Etwas bleibt
Sonntag, 23. November, München
Der erste Schnee des Winters beginnt schon wieder zu tauen. Ich gehe die Straße entlang, am Krankenhaus vorbei. Die Trambahn kommt und Menschen steigen ein und aus. Aalglatte Stahlschienen schimmern zwischen den einzelnen Schneeflecken hindurch. Sie beginnen leise zu quietschen, als die Bahn darüber hinwegrauscht. Schnee spritzt zur Seite, ich gehe durch grauen Matsch, der sich mit dem Staub auf dem Bürgersteig vermischt hat. Wasser spritzt und der Winter scheint schon wieder vorbei. Fortsetzung folgt sicherlich. Ich steige auf mein Fahrrad und lasse die Reste des Winters unter meinen Reifen vorbeifliegen. Bewusst wähle ich Wege, die nicht geräumt und gestreut sind. Tauendes Eis knirscht und bricht, aber ich fahre vorsichtig. Die alte Schossmauer entlang bis nach Hause. Vieles wird sich die nächsten Wochen und Monate verändern. Das weiß ich ganz ohne astrologische Fernsehberatung für 1,99 Euro die Minute, denn so etwas fühlt und spürt man. Dieser Tod hat schon vieles verändert und wird dies auch in Zukunft tun. Der Einschnitt steht bevor. Ich bin wieder draußen, streife durch die Wälder und es fällt wieder Schnee. Ich kicke einen Stein vor mir her, er schlägt gegen ein Stück Holz und bleibt dann einfach liegen. Ein Radfahrer fährt an mir vorbei, ein Hund läuft ihm hinterher, schnüffelt sich durch den Schnee, markiert mit neongelbem Urin sein Revier. Ich habe Angst davor vieles zu verlieren. Wenn in einem Jahr der Abschied aus der Uni bevorsteht, fürchte ich mich gute Kontakte und liebgewordenen Freunde zu verlieren. Ich muss jetzt schon Vorkehrungen treffen, versuchen die Leute an mich zu binden. Besonders SIE darf ich nicht verlieren. Da sich einiges ändern wird, ändert sich möglicherweise auch in dieser Beziehung etwas. Es ist wieder an der Zeit, den Freunden zu sagen, wie wichtig sie einem sind. Das werde ich tun und nicht nur, weil Weihnachten vor der Türe steht. Wieder geht ein Jahr...fünf Wochen bleiben noch. Dann ist auch dies hier zu Ende, die Aufzeichnungen werden abbrechen und das Geschriebene archiviert. Solange dies hier durchs Netz geistert, ist es mitunter nicht sofort verloren. Tote Server. Das hier wird überleben. Äste knacken unter meinen Füßen, ich werfe einen Stock einige Meter vor mich, er bleibt im Tiefschnee stecken und wackelt noch ein wenig hin und her, geschüttelt von der Energie meines Wurfes. Vor mir liegt ein frisch beschneiter Weg, der Schneefall hat aufgehört und alles ist blitzweiß. Ich gehe einige Meter geradeaus, drehe mich um und blicke zurück. Ich sehe eine Straße aus paarweise nebeneinander liegenden Fußabdrücken. Ganz frisch und völlig makellos. Das bleibt.
Der erste Schnee des Winters beginnt schon wieder zu tauen. Ich gehe die Straße entlang, am Krankenhaus vorbei. Die Trambahn kommt und Menschen steigen ein und aus. Aalglatte Stahlschienen schimmern zwischen den einzelnen Schneeflecken hindurch. Sie beginnen leise zu quietschen, als die Bahn darüber hinwegrauscht. Schnee spritzt zur Seite, ich gehe durch grauen Matsch, der sich mit dem Staub auf dem Bürgersteig vermischt hat. Wasser spritzt und der Winter scheint schon wieder vorbei. Fortsetzung folgt sicherlich. Ich steige auf mein Fahrrad und lasse die Reste des Winters unter meinen Reifen vorbeifliegen. Bewusst wähle ich Wege, die nicht geräumt und gestreut sind. Tauendes Eis knirscht und bricht, aber ich fahre vorsichtig. Die alte Schossmauer entlang bis nach Hause. Vieles wird sich die nächsten Wochen und Monate verändern. Das weiß ich ganz ohne astrologische Fernsehberatung für 1,99 Euro die Minute, denn so etwas fühlt und spürt man. Dieser Tod hat schon vieles verändert und wird dies auch in Zukunft tun. Der Einschnitt steht bevor. Ich bin wieder draußen, streife durch die Wälder und es fällt wieder Schnee. Ich kicke einen Stein vor mir her, er schlägt gegen ein Stück Holz und bleibt dann einfach liegen. Ein Radfahrer fährt an mir vorbei, ein Hund läuft ihm hinterher, schnüffelt sich durch den Schnee, markiert mit neongelbem Urin sein Revier. Ich habe Angst davor vieles zu verlieren. Wenn in einem Jahr der Abschied aus der Uni bevorsteht, fürchte ich mich gute Kontakte und liebgewordenen Freunde zu verlieren. Ich muss jetzt schon Vorkehrungen treffen, versuchen die Leute an mich zu binden. Besonders SIE darf ich nicht verlieren. Da sich einiges ändern wird, ändert sich möglicherweise auch in dieser Beziehung etwas. Es ist wieder an der Zeit, den Freunden zu sagen, wie wichtig sie einem sind. Das werde ich tun und nicht nur, weil Weihnachten vor der Türe steht. Wieder geht ein Jahr...fünf Wochen bleiben noch. Dann ist auch dies hier zu Ende, die Aufzeichnungen werden abbrechen und das Geschriebene archiviert. Solange dies hier durchs Netz geistert, ist es mitunter nicht sofort verloren. Tote Server. Das hier wird überleben. Äste knacken unter meinen Füßen, ich werfe einen Stock einige Meter vor mich, er bleibt im Tiefschnee stecken und wackelt noch ein wenig hin und her, geschüttelt von der Energie meines Wurfes. Vor mir liegt ein frisch beschneiter Weg, der Schneefall hat aufgehört und alles ist blitzweiß. Ich gehe einige Meter geradeaus, drehe mich um und blicke zurück. Ich sehe eine Straße aus paarweise nebeneinander liegenden Fußabdrücken. Ganz frisch und völlig makellos. Das bleibt.
bflo - 24. Nov, 22:54
