Samstag, 18. Oktober 2008

Schweißgebadet in der Nacht

Freitag, 17. Oktober, München

Mir geht es nicht besonders gut. Eine harte und beschwerliche Nacht liegt hinter mir, voller Husten, Niesen und Hitzewallungen. Ich erwache nachts um halb drei und es hat den Anschein, als sei ich direkt in der Hölle. Hitze kriecht die Wände hinauf, schleicht sich unter meine Bettdecke und in meinen Körper. Ich öffne ein Fenster und starre kurz hinaus in die Nacht. Zwei Grad plus verrät mein Blick auf das Thermometer. In meinem Zimmer wird es indes nicht kälter. Ich kehre zurück unter die weiche Decke und beginne erneut zu schwitzen. Ich stehe wieder auf, wechsle das T-Shirt und das fühlt sich dann alles gleich ganz anders, viel besser an. Ein paar Minuten liege ich noch wach, ehe ich endlich einschlafe und erst am frühen Vormittag wieder erwachen sollte.
Der gestrige Abend war aber auch anstrengend; die Pizza hat weder gut, noch schlecht geschmeckt. Jede Geschmacksknospe in mir ist blockiert, ich kann nicht schmecken, nicht riechen. Die Welt ist geruchlos, wenn man verschnupft ist. Auch meine Ohren sind von innen her irgendwie zugestopft, zähflüssiger Schleim scheint sich über mein Trommelfell gestülpt zu haben. Ich muss mir die Welt ertasten, sie mit den Augen wahrnehmen, mein Umfeld in mich aufsaugen. Ein Dualismus aus Tasten und Sehen. Die anderen drei Sinne sind nicht mehr verfügbar. Out of order. Es tut gut, jemanden zu wissen, der sich etwas um einen sorgt, etwas Mitleid mit einem hat. Wir stehen endlich einmal wieder in der Eishalle, nach langer Zeit. Das Spiel plätschert gemächlich vor sich hin und ich kämpfe gegen meine laufende Nase. Mit bescheidenem Erfolg. Sie scheint Mitleid mit mir zu haben, das tut gut. Ich schließe den Reißverschluss meiner orangefarbenen Jacke und wir beide beobachten weiter das Spiel. Später fährt sie mich nach Hause, das ist gut, denn mittlerweile habe ich wohl schon leichtes Fieber. In spätestens zwölf Tagen werde ich sie wieder sehen.
Es ist schon erstaunlich, dass sie auch krank ist. Sie, dass ist die, die nach Südafrika ging, wieder zurückkam und nun anscheinend Grippe hat. Sie meldet sich kurz, signalisiert Erschöpfung. Schon komisch, dass wir beide zeitgleich krank sind. Was will mir diese Tatsache sagen? Will sie mir überhaupt etwas sagen? Ich beschließe, es als ein Zeichen zu deuten. Die Liebe fällt mitunter wie Blätter im stürmischen Herbstwind. Aber wohin?

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