Montag, 1. September 2008

Explosion

Samstag, 30. August, München

Sophies Verführung sind, in buntes Papier eingehüllte, Schokoladendrops und kosten 1,99 Euro beim Penny. Leider!
Ich rücke meinen Stuhl zurecht, stelle ihn ans Fenster und starre hinaus, in die Nacht. Der Mond steht einsam am Himmel, scheint voll auf die Erde hinab und spendet so ein wenig Licht als Kontrast zur alles einnehmenden Dunkelheit. Es ist herrlich, einfach nur so zu sitzen, die Augen auf einen Punkt draußen vor der trennenden Glasscheibe gerichtet. STIEREN. Hier kommen mir Ideen, schmiede ich Pläne, oder sinniere ich über das Leben. Heute eher Letzteres. Eine Nacht, in der ich einfach keinen Schlaf finde. Darum habe ich die Jalousie wieder geöffnet und sitze nun hier. Interessiert lausche ich den Autos, die ab und an draußen durch das schwarze Dickicht gleiten.
“Einmal wissen, dieses bleibt für immer.” - Ein schönes Lied und dabei doch traurig, wie ich. Meine Gedanken folgen erneut keiner Richtung, schießen auf ihren Bahnen wild durch meinen Kopf. Chaos.
“Und deine Schaltung klemmt im Leerlauf, selbst deine Kriechspur ist vereist.” Treffend! Es geht nicht vorwärts, Stillstand ist die Folge. Keinen Gang einlegen können...zurück geht auch nicht. Dreizehn Jahre back in time. 1995, ich war elf Jahre alt. Zu dumm...warum nicht heute? 2008 ist mir einfach nicht sympathisch und ich befürchte, dass es das auch nicht mehr werden wird. Damals, weder Kind noch Teenager, habe ich nichts mitbekommen von der großen, bunten Welt. Heute bin ich allerdings der Meinung, dass es großartig gewesen sein muss. Draußen lärmen ein paar Krähen und ich erwache kurzzeitig aus meiner Nachdenklichkeit, vertiefe mich aber sofort wieder in meine Gedanken. Diese Stagnation macht mich fertig und lähmt mich gleichzeitig. Eine Perspektivlosigkeit hat sich in das System eingeschlichen. Einfach so...konnte nahezu nix machen. Unter dem Blick gegen die Scheibe scheint diese zu splittern. Vom Rand frisst sich ein zunächste kleiner Riss vor meinen Augen langsam bis zum inneren der Glaswand vor mir. Noch mehr kleine Risse entstehen überall an den Seiten der Glasscheibe und kriechen langsam zum Mittelpunkt. Ein Knall und sogleich zerspringt alles in tausend kleine Scherben. Ich sitze weiterhin regungslos da, kühle Nachtluft weht mir entgegen...ich erwache.

Volle Fahrt

Freitag, 29. August, München

Die Fahrten im Sammeltaxi werde ich niemals vergessen. Der Tag nach der Party: Vormittags, irgendwann nahe München, aber dennoch ziemlich ländlich. Damals, als man ja noch jung war und keinen Führerschein hatte, gab es keine andere Möglichkeit, um zu einem nahegelegenen Bahnhof zu gelangen. Am Tag des Herrn fahren dort keine Busse. Was bleibt ist das sogenannte “Ast-Sammeltaxi”, das man eine Stunde bevor man fahren möchte anrufen muss, um schließlich irgendwann wegzukommen. Alle waren ziemlich fertig und selbst wenn schon jemand eine Fahrerlaubnis besässen hätte, dann hätte er an diesen Vormittagen sicherlich kein Kfz mehr steuern dürfen. RESTALKOHOL. Also rief einer der Truppe an, Frau oder Herr Ast nahm ab und verspricht, dass in sechzig Minuten irgendwer vorbeikommt. Meist wartete man länger, ehe das Sammeltaxi um die Ecke bogt. Jeder zahlte einen bestimmten Betrag und stieg ein. Meist kam eine kleine ältere Frau.. Sie hatte einen Korb mit Feldstecher und Landkarte im Kofferraum. Wir dachten immer, dass sie den Weg nicht finden würde, wegen dem Fernglas. Körperlich ziemlich klein hatte sie zwischen ihrem Hintern und dem Fahrersitz ein Kissen platziert. ERHÖHUNG! Alles klar. Trotzdem äußerst bizarr. Dann fährt die Frau los. Neben ihrer gedrungenen Körpergröße fällt auf, dass sie eine dicke Hornbrille trägt. Die Fahrt zum nächsten Bahnhof dauert lange und ihre Fahrweise ist grausam. Sie kennt nur die ersten drei Gänge und fährt den dritten auch gerne einmal voll bis siebzig oder achtzig Kilometer pro Stunde aus. Oh Gott. Vor jeder Kurve eine Vollbremsung. Knallhart kommt sie zum stehen. Unsere Mägen sind voll Alkohol, der kommt nun meist wieder. Ich hatte sehr oft das Gefühl gleich erbrechen zu müssen, denn auch ihre Überholmanöver sind stets lebensgefährlich. Sicherheitsabstand? Fehlanzeige! Schließlich kommt man aber dann doch am Bahnhof an. Den meisten ist speiübel und sie sind leichenblass. Aber wir leben noch und das ist das Wichtigste. Die S-Bahnfahrt nach dem wilden Taxi-Ritt ist dann immer eine Art Erholung. Das war früher.
Das ist vorbei, die Zeiten kommen nicht wieder...wir waren jung, sind nun alt und sinnieren in Erinnerungen. Heute könnte ich das nicht mehr, da bin ich mir sicher...schade eigentlich, denn das waren geile Zeiten. Ich bereue keine einzige dieser Fahrten.

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