Mittwoch, 19. November 2008

Wollmütze

Montag, 17. November, München

Sie sieht einfach so gut aus. Ihre Schönheit ist mit nichts zu vergleichen. Wieder war sie in meiner S-Bahn, mit einer Freundin zusammen. Beide haben auf mich gewartet. Dann redet sie zunächst nur mit ihr, aber als beide sich trennen, unterhalten wir uns angeregt. Sie trägt eine hübsche Wollmütze, die sie, um sich vor der Kälte zu schützen, über ihren Kopf gezogen hat. Unbeschreiblich hübsch. Bestimmte Menschen können einfach alles tragen und sie sind immer noch bildschön. Leider sehen wir uns wieder nur kurz, aber ich habe den festen Entschluss gefasst, dies in Zukunft zu ändern. Aber wie?
Gestern war das Treffen aller Abiturjahrgänge meiner Schule. Leider draußen in den Pampa. Aus meinem Jahrgang waren mit mir nur sieben Leute da. Irgendwie symptomatisch für das alles, die Zeit und das, was passiert ist. Nach zwei Bier fahre ich wieder heim. Eigentlich ein Reinfall. In der S-Bahn kontrolliert die Bahnwache. Wichtigtuerisch, mit Handschellen und Schlagstöcken bewaffnet, schleicht sie den Gang entlang. Nein, ich fühle mich nicht sicherer, auch wenn die noch zehn Menschen da hinstellen, die “wachen” sollen. Ich fühle mich eher unsicherer, da ich diesen Sheriffs nicht über den Weg traue.
Ich bin immer noch etwas durch den Wind. Eine Freundin bringt mir Sushi mit in die Vorlesung. Sehr lecker, aber ich bin auch ziemlich ausgehungert. Das tut gut. Umständlich versuche ich die Röllchen mit den Stäbchen zu fassen, was auf dem kleinen Klapppult in meinem Vorlesungssaal gar nicht so einfach ist. Frustriert und hungrig packe ich das Sushi mit den Händen, tauche es in Sojasauce und esse es genüsslich. Das passt schon. Leider ist die Vorlesung ziemlich langweilig, aber das kann ich nicht ändern. Später in der S-Bahn schimpft eine Mutter fürchterlich mit ihrem kleinen Sohn. Scheinbar hat er gelogen. Die Frau, die mir gegenüber sitzt und ich hören unfreiwillig zu. Sie lächelt mich an, als ich aussteige. Später sitze ich auf dem Fahrrad und fahre durch die beginnende Nacht. Zwei Jungs haben sich als Polizisten verkleidet und versuchen Radfahrer aufzuhalten. Ich fahre an ihnen vorbei. Die Katze hat Hunger, bekommt etwas ehe ich wieder davon brause. Ich muss eine Lösung finden, ein hübsches Zuhause für diese hübsche Katze. Sie wird mir fehlen, ich mag sie. Große, treue Katzenaugen blicken mich neugierig an. Beinahe, wie zuvor die von ihr in der S-Bahn. Ihr Gesicht unter der Wollmütze.

Negligé

Sonntag, 16. November, München

Zeit abzuschalten. Andere Themen müssen in den Fokus rücken. Es ist ein kalter Vormittag, ich ziehe die Mütze tiefer in die Stirn und schlüpfe in meine Handschuhe. Der Atem kondensiert an der eiskalten Luft und formt ein Wolkengebilde aus meinem Mund. Leere Sprechblase. Jeder meiner Schritte dröhnt über das Pflaster. Ich will weg. Weg aus Deutschland, aus der Enge irgendwohin. Die Umgebung schnürt mich ein, raubt mir die Luft zum leben. Die Gedanken sind schwer. Im Seminar sitzt mir ein hübsches Mädchen gegenüber und lächelt mich an. Unter ihrem Oberteil schaut eine Art Negligé hervor, das aus einer Art Gardinenstoff gewirkt scheint. Das Ganze gleicht eher dem Soff, aus dem sonst nur Damenslips hergestellt sind, nur etwas dünner. Sieht irgendwie süß aus...das Mädchen auch. Draußen beginnt es zu Regnen. Später in der U-Bahn stehe ich in einer großen Menschenmenge. Immer noch drängen Leute in den eigentlich vollen Wagen. Dann schließen sich die Türen und es beginnt plötzlich unangenehm zu riechen. Blähungen...irgendwer...nein! Dann endlich raus aus dem Zug und an die frische Luft. Manchmal können öffentliche Verkehrsmittel die Hölle sein. Die Umkleidekabine in der Schwimmhalle ist so niedrig konstruiert, dass ich oben über den Abschluss der Türe sehen kann. Kalt ist es, das Wasser hingegen angenehm warm. Ich ziehe meine Bahnen und vergesse. Es ist ziemlich viel los, aber dennoch gibt es die Gelegenheit, sich freizuschwimmen. Wasser spritzt an meinen Ohren vorbei, ich bekomme einen Tritt in die Magengrube. Es ist doch recht viel los. Kurz tauche ich unter...Reinigung. Wasser perlt an meinem Körper ab, als ich aus dem Wasser hervorschnelle. Ich wische mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, von der Stirn und schwimme weiter. Die Kraft kommt aus Armen und Beinen. Zügig gleite ich durchs Wasser, koordiniere meine Gliedmaßen synchron und zische durchs Wasser, wie ein warmes Messer durch Butter. Die Dusche am Ende tut unendlich gut. Erneut ein Akt der Reinigung, ein Zeichen für einen Neuanfang. Shampoo läuft meinen Oberkörper hinunter und bildet eine schaumige Pfütze am Boden. Nach dem Anziehen föhne ich meine Haare, setzte die Mütze wieder auf und gleite hinaus in die Dunkelheit. Mein Arm riecht angenehm nach frischem Jasmin. Eine neue Haut...

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