Mittendrin und nicht dabei
Mittwoch, 24. September, München
Das größte Volksfest der Welt. Ein regnerischer Tag. Morgens ein heftiger Regenguss, der die Straßen überschwemmt und Wiesen und Äcker in sumpfigen Untergrund unter schweren Winterstiefeln verwandelt. Es ist kalt geworden. Viele sind in Tracht unterwegs, in kurzen Röcken mit bestrumpften Beinen. Männer hingegen tragen dicke Strickpullover. Der Himmel zieht nicht auf, es bleibt dunkel und die Wolkendecke drückt schwer auf die Stadt. Im Zelt ist verhältnismäßig wenig los, allerdings ist es auch erst vier Uhr nachmittags. Man bestellt das erste Bier, prostet sich zu und genießt die ersten kühlen Schlucke. Beinahe sieben Stunden im Zelt, da muss man sich alles genau einteilen und im wahrsten Sinne des Wortes Maßhalten. Vor zwei Jahren böse abgestürzt und ziemlich lange für den Nachhauseweg gebraucht. VERMEIDEN. Wir sind erwachsener, wie die Freunde in “Es” älter und vernünftiger geworden. Viele lange nicht mehr gesehen...man unterhält sich sachlich, ruhig und erfährt Neues. Dann beginnt die Musik zu spielen, die Stimmung schlägt um und Ausgelassenheit macht sich breit. Kai Pflaume stolziert mit Kamerateam durchs Zelt und sucht ein Mädchen, das er in seiner Sendung mit einer Videobotschaft ihres Liebsten überraschen möchte. Mich sucht und überrascht niemand. TRAURIG. Die Kameraleute quetschen sich an unserem Tisch vorbei, Kai posiert für Fotos und auf der Empore amüsiert ein Luca Toni-Double die Masse. Hand ans Ohr und wackeln. Es wird lauter, aber ich trinke nicht schneller. Nun immer Musik, die ersten steigen auf die Bierbänke und -tische. Schnell noch etwas essen, bevor alles tobt, singt und tanzt. GUTE PLANUNG, immer wichtig. Mich fasziniert, wie friedlich die Menschen feiern, singen und tanzen. Alles läuft in geordneten Bahnen. Ich bin mittendrin, aber trotzdem irgendwie nicht dabei. Ein Riss geht durch die Realität, die Ränder meiner Wahrnehmung verschwimmen und platzen auf. Die Wirklichkeit franst aus. Ich bin gut drauf, aber irgendwie kommt mir das gespielt vor, wie ein Gaukler, der auf mittelalterlichen Marktplätzen seine Späße treibt. Nichts wirkt authentisch. Meine Freude nur Maskerade. Wie soll das weitergehen? Schulterzucken. Erstmal hier, dann weitersehen. Kurz vor Mitternacht klettert ein betrunkener Amerikaner von außen auf das Zeltdach und wirft mit Glühbirnen nach den Polizisten. Doch das höre ich erst am nächsten Morgen im Radio. Weder betrunken, noch angeheitert fahren eine Freundin und ich mit der U-Bahn nach Hause. Ich habe das geschafft, was ich mir vorgenommen habe, den Tag überstanden, beinahe nüchtern. Die Welt ordnet sich wieder etwas, denn Sorgen kann man nicht in Alkohol ertränken. Sie sind gute Schwimmer. Fünf Euro ins Phrasen-Schwein. Hinter mir fällt die Türe ins Schloss und ich in mein Bett.
Das größte Volksfest der Welt. Ein regnerischer Tag. Morgens ein heftiger Regenguss, der die Straßen überschwemmt und Wiesen und Äcker in sumpfigen Untergrund unter schweren Winterstiefeln verwandelt. Es ist kalt geworden. Viele sind in Tracht unterwegs, in kurzen Röcken mit bestrumpften Beinen. Männer hingegen tragen dicke Strickpullover. Der Himmel zieht nicht auf, es bleibt dunkel und die Wolkendecke drückt schwer auf die Stadt. Im Zelt ist verhältnismäßig wenig los, allerdings ist es auch erst vier Uhr nachmittags. Man bestellt das erste Bier, prostet sich zu und genießt die ersten kühlen Schlucke. Beinahe sieben Stunden im Zelt, da muss man sich alles genau einteilen und im wahrsten Sinne des Wortes Maßhalten. Vor zwei Jahren böse abgestürzt und ziemlich lange für den Nachhauseweg gebraucht. VERMEIDEN. Wir sind erwachsener, wie die Freunde in “Es” älter und vernünftiger geworden. Viele lange nicht mehr gesehen...man unterhält sich sachlich, ruhig und erfährt Neues. Dann beginnt die Musik zu spielen, die Stimmung schlägt um und Ausgelassenheit macht sich breit. Kai Pflaume stolziert mit Kamerateam durchs Zelt und sucht ein Mädchen, das er in seiner Sendung mit einer Videobotschaft ihres Liebsten überraschen möchte. Mich sucht und überrascht niemand. TRAURIG. Die Kameraleute quetschen sich an unserem Tisch vorbei, Kai posiert für Fotos und auf der Empore amüsiert ein Luca Toni-Double die Masse. Hand ans Ohr und wackeln. Es wird lauter, aber ich trinke nicht schneller. Nun immer Musik, die ersten steigen auf die Bierbänke und -tische. Schnell noch etwas essen, bevor alles tobt, singt und tanzt. GUTE PLANUNG, immer wichtig. Mich fasziniert, wie friedlich die Menschen feiern, singen und tanzen. Alles läuft in geordneten Bahnen. Ich bin mittendrin, aber trotzdem irgendwie nicht dabei. Ein Riss geht durch die Realität, die Ränder meiner Wahrnehmung verschwimmen und platzen auf. Die Wirklichkeit franst aus. Ich bin gut drauf, aber irgendwie kommt mir das gespielt vor, wie ein Gaukler, der auf mittelalterlichen Marktplätzen seine Späße treibt. Nichts wirkt authentisch. Meine Freude nur Maskerade. Wie soll das weitergehen? Schulterzucken. Erstmal hier, dann weitersehen. Kurz vor Mitternacht klettert ein betrunkener Amerikaner von außen auf das Zeltdach und wirft mit Glühbirnen nach den Polizisten. Doch das höre ich erst am nächsten Morgen im Radio. Weder betrunken, noch angeheitert fahren eine Freundin und ich mit der U-Bahn nach Hause. Ich habe das geschafft, was ich mir vorgenommen habe, den Tag überstanden, beinahe nüchtern. Die Welt ordnet sich wieder etwas, denn Sorgen kann man nicht in Alkohol ertränken. Sie sind gute Schwimmer. Fünf Euro ins Phrasen-Schwein. Hinter mir fällt die Türe ins Schloss und ich in mein Bett.
bflo - 26. Sep, 23:06
