Gedankenschleife als Symptom der Depression?
Montag, 10. November, München
Regen peitscht vom Himmel. Auf meinem Fahrradlenker haben sich stumme Tropfen niedergeschlagen, die sich in einer Mulde im Metall langsam zu einem See verdichten. Das kam sehr plötzlich. Noch vor zwei Stunden habe ich den Bahnhof verlassen, ehe eine Windhose vorüberzog und mächtig Staub aufgewirbelt hat. Einzelne Körner knirschen zwischen meinen Zähnen, wenn ich den Mund bewege. Sie schmecken rau und bearbeiten meine Zähne wie Schmirgelpapier, das über Holz gezogen wird. Doch nun hüllen mich dichte Tropfen ein. Ein Vorhang aus Wasser fällt vom Himmel und ich gleite hindurch. Ich sehe eine Frau, die einen kleinen Hund an einer langen Leine vor sich herführt. Das Tier trägt einen weißen Verband am linken Hinterlauf, den es nebenbei humpelnd hinter sich herzieht. Das braune Felle glitzert unter dem Schein der Straßenlaterne. Ein Fahrradfahrer kommt mir entgegen; ein blauer Helm schmückt seinen Kopf wie einen Spartaner, aber vorne an seinem Fahrrad hat er kein Licht. Ich blicke vor mir in eine Allee aus Straßenlaternen, aber jede dritte ist defekt und spendet in dieser Nacht kein Licht. Dunkelheit umgibt sie. Ich ziehe meine Mütze tiefer ins Gesicht, so dass ich den Regen nicht mehr spüren muss. Trotzdem merke ich dass es regnet, denn einzelne Tropfen tanzen an der Oberfläche einer der vielen Pfützen, die sich neben verstopften Gullis gebildet haben. Mein Weg führt mich weiter...was für ein beschissener Tag. Ich betrete die Bibliothek abends gegen zehn. Es sind tatsächlich noch Menschen da. Vereinzelt und solitär sitzen sie auf den Stühlen, vor den PCs und arbeiten, oder geben zumindest vor zu arbeiten. Ich setze mich an einen der freien Computerplätze und schalte das Licht ein. Automatisch springt der Rechner an. Toll...muss man gar nicht mehr auf den Einschalter drücken. Mein Blick schweift über die Galerie und streift die Einsamen. Die, für die der Tag kein Ende hat und die Nacht keinen Anfang. Die, die hier sind und arbeiten. Ein Mann und eine Frau unterhalten sich...angeregt, aber absolut leise. Vor mir liest einer in einem Buch. Ich kann das Geräusch von umblätternden Seiten hören. Ich starre auf den Bildschirm, öffne das Schreibprogramm und beginne zu tippen. Zunächst fällt es mir schwer einen Anfang zu finden, könnte ich doch mit Allem und mit Nichts beginnen. Dann fallen mir plötzlich ein paar Worte ein, schießen wie vorprogrammiert in meinen Kopf:
"Regen peitscht vom Himmel. Auf meinem Fahrradlenker haben sich stumme Tropfen niedergeschlagen, die sich in einer Mulde im Metall langsam zu einem See verdichten."
Regen peitscht vom Himmel. Auf meinem Fahrradlenker haben sich stumme Tropfen niedergeschlagen, die sich in einer Mulde im Metall langsam zu einem See verdichten. Das kam sehr plötzlich. Noch vor zwei Stunden habe ich den Bahnhof verlassen, ehe eine Windhose vorüberzog und mächtig Staub aufgewirbelt hat. Einzelne Körner knirschen zwischen meinen Zähnen, wenn ich den Mund bewege. Sie schmecken rau und bearbeiten meine Zähne wie Schmirgelpapier, das über Holz gezogen wird. Doch nun hüllen mich dichte Tropfen ein. Ein Vorhang aus Wasser fällt vom Himmel und ich gleite hindurch. Ich sehe eine Frau, die einen kleinen Hund an einer langen Leine vor sich herführt. Das Tier trägt einen weißen Verband am linken Hinterlauf, den es nebenbei humpelnd hinter sich herzieht. Das braune Felle glitzert unter dem Schein der Straßenlaterne. Ein Fahrradfahrer kommt mir entgegen; ein blauer Helm schmückt seinen Kopf wie einen Spartaner, aber vorne an seinem Fahrrad hat er kein Licht. Ich blicke vor mir in eine Allee aus Straßenlaternen, aber jede dritte ist defekt und spendet in dieser Nacht kein Licht. Dunkelheit umgibt sie. Ich ziehe meine Mütze tiefer ins Gesicht, so dass ich den Regen nicht mehr spüren muss. Trotzdem merke ich dass es regnet, denn einzelne Tropfen tanzen an der Oberfläche einer der vielen Pfützen, die sich neben verstopften Gullis gebildet haben. Mein Weg führt mich weiter...was für ein beschissener Tag. Ich betrete die Bibliothek abends gegen zehn. Es sind tatsächlich noch Menschen da. Vereinzelt und solitär sitzen sie auf den Stühlen, vor den PCs und arbeiten, oder geben zumindest vor zu arbeiten. Ich setze mich an einen der freien Computerplätze und schalte das Licht ein. Automatisch springt der Rechner an. Toll...muss man gar nicht mehr auf den Einschalter drücken. Mein Blick schweift über die Galerie und streift die Einsamen. Die, für die der Tag kein Ende hat und die Nacht keinen Anfang. Die, die hier sind und arbeiten. Ein Mann und eine Frau unterhalten sich...angeregt, aber absolut leise. Vor mir liest einer in einem Buch. Ich kann das Geräusch von umblätternden Seiten hören. Ich starre auf den Bildschirm, öffne das Schreibprogramm und beginne zu tippen. Zunächst fällt es mir schwer einen Anfang zu finden, könnte ich doch mit Allem und mit Nichts beginnen. Dann fallen mir plötzlich ein paar Worte ein, schießen wie vorprogrammiert in meinen Kopf:
"Regen peitscht vom Himmel. Auf meinem Fahrradlenker haben sich stumme Tropfen niedergeschlagen, die sich in einer Mulde im Metall langsam zu einem See verdichten."
bflo - 12. Nov, 22:05
