Untertage
Montag, 22. September, München
Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht
Schon angezündet, schon angezündet.
Ich drücke den Schalter, völlig automatisch, und denke an nichts. Es wird hell. Ich gehe zum Kühlschrank, öffne ihn und zerre eine Flasche Bier hervor. Wieder denke ich nichts. Jeden Tag verbrauche ich Strom, Unmengen davon, immer wieder, gedankenlos. Kohle als wichtiger Energieträger, früher mehr noch als heute. Wärme, Behaglichkeit, Überleben. Schwarzes Gold, manchmal auch braun, nicht flüssig, sondern fest. Unvorstellbare Kraft schlummert in diesem Rohstoff, der das Leben vieler Generationen ermöglicht hat, schon lange bevor Öl zu einem der Hauptenergieträger wurde.
Sieben Kumpel fahren hinunter in den lichtlosen Schacht. Mit dem Lift geht es mehrere hundert Fuß Untertage. Die Schächte sind manchmal angenehm breit, dann wieder schmal und eng. Der Berg hat seinen eigenen Willen. Die sieben schütteln sich an der Oberfläche gegenseitig die Hände, murmeln jeder ein leises “Glück auf!”, manche beten. Dann geht es runter. Jeder hat sein Ritual, seine eigene Marotte. Einer trägt ein Polaroid von Frau und Kind bei sich, der andere betritt den Fahrstuhl immer zuerst mit dem rechten Fuß. Aberglaube? Mag sein, aber wohl eher individuelles Ritual. Immer wieder. Oben beten und hoffen die Lieben, dass der Berg die Männer wieder freigibt. Risiko bleibt immer. Täglich setzen diese Männer ihr Leben aufs Spiel, damit wir heizen oder kochen können. Natürlich gibt es heute längst alternative Energieträger, Kohle spielt bei einer flächendeckenden Stromversorgung nur noch eine Nebenrolle und Maschinen haben die Arbeit der Kumpel sicherer gemacht. Das mag stimmen, aber es ist immer wieder eine neue Herausforderung hinunter in den dunklen Schacht zu fahren. Ohne künstliches Licht wäre es stockdunkel, ohne Sauerstoffzufuhr würde man ersticken. Kohlestaub kann sich schlagartig verdichten und es kann zur Explosion kommen. Viele der Männer sind nie mehr zurückgekehrt...die Kohlemine ihr stummes Grab für immer. Angehörige weinen leise zu Hause...eine angemessen Ruhestätte gibt es nur für wenige. Wen der Berg einmal verschluckt hat, den gibt er manchmal nicht wieder frei. Heilige Barbara.
Nach acht Stunden endet die Schicht. Es ist gut gegangen, wieder einmal. Er fährt nach oben ans Tageslicht...beinahe wie Ikarus fühlt er sich, als jener der Sonne zu nahe kam und abstürzte. Nach Stunden in Finsternis blinzelt er zögerlich ins gleißende Licht. Die Sonnenstrahlen spenden Wärme und tun gut auf der Haut. Nachdem er sich an die Helligkeit gewöhnt hat, kehrt er der Zeche den Rücken und macht sich auf den Nachhauseweg.
Ich denke an ihn, wenn ich das nächste Mal meine Heizung aufdrehe...ganz bestimmt.
Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht
Schon angezündet, schon angezündet.
Ich drücke den Schalter, völlig automatisch, und denke an nichts. Es wird hell. Ich gehe zum Kühlschrank, öffne ihn und zerre eine Flasche Bier hervor. Wieder denke ich nichts. Jeden Tag verbrauche ich Strom, Unmengen davon, immer wieder, gedankenlos. Kohle als wichtiger Energieträger, früher mehr noch als heute. Wärme, Behaglichkeit, Überleben. Schwarzes Gold, manchmal auch braun, nicht flüssig, sondern fest. Unvorstellbare Kraft schlummert in diesem Rohstoff, der das Leben vieler Generationen ermöglicht hat, schon lange bevor Öl zu einem der Hauptenergieträger wurde.
Sieben Kumpel fahren hinunter in den lichtlosen Schacht. Mit dem Lift geht es mehrere hundert Fuß Untertage. Die Schächte sind manchmal angenehm breit, dann wieder schmal und eng. Der Berg hat seinen eigenen Willen. Die sieben schütteln sich an der Oberfläche gegenseitig die Hände, murmeln jeder ein leises “Glück auf!”, manche beten. Dann geht es runter. Jeder hat sein Ritual, seine eigene Marotte. Einer trägt ein Polaroid von Frau und Kind bei sich, der andere betritt den Fahrstuhl immer zuerst mit dem rechten Fuß. Aberglaube? Mag sein, aber wohl eher individuelles Ritual. Immer wieder. Oben beten und hoffen die Lieben, dass der Berg die Männer wieder freigibt. Risiko bleibt immer. Täglich setzen diese Männer ihr Leben aufs Spiel, damit wir heizen oder kochen können. Natürlich gibt es heute längst alternative Energieträger, Kohle spielt bei einer flächendeckenden Stromversorgung nur noch eine Nebenrolle und Maschinen haben die Arbeit der Kumpel sicherer gemacht. Das mag stimmen, aber es ist immer wieder eine neue Herausforderung hinunter in den dunklen Schacht zu fahren. Ohne künstliches Licht wäre es stockdunkel, ohne Sauerstoffzufuhr würde man ersticken. Kohlestaub kann sich schlagartig verdichten und es kann zur Explosion kommen. Viele der Männer sind nie mehr zurückgekehrt...die Kohlemine ihr stummes Grab für immer. Angehörige weinen leise zu Hause...eine angemessen Ruhestätte gibt es nur für wenige. Wen der Berg einmal verschluckt hat, den gibt er manchmal nicht wieder frei. Heilige Barbara.
Nach acht Stunden endet die Schicht. Es ist gut gegangen, wieder einmal. Er fährt nach oben ans Tageslicht...beinahe wie Ikarus fühlt er sich, als jener der Sonne zu nahe kam und abstürzte. Nach Stunden in Finsternis blinzelt er zögerlich ins gleißende Licht. Die Sonnenstrahlen spenden Wärme und tun gut auf der Haut. Nachdem er sich an die Helligkeit gewöhnt hat, kehrt er der Zeche den Rücken und macht sich auf den Nachhauseweg.
Ich denke an ihn, wenn ich das nächste Mal meine Heizung aufdrehe...ganz bestimmt.
bflo - 24. Sep, 16:23
