. Ein ganz normaler Samstagmorgen in meiner Stadt.
Ich mache ein paar Besorgungen in diversen Geschäften, bin aber mittags wieder zu Hause.
Später fahre ich in die Stadt und treffe sie. Wir unterhalten uns, essen etwas, wollen in der Sonne einen Kaffee trinken und werden rausgeschmissen, weil wir dort noch essen. Seltsam, da eigentlich nichts los ist und der Kellner ja am Kaffee verdient hätte.
Also rüber zum Brunnen, sitzen und reden. Sie hatte Prüfung…ganz gut gelaufen. Leider verzieht sich die Sonne etwas und es wird kühler.
Der gemeinsame Weg zur U-Bahn ist nur kurz. Sie fährt zum Derby…geschenkte Karten. Eine kurze Umarmung…wir trennen uns.
„Viel Erfolg für die kommenden Klausuren“ – Man tut, was man kann.
Fangesänge im U-Bahnabteil der Gegenlinie. Die Menschen hüpfen, der Wagen auch…gute Stimmung!
Rückschau: Die Partie endet unspektakulär 1:1 unentschieden. Ich bin froh, dass ich das alles in Ruhe daheim verfolgen kann.
Gegenüber vom Dallmayr liegt die Grünfläche…mitten in der Stadt. Mit einem Kaffee in der Hand sitze ich auf einer Bank und lese Grass. Es ist ein herrlicher Januartag und die Sonne strahlt hin und wieder ganz ordentlich Wärme ab. Dann wird es wieder schattig und kühle Luft umweht mich, trotzdem bleibt es herrlich. Ich lese vom „Großen Mahlke“, Katz und Maus, dem Ritterkreuz und dem herrlichen Sommer der Teenager…große Literatur. Zwei Violinenspieler musizieren in der Mitte des Platzes und komplettieren den Moment.
Plötzlich taucht eine Horde Engländer, oder Iren, oder Schotten, aber keinesfalls Amerikaner aus dem Nichts auf. Sie scherzen und lachen, stören mich aber nur höchstens fünf Minuten, denn ich bin glücklich. Immer wieder Sonnenschein.
Dann wird es doch etwas zu kalt, ich stehe auf und gehe.
Vor der Sparkasse spielen zwei Jungs auf ihren Gitarren ein mir unbekanntes Lied. Trotzdem werfe ich fünfzig Cent in ihre Cap…denn ich bin glücklich.
Deutschland – Dänemark: 25:26

Freitag, 25. Januar 2008

Perfektion am Abgrund

Freitag, 25. Januar 2008, München

Scheideweg…Ich stehe an einer Klippe, kein Weg zurück…vor mir nur der Abgrund. Eine schmale, mit morschen Streben bestückte Hängebrücke führt ans andere Ufer. Es gibt nur diesen einen Weg und ich habe keine andere Wahl, als ihn zu gehen.
Links und rechts von mir lauert die pechschwarze Dunkelheit…Höllenschlund…Hades. Irgendwo ganz unten in der Tiefe fließt der Styx…und ich bin hier oben. Das Wasser rauscht und die Brücke hat kein Geländer…Balanceakt. Ich taumle, schwanke und falle…dann wache ich auf.
Morgens wieder Dunkelheit. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen.
Duschen, Zähneputzen, Haustüre schließen…Perfektion.
Manche Menschen sind fast zu perfekt für diese Welt. Die Präsentation heute war eine der besten, die ich in den letzten Monaten erlebt habe. Applaus.
Wie sie spricht, vorträgt, sich und die Inhalte präsentiert, einfach herrlich. Da geht nichts drüber. Wir sollten wieder einmal ausgehen. Unbedingt!
Manche Menschen sind aber auch Tiere, wilde Bestien…animalisch, unberechenbar.
Für uns kaum nachvollziehbar, geschweige denn akzeptabel. Mit Kindern…ekelhaft. Aber eben auch das ist der Mensch…leider.
Einigermaßen verstört und irritiert trete ich den Heimweg an.
Auf meinem Ipod läuft „The Bad Touch“.

Donnerstag, 24. Januar 2008

Nachdenken über S.

Donnerstag, 24. Januar 2008, München

Mühsam in die Dunkelheit geblinzelt, schwach gelächelt. Der Tag beginnt recht früh und ich komme nur schwer aus dem Bett. Es geht schon wieder gegen Ende der Woche…das merkt man. Irgendwie nicht gut drauf, schlapp und abgespannt. Sofort kommt mir S. in den Sinn. Nahezu unerreichbar für mich, wie das Schloss für K. Irgendwie so nah, aber doch auch so fern. Wenigstens das haben wir gemeinsam. In der Zeitung lese ich: „Kastrati mit Hodenriss!“…Fußballer…Wie geil ist das denn. Für Bekim K. sicherlich nicht lustig, aber ich muss schmunzeln.
In meinem Kopf kreisen S. und K. umher und ich kann sie nicht loswerden.
Wenig später sitze ich in der S-Bahn und denke wieder nach…über S. und K..
Mir fällt plötzlich ein, warum ich Kafka doch toll finde, obwohl mir seine Romane und Erzählungen nicht so zusagen. F. und S….dann kommt Rilke.

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre
Wenn das Zufällige und Ungefähre verstummte
Und das nachbarliche Lachen
Wenn das Geräusch das meine Sinne machen
Mich nicht so sehr verhinderte am Wachen

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
Und dich besitzen (nur ein Lächeln lang)
Um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.

Das ist groß. Ich werde müde, schläfrig und noch ehe die Bahn hält, habe ich beschlossen, dass es schön ist über S. nachzudenken. Einfach nur an sie zu denken…Imagination…Kognition. Ich werde sie natürlich wieder sehen, ganz klar. Man müsste einfach mehr schlafen, aber das ist kaum möglich, so viel geht einem durch den Kopf. Auf der Suche nach der Stille stört oft die hektische Welt. Wenn es nur einmal…S.

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