Rauch, der herüberweht
Dienstag, 02. Dezember, München
Wieder einmal schiebt er einen Sarg in den Ofen des großen Krematoriums im Osten von München. Mit Routine führt er jeden Handgriff nahezu blind aus, hat das alles schon so oft gemacht. Dann fällt erneut der Vorhang, die beiden Stofffetzen schließen sich, der Blick von draußen dringt nicht dahinter. Ein Knopfdruck, dreitausend Grad und wenige Augenblicke später bleibt von der Holzkiste und dem darin liegenden Körper nicht mehr übrig, als ein kleines Häufchen Asche. So manches Schicksal macht ihn, der hier täglich am Ofen steht, traurig, denn Menschen ohne Angehörige, ohne Freunde und Bekannte werden hier verbrannt. Die Reste kommen in eine Urne, die dann irgendwo vergraben oder aufbewahrt wird. Die Särge sind meist einfache Holzkisten mit schwarzen Kreuzen darauf. Protzigen Schmuck sucht man meist vergeblich. Auch der Großteil der verwendeten Urnen ist eher einfach und schmucklos gehalten.
Er verrichtet eine Arbeit, die eigentlich kaum einer sonst machen möchte, aber die dennoch so wichtig ist. Die Öffentlichkeit erfährt davon wenig. Vor einigen Monaten gab es allerdings einen Aufreger, als ein paar Rumänen den Toten die Goldzähne herausgerissen und für gutes Geld weiterverkauft haben. Doch der Ärger darüber ist schnell aus dem öffentlichen Diskurs verschwunden. Der Umgang mit dem Tod in der Öffentlichkeit wird auch heute immer noch weitestgehend tabuisiert. Jeder ist froh, wenn sich ein anderer darum kümmert.
Oft wird er darauf angesprochen, wie es denn so sei wenn man beinahe fließbandartig Menschen verbrennt, wie bei den Nazis früher. Dann kann er eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. Trotzdem belastet ihn das Vernichten menschlicher Körper, was eben nun einmal seine Aufgabe ist, ziemlich. Schlimm wird es immer dann, wenn er damit beginnt darüber nachzudenken. Dann fragt er sich, ob das, was er macht so richtig ist. Aber er kann nichts anderes. Begonnen hat alles vor vielen Jahren, als er ab und an auf dem Friedhof gearbeitet und die Gräber gepflegt hat. Retrospektiv kann er heute nicht mehr genau sagen, wie er zu seiner Arbeit im Krematorium gekommen ist, aber er kann sich nicht mehr genau daran erinnern. Nur Angst hat er gehabt, bevor er seine erste Leiche verbrannt hat. Seitdem waren es mehrere Hunderte. Nun ist Winter und immer weniger Friedhofsbesucher kommen um die Gräber zu besuchen und zu schmücken. Doch die, die kommen, können manchmal dunklen Rauch vom Krematorium herüberziehen sehen. Trotz moderner Filteranlagen weht ein leicht ekelhafter Geruch von verbranntem Fleisch durch die Luft. Dann steht er wieder vor seinem Ofen, schiebt einen Sarg hinein und drückt den Knopf. Wenige Sekunden zerlegen einen Menschen in eine Häufchen Asche. Asche zu Asche, Staub zu Staub. Er macht die Arbeit, die keiner machen will. Auch er ist traurig und die draußen wissen es nicht.
Wieder einmal schiebt er einen Sarg in den Ofen des großen Krematoriums im Osten von München. Mit Routine führt er jeden Handgriff nahezu blind aus, hat das alles schon so oft gemacht. Dann fällt erneut der Vorhang, die beiden Stofffetzen schließen sich, der Blick von draußen dringt nicht dahinter. Ein Knopfdruck, dreitausend Grad und wenige Augenblicke später bleibt von der Holzkiste und dem darin liegenden Körper nicht mehr übrig, als ein kleines Häufchen Asche. So manches Schicksal macht ihn, der hier täglich am Ofen steht, traurig, denn Menschen ohne Angehörige, ohne Freunde und Bekannte werden hier verbrannt. Die Reste kommen in eine Urne, die dann irgendwo vergraben oder aufbewahrt wird. Die Särge sind meist einfache Holzkisten mit schwarzen Kreuzen darauf. Protzigen Schmuck sucht man meist vergeblich. Auch der Großteil der verwendeten Urnen ist eher einfach und schmucklos gehalten.
Er verrichtet eine Arbeit, die eigentlich kaum einer sonst machen möchte, aber die dennoch so wichtig ist. Die Öffentlichkeit erfährt davon wenig. Vor einigen Monaten gab es allerdings einen Aufreger, als ein paar Rumänen den Toten die Goldzähne herausgerissen und für gutes Geld weiterverkauft haben. Doch der Ärger darüber ist schnell aus dem öffentlichen Diskurs verschwunden. Der Umgang mit dem Tod in der Öffentlichkeit wird auch heute immer noch weitestgehend tabuisiert. Jeder ist froh, wenn sich ein anderer darum kümmert.
Oft wird er darauf angesprochen, wie es denn so sei wenn man beinahe fließbandartig Menschen verbrennt, wie bei den Nazis früher. Dann kann er eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. Trotzdem belastet ihn das Vernichten menschlicher Körper, was eben nun einmal seine Aufgabe ist, ziemlich. Schlimm wird es immer dann, wenn er damit beginnt darüber nachzudenken. Dann fragt er sich, ob das, was er macht so richtig ist. Aber er kann nichts anderes. Begonnen hat alles vor vielen Jahren, als er ab und an auf dem Friedhof gearbeitet und die Gräber gepflegt hat. Retrospektiv kann er heute nicht mehr genau sagen, wie er zu seiner Arbeit im Krematorium gekommen ist, aber er kann sich nicht mehr genau daran erinnern. Nur Angst hat er gehabt, bevor er seine erste Leiche verbrannt hat. Seitdem waren es mehrere Hunderte. Nun ist Winter und immer weniger Friedhofsbesucher kommen um die Gräber zu besuchen und zu schmücken. Doch die, die kommen, können manchmal dunklen Rauch vom Krematorium herüberziehen sehen. Trotz moderner Filteranlagen weht ein leicht ekelhafter Geruch von verbranntem Fleisch durch die Luft. Dann steht er wieder vor seinem Ofen, schiebt einen Sarg hinein und drückt den Knopf. Wenige Sekunden zerlegen einen Menschen in eine Häufchen Asche. Asche zu Asche, Staub zu Staub. Er macht die Arbeit, die keiner machen will. Auch er ist traurig und die draußen wissen es nicht.
bflo - 3. Dez, 18:53
