Ich will
Dienstag, 16. September, München
“Es sind keine körperlichen Schmerzen, die einem alles abverlangen.”, meint der Alte gelassen. “Die langen Strecken, voll von Einsamkeit und Stille geben Zeit nachzudenken. Man kommt mit sich selbst ins Reine.” Ich habe den Alten zufällig in einem der kleinen Straßencafés getroffen, er bemerkte meinen “Merian-Reiseführer” und wir kamen ins Gespräch. Er war den Jakobsweg gegangen, aber bereits vor vielen Jahren, als es diesen Boom noch nicht gab und der Pilgerweg etwas ganz Besonderes war. „Auf den ersten Kilometern bringen einen die eigenen Beine beinahe um. Man spürt sie kaum noch, denkt, dass einen der eigenen Körper umbringt. Alles brennt. Es ist eine Reise, die einen an die eigenen Grenzen und noch ein Stück darüber hinaus trägt. Kilometer für Kilometer zieht man durch die Landschaft, manchmal trifft man ein paar Leute, unterhält sich kurz, aber zumeist ist man völlig alleine. Erst gegen Abend in den Unterkünften, wenn alle Pilger ihr Ruhelager suchen, treffen die unterschiedlichsten Nationen aufeinander, schwatzen und erholen sich von den Strapazen des Tages. Morgens, ehe die Sonne zu hoch am Himmel steht, geht es wieder los. Immer weiter, weiter nach Santiago de Compostela. Das entschädigt am Ende des langen Weges für all die erlittene Qual.“ Ab und an weicht der alte Mann meinem Blick aus, schaut auf den Boden oder starrt an mir vorbei ins Leere. Er wollte damals neu anfangen, alles vergessen...Reset. Der Tod seiner Eltern sein ein Grund für seine Mission gewesen. Es gab aber auch noch viele andere, kleinere Gründe. Der Jakobsweg habe ihm gezeigt, wie er mit diesem Einschnitt in seinem Leben umgehen müsse. Man führe nur das Nötigste mit sich, jeder Luxus sei tabu. Der Glaube im Herzen bringe einen ans Ziel. Nach der langen Reise, sei er ein neuer Mensch gewesen, sei mit dem Leben wieder zu recht gekommen und habe wieder Energie für neue Projekte gewonnen, so der Alte. „Wie steht es denn mit der körperlichen Fitness? Muss man sehr sportlich sein, den Weg zu gehen?“, will ich wissen. „Nein muss man nicht! Was zählt ist der reine Wille, die Kraft des Geistes, die über die Müdigkeit des Körpers am Ende siegt. Alles geht, wenn man es will.“, erwidert der Alte, bevor er aufsteht und geht. In meinen Reiseführer vertieft, bleibe ich zurück.
“Es sind keine körperlichen Schmerzen, die einem alles abverlangen.”, meint der Alte gelassen. “Die langen Strecken, voll von Einsamkeit und Stille geben Zeit nachzudenken. Man kommt mit sich selbst ins Reine.” Ich habe den Alten zufällig in einem der kleinen Straßencafés getroffen, er bemerkte meinen “Merian-Reiseführer” und wir kamen ins Gespräch. Er war den Jakobsweg gegangen, aber bereits vor vielen Jahren, als es diesen Boom noch nicht gab und der Pilgerweg etwas ganz Besonderes war. „Auf den ersten Kilometern bringen einen die eigenen Beine beinahe um. Man spürt sie kaum noch, denkt, dass einen der eigenen Körper umbringt. Alles brennt. Es ist eine Reise, die einen an die eigenen Grenzen und noch ein Stück darüber hinaus trägt. Kilometer für Kilometer zieht man durch die Landschaft, manchmal trifft man ein paar Leute, unterhält sich kurz, aber zumeist ist man völlig alleine. Erst gegen Abend in den Unterkünften, wenn alle Pilger ihr Ruhelager suchen, treffen die unterschiedlichsten Nationen aufeinander, schwatzen und erholen sich von den Strapazen des Tages. Morgens, ehe die Sonne zu hoch am Himmel steht, geht es wieder los. Immer weiter, weiter nach Santiago de Compostela. Das entschädigt am Ende des langen Weges für all die erlittene Qual.“ Ab und an weicht der alte Mann meinem Blick aus, schaut auf den Boden oder starrt an mir vorbei ins Leere. Er wollte damals neu anfangen, alles vergessen...Reset. Der Tod seiner Eltern sein ein Grund für seine Mission gewesen. Es gab aber auch noch viele andere, kleinere Gründe. Der Jakobsweg habe ihm gezeigt, wie er mit diesem Einschnitt in seinem Leben umgehen müsse. Man führe nur das Nötigste mit sich, jeder Luxus sei tabu. Der Glaube im Herzen bringe einen ans Ziel. Nach der langen Reise, sei er ein neuer Mensch gewesen, sei mit dem Leben wieder zu recht gekommen und habe wieder Energie für neue Projekte gewonnen, so der Alte. „Wie steht es denn mit der körperlichen Fitness? Muss man sehr sportlich sein, den Weg zu gehen?“, will ich wissen. „Nein muss man nicht! Was zählt ist der reine Wille, die Kraft des Geistes, die über die Müdigkeit des Körpers am Ende siegt. Alles geht, wenn man es will.“, erwidert der Alte, bevor er aufsteht und geht. In meinen Reiseführer vertieft, bleibe ich zurück.
bflo - 18. Sep, 11:22
