Dienstag, 4. März 2008

Sehnsucht 2008

Dienstag, 04. März, München

Es roch den ganzen Tag nach Schnee, doch zunächst hat es nur geregnet. Ein Tag, an dem ich zumindest am Vormittag einmal nur zu Hause bin. Der erste seit Monaten. Entspannen, dabei einfach nur Lesen, das ist herrlich.
„Sehnsucht regierte einst ein armes Herz, glaubte es soll ewig leiden.
Sehnsucht oh ewiger Schmerz: Musst ohne mich durch Krieg und Plage reiten.“
Die Zeit zum Nachdenken schafft neue Probleme…die Automatismen des Alltags fehlen. Etwas Neues und Unbekanntes tritt an die vakante Stelle. Warum schaffen es Frauen immer wieder bewusst, oder unbewusst mein Leben durcheinander zu bringen.
Die Sache mit Kathrin ist nun auch schon wieder neun Monate her. Sie fühlte sich bedrängt, eingeengt. Sie wusste es wohl selber nicht so ganz genau, ich erst recht nicht. 01.06.2007. Ihre Ausrede erschien mir hanebüchen. So kurz vor dem Treffen einfach abzusagen, wegen ihm. Das konnte und wollte ich nicht akzeptieren. Der Abend war versaut, also bin ich losgezogen.
„Sehnsucht verzehrte lange Zeit ein Herz, und band alle Fröhlichkeiten. Sehnsucht, oh ewiger Schmerz treustes aller Leiden.“
Ich hatte ziemlich viel Alkohol getrunken und irgendwie muss sie mich wohl gesehen haben, obwohl ich sicher war, dass ihre Wohnung nur über Fenster zum Hof verfügt. IRRTUM. Sein Auto stand da dann doch an der Straße. IRRTUM. Ich war zu weit gegangen. Nur ein kleines Stückchen, aber es hat gereicht. Einen Tag später kam ihre Sms. Wir sehen uns auch heute noch manchmal, grüßen uns flüchtig, aber sie hat beschlossen nicht mehr mit mir zu reden. Das zieht sie auch durch, bis heute.
Die Sache hat mich echt fertig gemacht, mich beinahe ein Semester Arbeit gekostet. Vor einem halben Jahr habe ich ihr eine Mail geschrieben, alles erklärt und mich „freigeschrieben“. Sie hat nie geantwortet, bis heute nicht. Ich warte immer noch. Bin drüber weg, muss aber immer noch daran denken. Ich wollte sie als gute Freundin, mehr nicht. Ist das gelogen? Ich weiß es nicht. Ich befinde mich in einem Labyrinth und finde den Ausgang nicht mehr. GEFANGEN.
Am Nachmittag fielen dichte Schneeflocken vom Himmel.

Montag, 3. März 2008

Vergangene Zeiten

Montag, 03. März, München

Wieder beginnt eine neue Woche. Verschlafen blinzle ich in den Montagmorgen. Der Wecker klingelt um 8.00 Uhr. Mir wird langsam bewusst, dass ich wirklich wieder einmal joggen sollte. Während der Vorbereitung auf mein Abitur tat das ungeheuer gut. Aber das ist vier Jahre her.
Gegen Nachmittag wird es dann sonniger, aber der Wind, der immer noch ordentlich bläst hält mich davon ab zu Laufen. Lieber ein paar Seiten Luhmann aufsaugen und später etwas Musik hören. Mein Körper fühlt sich irgendwie mächtig schläfrig an, obwohl ich mich heute kaum bewegt habe.
Zuvor hatte ich sie in der Bücherei getroffen. Wir begegnen uns immer wieder mal, alle paar Monate, auch an der Uni. Ihr Freud ist ein Idiot. 2004 haben wir zusammen die Schule beendet. Das war ein Jahr, nachdem ich sie toll gefunden habe. Ich finde sie immer noch toll. Damals aber, in Kroatien, das war was. Verrückte 10 Tage Klassenfahrt…eine Nacht Kloschüssel. Dieser verdammte Vigor. Seitdem habe ich das Zeug nie wieder angefasst. Gibt’s hier ja auch zum Glück gar nicht zu kaufen. Aber die Zeit möchte ich nicht missen. Schnorcheln, Tauchen, Wasser, Sand. Nachts neben ihr unter dem Sternenhimmel liegen, die Rücken auf flauschige Handtücher gebettet und die Sterne gezählt. Es war herrlich. Die gemütlichen Abende mit billigem Wein, verkauft aus 50 Liter Bottichen und abgefüllt in mitgebrachte Plastikflaschen. Herrlich mondän, einfach und genügsam. Man war mit der Welt zufrieden. Alleine die Anreise war schon ein Erlebnis. Der Lehrer, Öko, wollte nicht fliegen. Die Zagfahrt hat ewig gedauert…die letzten Etappen per Schiff und Bus. 16 Stunden. Vor einem Jahr war ein Kumpel von mir noch mal auf Cres. Es ist jetzt schon nicht mehr, so, wie damals…nur fünf Jahre später. Alles hat sich verändert. Aber ich denke immer noch an sie und die Sterne.
Als wir uns zwischen den Büchern verabschieden, wünsche ich mir, sie möge doch auch noch ab und an daran denken.

Sonntag, 2. März 2008

The storm is over

Sonntag, 02. März, München

Wenn der Sturm vorüber ist, beginnen die Aufräumarbeiten. Die Natur wehrt sich und reagiert mit Trotz gegen die herrischen Menschen. Als ich das Haus verlasse, bläst der Wind immer noch recht heftig. Zum Glück ist der Weg ins Wahllokal nicht weit…ich gehe zu Fuß. Drinnen, fünf Kabinen, alle voll. Na super…ich muss warten. Ich warte also und denke nach. Einer der Stimmzettel ist rosafarben und einen Quadratmeter groß. Namen, nichts als Namen. Umständlich hantiere ich mit dem Papier, lese und verteile brav meine Stimmen. Drei, zwei, eins, meins. Falten, Sortieren, Aufstehen. Nach einiger Zeit tauche ich wieder hinter der braunen Sperrholzwand auf, verlasse den Wahlraum, gehe nach Hause und hole mein Rad. Hinaus in den Wind…die Blätter tanzen.
Fast einen Monat ist sie jetzt in Südafrika. Sie meldet sich auch selten…Abriss…gestörte Kommunikation. Die Sprache erreicht nicht das Bewusstsein. Welche Sprache? Sie antwortet doch nicht! Stimmt, hatte ich nicht bedacht. Dort scheint sicherlich die Sonne. Ich hatte keinen Abschied. Wiedersehen in fünf Wochen…möglicherweise. Dann hat sie Geburtstag. Die Zukunft ist ungewiss, alles ist ungewiss.
„Ich bin Kurt (16) und ich bin Neo-Nazi!“, verkündet so ein Kerl in einer RTL-Doku. Die Eltern sind ratlos. Der Sender macht mich fertig. IRRE!
Letzte Nacht einen seltsamen Traum gehabt: Ich jogge durch den Park hinter meinem alten Gymnasium. Auf einer Bank sitzt Franck Ribéry und raucht lässig eine Zigarette. Er wirkt nett. Ich grüße freundlich und laufe an ihm vorbei, als ob nichts wäre. Draußen beackert ein Specht den Baum vor meinem Fenster und katapultiert mich wieder in die Wirklichkeit.

Samstag, 1. März 2008

Emma oder Tristesse des Herzens

Samstag, 01. März, München

Wüstes Land. Der Sturm pfeift ums Haus…böig und unberechenbar. Der erste Tag im März lässt einen vormuten, dass bereits April ist. Auf den Straßen liegen abgebrochene Äste, Stolperfallen auf dem Gehweg, Gefahr für die Speichen auf dem Radweg. Es sieht aus wie im Herbst. Der Wind kommt von rechts und drückt mich beinahe runter auf die Straße. Ich muss Gegenlenken, bis der Arm schmerzt. Kontrollverlust. Dann kommt auch noch leichter Regen dazu. Als ich den Supermarkt verlasse, schneit es, als ich irgendwo ankomme, scheint wieder die Sonne. Würfelspiele. Ich sitze auf der Couch und starre in den dunkel gewordenen Himmel. Im Film würde ich jetzt rauchen, in der Wirklichkeit aber nicht.
Draußen zieht es nun brutal zu. Fünf Minuten später bricht ein Hagelsturm los. Der Tag ist pechschwarz, die Sonne hat sich verfinstert. Der Wind treibt stecknadelkopfgroße Hagelkörner vor sich her. Der Boden ist innerhalb kürzester Zeit strahlendweiß, was aber unbedeutend wird, da die restliche Welt verdunkelt ist. Der Hagel geht über in Schnee; dicke, wattige Flocken schweben auf den Boden. Der Schnee wird Regen. Ich sitze da, bewegungslos, wie versteinert und starre betäubt hinaus in die Welt.
Schlagartig ist alles vorbei. Die Sonne zeigt sich und der Regen versiegt. Das Weiß verschwindet beinahe ebenso schnell, wie es gekommen ist. Ich gehe nach draußen…alles um mich herum plätschert. Tauwetter. Der Spuk ist vorbei, der Sturm hält an.
Sie hat sich wieder nicht gemeldet. Na ja am Dienstag halt…meinte, sie hat viel zu tun. Tristesse in e-moll. In mir ist es immer noch dunkel, während draußen die Sonne scheint. Wärme trifft auf meine Hände…mein Herz pocht. Monoton verrichtet der Körper Bewegungsarbeit, während der Kopf schon längst wieder ganz wo anders ist.

Freitag, 29. Februar 2008

365 Tage + 1

Freitag, 29. Februar, München

Zu müde um aufzustehen. Muss leider früh raus, um noch an meiner Arbeit rumzubasteln. Heute ist Abgabetermin. Eigentlich ja erst am Montag…Aufschub…Verlängerung. Jedoch möchte ich das Ding endlich loswerden. Und ich sah, dass es gut war. Ob es dem Dozenten gefällt, wird sich zeigen. Hilft ja alles nichts…der Tag heute ist ein Geschenk. Nur alle vier Jahre, man sollte also jede Stunde voll ausnützen. Bin dann wieder nicht vor zehn Uhr von zu Hause weggekommen. Irgendetwas hält immer auf.
Ich also auf den letzten Drücker rein ins Sekretariat und dem Dozenten die Arbeit ins Fach gelegt. Es ist immer wieder etwas ganz Besonderes, so eine Arbeit abzugeben, nachdem man 21 Tage daran geschrieben hat. Alleine die Fahr mit der Bahn ist ein erhabener Moment. Einfach dasitzen und die Räder der S-Bahn rattern unter einem. Die Welt fliegt dahin. Man sitzt und wartet, die Arbeit im Gepäck.
Unterwegs beginnt es zu regnen und beim Verlassen des U-Bahnhofs werde ich nass. Ich fühle mich frei, ungebunden und erleichtert. Mein Plan, in den Englischen Garten zu gehen scheitert an den äußeren Bedingungen.
Der Platz ist unbespielbar...
Später wird es besser…ich weiß nicht, wie oft ich die Leopoldstraße schon Richtung Marienplatz gelaufen bin.
Erkenntnis: Ich habe das Bestmögliche aus diesem geschenkten Tag gemacht.
29. Februar: Wir sehen uns in vier Jahren wieder.
Die Stammstrecke ist am Nachmittag gesperrt, auf Grund eines Regenschirms in der sogenannten Oberleitung.

Donnerstag, 28. Februar 2008

Stadtgespräche

Donnerstag, 28. Februar, München

Heiß ist es in der Kneipe, aber es gibt eine Großbildleinwand…das ist wichtig. Ein Bekannter von uns hat für zehn Leute reserviert. Fußballderby…eine Großstadt im Ausnahmezustand. Die Emotionen kochen nach zwei nicht gegebenen Toren endgültig hoch. Berechtigt? Toni schraubt schon an seinem Ohr…wieder nichts. Oder schüttelt er seinen kaputten Wecker? Man weiß es nicht genau. Ich bin einer von zehn Millionen Deutschen, die das Spiel am TV verfolgen. Wir sind zehn von zehn Millionen. Es prickelt und die Luft knistert. Elfmeter!...ne doch nicht, obwohl Lucio die Faust in die Fresse bekommt. „Holzer, Holzer!“, skandiere ich und für einen Moment wird es ganz still. Alles schaut in meine Richtung, aber dennoch habe ich das Gefühl, dass nicht jeder begriffen hat, was ich meine. Die Rädchen in den Köpfen der Fans beginnen sich zu drehen. Es knackst und rattert um mich herum. Die gelbrote Karte ist lächerlich, aberwitzig. Nur noch zu zehnt…krass. Und das gegen eine Zweitligamannschaft.
Mit einem Elfmeter in der 120sten Minute das Spiel zu entscheiden ist echt mutig. War ja sehr umstritten. „Die Linie gehört zum Sechzehner!“, brüllt mein Nachbar. Schwer zu sagen, also berechtigt. Knapp war es trotzdem…Viva la France!
Während meinem Gang durch die Stadt trage ich immer noch eine blau-rote Brille. Wie krass.

Mittwoch, 27. Februar 2008

Freundschaft

Mittwoch, 27. Februar, München

Regen in der Nacht…die Luft ist herrlich und klar. Katharsis. Ich liege auf dem Rücken, im Schwellenzustand zwischen Wachen und Schlafe. Der Kopf scheint schon voll da zu sein, während der Rest des Körpers noch nach Erholung lechzt.
Ein merkwürdiges Gefühl, untransparent und schwer nur beschreibbar. Als die Kirchenglocken zu Läuten beginnen, bin ich hellwach.
Wenn ich mich heute mit ihm unterhalte wirkt das Gespräch immer sachlich und neutral. Mein bester Freund, wie lang ist das her. Wenn man sich ewig kennt, so viel gemeinsam erlebt und gemacht hat, dann braucht man irgendwann die Distanz. Er zog weg aus München, mit seinen Eltern raus aufs Land. Vor acht Jahren…mindestens. Der Kontakt war ein oder zwei Jahre komplett abgerissen. Funkstille…damals, dieser Riss. Später wurde es langsam wieder besser…man sieht sich öfter, hat aber völlig unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten. Die Zeit schafft Veränderung. Menschen sind eben einfach zu verschieden, so dass die Interessen einfach auseinander gehen. Das ist eben so. Nächste Woche zieht er nach Rosenheim.
Die kommenden Tage hat der Frühling etwas Pause. Aber wohl nicht lange. Heute nichts gemacht…entspannt und Kräfte gesammelt. In zwei Stunden ist Derby. Ich bin gespannt, wie es ausgeht.
„Ein schöner Tag, wenn er zu Ende geht ist nichts mehr, wie es war."

Dienstag, 26. Februar 2008

Karussell

Dienstag, 26. Februar, München

Was für ein herrlicher Tag. Sonne pur, überall in der ganzen Stadt. Eigentlich sollte man sich heute nur draußen aufhalten, so schön ist es.
Da trifft man sich rein zufällig schon morgens um kurz vor neun in der S-Bahn. Für den Nachmittag, in ihrer Mittagspause, sind wir verabredet. Das wurde bereits gestern ausgemacht. Ich habe sie zuerst gar nicht bemerkt, so vertieft war ich in mein Buch. Sie sitzt, ich stehe. Sie liest auch, schaut nicht auf und wir sehen uns nicht, so versunken bin ich in „Rave“. Was für ein Buch…herrlich kaputt, aber dennoch realistisch, da bin ich mir sicher. „Mensch Rainald, klasse. – Danke, danke!“. Zufälle gibt es. Da macht man nix aus und ich steige genau zu der Zeit, in die S-Bahn ein, in der sie sitzt und zwar zu genau der Zeit, in dem sie da sitzt. Im selben Wagen. „Sachmal spinn ich?“. Wir begegnen uns erst an der Tür, grüßen uns. Sie ist müde, gähnt leicht hinter vorgehaltener Hand. Ich auch. „Bis später dann! – Ja, schönen Vormittag! – Danke!“
Es ist heiß…überall laufen die Rechner. Ich höre das Surren; Geräusche aus weiter Ferne. Trotz Sonnenschein arbeite ich drei Stunden sehr konzentriert, bevor ich mich auf den Weg zu ihr mache. Mittagspause. Ich gehe die Ludwigsstraße entlang…ist ja viel zu schönes Wetter um die Bahn zu nehmen.
Später sitzen wir gemütlich am Rindermarkt und genießen ihre Mittagspause. Vom Viktualienmarkt wehen Wortfetzen herüber. Unglaublich, wie viel los ist, wenn es in München Frühling wird. Von allen Seiten her strömen die Menschen. Die Stunde vergeht schnell…wir trennen uns. Ich muss zurück an die Uni und weiterarbeiten. Sie berät Kunden. „Ich bin dann mal weg!“ – „Kann ich nur empfehlen!“ Die Sonnenhungrigen Mittagmacher verschwinden langsam wieder in den Geschäften und Büros. Das Leben geht weiter. Für sechzig Minuten stand die Welt still. Jetzt dreht sie sich wieder.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

alles gute für dich im...
alles gute für dich im neuen jahr ! ...und danke fürs...
fata morgana - 5. Jan, 10:11
Epilog/Das Jahr beginnt...
Donnerstag, 01. Januar, München Der Neujahrsmorgen...
bflo - 3. Jan, 17:26
Ein Herz am Himmel
Mittwoch, 31. Dezember, München In der letzten Nacht...
bflo - 2. Jan, 16:09
Waffenbrüder
Dienstag, 30. Dezember, München Ein Zimmer im Halbdunkel....
bflo - 1. Jan, 19:51
Glücksbote
Montag, 29. Dezember, München Er nimmt seine dicke...
bflo - 1. Jan, 16:31

Links

Suche

Status

Online seit 6744 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 5. Jan, 10:11

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren