Ein kleines Stückchen Weg
Sonntag, 02. November, München
In der kleinen Wirtsstube ist es schummrig und eng. Von der Decke strahlen nur sporadisch ein paar blasse Leuchter herab und erhellen die Dunkelheit. Die Fenster sind beschlagen; von außen neblig, von innen leicht feucht. Menschen atmen, leben und vergehen hier. Am Tresen sitzen welche, die mit ihren fleischigen Händen Gläser umklammern und ab und an einige Züge Bier oder Wein daraus trinken. Im Hintergrund spielt eine Musikbox alte, beinahe vergessene Lieder. Etwas abseits sitzt einer und denkt nach. Vor sich eine Flasche billig aussehenden Rotwein und ein halbvolles Glas. Ist es vollständig geleert, kommt die korpulente Bedienung und schenkt nach. “Komm gieß mein Glas noch einmal ein.”
Freunde kamen, traten in sein Leben um ein Stückchen mit ihm auf dem Weg zu gehen. Nun sind ihm keine mehr geblieben. Begegnungen und Freundschaften waren meist kurze Etappen auf einem langen Weg durch das Leben. Es gab Zwischenstopps, kleine Haltepunkte am Rande. Das war alles. Nun sind ihm keine mehr geblieben. Sein Blick wird von dem vielen Fusel leicht glasig, die Augen beginnen sich zu schmalen Schlitzen zu verengen. Die Umrisse der Theke, der Wirtschaft und der Barfrau werden zusehends blasser. Die Hand beginnt zu zittern. Episodenartig ziehen sie an der runden Wölbung seines Glases vorbei. Das Glas selbst hat keinen Anfang und kein Ende. Von irgendwoher kommen die Bilder in sein Blickfeld und verschwinden sogleich wieder daraus. Trübe Fratzen stellen sich ihm entgegen. Seine Freunde nicht mehr da. Nur noch bleiche Randgestalten auf dem gläsernen Oval seines Trinkgefäßes. Abschnittweise sickert die Erinnerung davon. Steter Tropfen. Im Glasinneren gluckert der Wein. Darin kann er es leuchten sehen. Die Wahrheit ganz zuunterst auf dem Grund. Im Wein liegt Wahrheit und in mehr Wein liegt mehr Wahrheit. Darum beginnt er mit der zweiten Flasche. Erst dann verebben die Bilder, trollen sich zurück in sein Unterbewusstsein. Schon bald werden sie zurückkehren, noch stärker, noch mächtiger.
Autos überholen dich auf der Straße des Lebens, während du nichtsahnend geradeaus läufst. Ein roter Kombi hält neben dir. Es ist die Liebe. Du steigst ein und lässt dich ein Stückchen mitnehmen. Schon bald erkennst du, dass die Reise nicht ewig dauern kann. Ihr trennt euch, du und der Kombi. Du steigst aus. Die Liebe braust davon. Immer weiter. Bald schon nimmt sie den nächsten mit, ein Stück auf seinem Weg, dem Weg beider. Und du? Du bist durch die Liebe zügig ein Stück auf deinem Weg vorangekommen. Schnell warst du, aber dabei hast du vieles am Rande des Weges einfach verpasst. Die Reise mit dem Auto hat dich blind für diese Ränder gemacht. Nun blickst du zurück und merkst, was du versäumt hast. Doch der Weg geht immer weiter...für dich nun wieder zu Fuß.
In der kleinen Wirtsstube ist es schummrig und eng. Von der Decke strahlen nur sporadisch ein paar blasse Leuchter herab und erhellen die Dunkelheit. Die Fenster sind beschlagen; von außen neblig, von innen leicht feucht. Menschen atmen, leben und vergehen hier. Am Tresen sitzen welche, die mit ihren fleischigen Händen Gläser umklammern und ab und an einige Züge Bier oder Wein daraus trinken. Im Hintergrund spielt eine Musikbox alte, beinahe vergessene Lieder. Etwas abseits sitzt einer und denkt nach. Vor sich eine Flasche billig aussehenden Rotwein und ein halbvolles Glas. Ist es vollständig geleert, kommt die korpulente Bedienung und schenkt nach. “Komm gieß mein Glas noch einmal ein.”
Freunde kamen, traten in sein Leben um ein Stückchen mit ihm auf dem Weg zu gehen. Nun sind ihm keine mehr geblieben. Begegnungen und Freundschaften waren meist kurze Etappen auf einem langen Weg durch das Leben. Es gab Zwischenstopps, kleine Haltepunkte am Rande. Das war alles. Nun sind ihm keine mehr geblieben. Sein Blick wird von dem vielen Fusel leicht glasig, die Augen beginnen sich zu schmalen Schlitzen zu verengen. Die Umrisse der Theke, der Wirtschaft und der Barfrau werden zusehends blasser. Die Hand beginnt zu zittern. Episodenartig ziehen sie an der runden Wölbung seines Glases vorbei. Das Glas selbst hat keinen Anfang und kein Ende. Von irgendwoher kommen die Bilder in sein Blickfeld und verschwinden sogleich wieder daraus. Trübe Fratzen stellen sich ihm entgegen. Seine Freunde nicht mehr da. Nur noch bleiche Randgestalten auf dem gläsernen Oval seines Trinkgefäßes. Abschnittweise sickert die Erinnerung davon. Steter Tropfen. Im Glasinneren gluckert der Wein. Darin kann er es leuchten sehen. Die Wahrheit ganz zuunterst auf dem Grund. Im Wein liegt Wahrheit und in mehr Wein liegt mehr Wahrheit. Darum beginnt er mit der zweiten Flasche. Erst dann verebben die Bilder, trollen sich zurück in sein Unterbewusstsein. Schon bald werden sie zurückkehren, noch stärker, noch mächtiger.
Autos überholen dich auf der Straße des Lebens, während du nichtsahnend geradeaus läufst. Ein roter Kombi hält neben dir. Es ist die Liebe. Du steigst ein und lässt dich ein Stückchen mitnehmen. Schon bald erkennst du, dass die Reise nicht ewig dauern kann. Ihr trennt euch, du und der Kombi. Du steigst aus. Die Liebe braust davon. Immer weiter. Bald schon nimmt sie den nächsten mit, ein Stück auf seinem Weg, dem Weg beider. Und du? Du bist durch die Liebe zügig ein Stück auf deinem Weg vorangekommen. Schnell warst du, aber dabei hast du vieles am Rande des Weges einfach verpasst. Die Reise mit dem Auto hat dich blind für diese Ränder gemacht. Nun blickst du zurück und merkst, was du versäumt hast. Doch der Weg geht immer weiter...für dich nun wieder zu Fuß.
bflo - 4. Nov, 12:05
