Magnificentia
Sonntag, 21. September, München
Morgens um halb neun ist die U-Bahn noch fast leer. Ich lehne b im Halbschlaf nahe bei der Türe, ungefähr dort, wo die Notbremse angebracht ist. Der Lärm der geschäftigen, am bunten Treiben des täglichen Lebens beteiligten Menschen, dringt kaum bis zu mir durch. Eine Kindergartengruppe von etwa fünfzehn Jungen und Mädchen steigt zu und für zwei Station steigt auch kurzzeitig der Lautstärkepegel. Plötzlich bleibt die Bahn im Tunnel stehen und eine Unruhe entsteht unter den Fahrgästen. Die Lichter gehen kurz aus, aber nach zwanzig Sekunden ist es wieder hell. Zwei Minuten später geht die Fahrt weiter und die Bahn erreicht die nächste Haltestelle. Es hat den Anschein, als ob nichts gewesen wäre. Die Menschen nehmen ihre Gespräche wieder auf, lesen in ihren Zeitungen und Büchern, oder sitzen einfach nur da und schauen durch die Fenster hinaus auf den Bahnsteig. Und doch meine ich ein wenig Unsicherheit, ein bisschen Angst in den Gesichtern und Augen mancher zu erkennen. Es ist nur ein unscheinbarer, beinahe flüchtiger Eindruck, der trotzdem da ist, wenn auch etwas versteckt. Der Körper verrät die Emotionen seines Besitzers mit unter durch seine Haltung, das Gesicht durch Mimik, die Gliedmaßen durch ihre Gestik. Was wäre, wenn ein Zugunglück, ein Terroranschlag oder sonst eine Katastrophe uns alle mitten aus dem Leben reißen würde? Hier auf der Stelle in diesem Zug, sich an diesem Ort das Schicksal von einhundert Menschen entscheiden würde? Morgens aus dem Haus gegangen, ohne daran zu denken und zur angestrebten Zeit nicht wiedergekehrt! Ein langer Abschied ohne ein Wort, ohne Liebesbekenntnis und ohne Hoffnung. Du gehst für immer und der, den du liebst, weiß es nicht. Was wäre wenn…ich schließe die Augen, Fahrgäste steigen ein und aus, verschwommen vernehme ich Stimmengewirr.
„Es ist sehr gut denkbar, dass die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in aller Fülle bereitliegt, aber immer verhängt, in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit...
Aber sie liegt dort nicht feindselig, nicht widerwillig, nicht taub. Ruft man sie mit dem richtigen Namen, dann kommt sie...“ Es ist an der Zeit, sie zu rufen.
Morgens um halb neun ist die U-Bahn noch fast leer. Ich lehne b im Halbschlaf nahe bei der Türe, ungefähr dort, wo die Notbremse angebracht ist. Der Lärm der geschäftigen, am bunten Treiben des täglichen Lebens beteiligten Menschen, dringt kaum bis zu mir durch. Eine Kindergartengruppe von etwa fünfzehn Jungen und Mädchen steigt zu und für zwei Station steigt auch kurzzeitig der Lautstärkepegel. Plötzlich bleibt die Bahn im Tunnel stehen und eine Unruhe entsteht unter den Fahrgästen. Die Lichter gehen kurz aus, aber nach zwanzig Sekunden ist es wieder hell. Zwei Minuten später geht die Fahrt weiter und die Bahn erreicht die nächste Haltestelle. Es hat den Anschein, als ob nichts gewesen wäre. Die Menschen nehmen ihre Gespräche wieder auf, lesen in ihren Zeitungen und Büchern, oder sitzen einfach nur da und schauen durch die Fenster hinaus auf den Bahnsteig. Und doch meine ich ein wenig Unsicherheit, ein bisschen Angst in den Gesichtern und Augen mancher zu erkennen. Es ist nur ein unscheinbarer, beinahe flüchtiger Eindruck, der trotzdem da ist, wenn auch etwas versteckt. Der Körper verrät die Emotionen seines Besitzers mit unter durch seine Haltung, das Gesicht durch Mimik, die Gliedmaßen durch ihre Gestik. Was wäre, wenn ein Zugunglück, ein Terroranschlag oder sonst eine Katastrophe uns alle mitten aus dem Leben reißen würde? Hier auf der Stelle in diesem Zug, sich an diesem Ort das Schicksal von einhundert Menschen entscheiden würde? Morgens aus dem Haus gegangen, ohne daran zu denken und zur angestrebten Zeit nicht wiedergekehrt! Ein langer Abschied ohne ein Wort, ohne Liebesbekenntnis und ohne Hoffnung. Du gehst für immer und der, den du liebst, weiß es nicht. Was wäre wenn…ich schließe die Augen, Fahrgäste steigen ein und aus, verschwommen vernehme ich Stimmengewirr.
„Es ist sehr gut denkbar, dass die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in aller Fülle bereitliegt, aber immer verhängt, in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit...
Aber sie liegt dort nicht feindselig, nicht widerwillig, nicht taub. Ruft man sie mit dem richtigen Namen, dann kommt sie...“ Es ist an der Zeit, sie zu rufen.
bflo - 22. Sep, 13:24
