Sonntag, 10. August 2008

Nightmare

Samstag, 09. August, München

Ich weiß nicht genau, mit wem ich unterwegs bin, vermute aber, dass ich alleine gestartet war. Näheres kann ich nicht sagen. Permanent “on the road”, seit mittlerweile zehn Tagen. Jeden davon ungefähr acht stunden auf dem Fahrrad...immer zwischen hundertdreißig und hundertfünfzig Kilometer. Bis Budapest, so das Ziel, und vielleicht noch weiter gen Osten. Mal abwarten, was geschieht...Rumänien soll ja auch ganz schön sein, habe ich mir sagen lassen. Konditionell fühle ich mich topfit, war seit einem halben Jahr ziemlich oft im Fitnessstudio. AUSDAUER...KONDITION. Muskelmasse aufbauen, Lungenvolumen hinzugewinnen. Jede Faser in meinem Körper hat sich auf diese Reise vorbereitet...Donauradweg. Zuerst bis Passau, dann bis Wien und schließlich bis Budapest, so der Plan. Auch im Kopf bin ich frei, gut vorbereitet und hochmotiviert. Da war für mich alles klar. Immer am Wasser entlang...ab und an gab es eine kleinere Panne, ein kaputter Fahrradschlauch oder abgewetzte Bremsklötze. Sicherheit muss schon sein. Ansonsten läuft alles perfekt. Ich musste erstmal raus aus Deutschland, weg von ihr...vorerst. Was dann kommt, wird sich zeigen. In zwei bis drei Wochen soll es ja schon wieder zurückgehen und dann habe ich vor, einiges zu ändern. Doch vorerst bin ich hier unterwegs, Seite an Seite mit der Königin der europäischen Flüsse. Plötzlich ist der Weg zu Ende. Vor mir offenbart sich das blanke Nichts in Form eines riesigen Abgrundes. Pechschwarze Finsternis schlägt mir entgegen, als ich in die Schlucht blicke...es geht nicht weiter. Ich drehe mich um, will zurück, aber auch hinter mir nichts als unendliche Leere. Ich bin gefangen...möchte schreien. Dann wache ich auf. Schweißgebadet liege ich in meinem Bett...um drei Uhr nachts. ALPTRAUM. Doch diesmal schlafe ich, als ich mich etwas beruhigt und wieder in die Realität zurückgefunden habe, sofort wieder ein.

Peking 2008

Freitag, 08. August, München

Ob es sie wirklich gibt? - Die große, die einzige, die eine wahre Liebe. Mich beschäftigt sie immer noch, die gestrige Begegnung im Biergarten. Ich denke viel nach, versuche immer wieder mich in Werther hineinzuversetzen und unternehme den Versuch, ihn ein bisschen zu verstehen. Das ist echt Wahnsinn...LEIDENSCHAFT, aber was für eine. Da kann man sich eigentlich gar nicht so recht mit identifizieren. Wie viel Werther steckt in uns? Unglückliche Liebe, Zurückweisung. Ich bin möglicherweise bereits zehn bis fünfzehn Prozent “Werther”. Das ist schon ein bisschen krass, finde ich. Ansonsten ist eben schon wieder alles wie immer...die Tage und Wochen ziehen ins Land und sie antwortet nicht. Möglicherweise könnte ein sogenannter offener Brief an sie wirklich die Wende bringen und Klarheit schaffen. So quasi ein für alle mal. Ich werde mir etwas überlegen, allerdings werde ich doch noch ein paar mal versuchen, sie zu kontaktieren. Ein Mail wird sie ja wohl beantworten. Der Rest ist Schweigen...Sophie hat sich auch immer noch nicht gemeldet. MAUER DER STILLE...daran prallt alles wortlos ab. In China beginnen die Spiele. Prachtvoll, protzig...FASADE. Im Herzen schreien doch viele “Free Tibet”...zeigen und zum Ausdruck bringen will das aber niemand. Der Ausschluss droht. Boykott...Farce. Ich bin gespannt, aber zumindest das Feuerwerk war bereits olympiareif. Freundliche und friedliche Spiele, aber in der Welt ist schon wieder Krieg. Was soll man tun. Im Grunde führt jeder Mensch irgendeinen Krieg. Meiner ist im Moment der gegen mich selbst. So eher passiv nach innen als demonstrativ und aktiv nach außen. Sechzehn Tage Wettkämpfe...da bin ich gespannt. Man sieht ja durchaus “exotische” Sportarten, von denen man sonst nie etwas mitbekommt. BOGENSCHIEßEN und SOFTBALL.

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