Generation X

Freitag, 02. Mai, München

Faserland. Es ist noch gar nicht so lange her, als ich dieses Buch gelesen habe. Es hat mich damals schon fasziniert. Aber jetzt, da ich es ein zweites Mal lese, kann ich es nur mit viel Mühe wieder aus den Händen legen. Eigentlich werde ich erst durch das Zufallen meiner Augenlieder am Weiterlesen gehindert. Es ist einfach ein tolles Buch, das einen bestimmten Zeitgeist vermittelt. Die Menschen definieren sich über Sein und Haben, über ihre Mode und über ihren Konsum. Im Drogenrausch fühlen sich sogar die eigenen Haare irgendwie saugeil an. Gut die 68er Generation hat auch Drogen genommen, aber da waren die Umstände doch auch andere. Faserland beschreibt die Nichtigkeit des Moments, wenn das, was vor fünf Minuten war gleich schon vergessen ist. Alles wird so austauschbar, nichts hat mehr individuellen Wert. Mitmenschen, Freunde…alles flüchtig und tauschbar. Irgendwie muss das Fundament auf dem wir stehen neu definiert werden. Der namenlose Protagonist verschwindet am Ende einfach…ins Nichts. Es bleibt überhaupt gar nichts von ihm übrig. Kein Mensch fragt nach ihm…er hinterlässt praktisch keine Spuren…ein laut- und spurloser Abgang von der Weltbühne. Ein weiteres Problem ist die grenzenlose Mobilität. Am Vormittag im Flugzeug nach Frankfurt, am Nachmittag mit der Bahn weiter nach Berlin…morgen wieder zurück. Nichts hält uns mehr an festen Orten. Lokalitätsverlust. Auch ich will ja immer weg…besonders schlimm war das vor meinem Budapest-Trip. Wir sind immer in Bewegung. Als das Buch erschien, war ich elf Jahre alt. Das Werk behandelt so viele Themen, deckt so viel Verlogenheit auf und ist doch so wahr. Ich bin die Generation nach Faserland, aber im Grunde hat sich nicht viel getan. Seit Tagen höre ich immer wieder einen der letzten Songs, den Falco vor seinem Tod noch gemacht hat: „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da!“. Ein Riesending…Falco goes Techno. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. Im Moment nur das Buch. Dabei verschwimmt die Tatsache, dass sich Sophie noch nicht wegen dem Theaterbesuch gemeldet hat, fast imUnwichtigen.

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