Mittwoch, 10. September 2008

Blick zum Himmel

Montag, 08. September, München

Es beginnt zu schneien. Der etwa vierzehnjährige Junge in der S-Bahn vor mir hat Schuppen. Ziemlich stark sogar, so dass Hunderte von kleinen weißen Punkten auf seinem Oberteil liegen. Nun dreht er sich zu mir um und ich kann links auf seiner Brust eine aufgenähte Italien-Flagge erkennen. Der Junge grinst verschmitzt, hält sich dabei mit einer Hand an der aus der Decke ragenden Halteschlinge fest. Gelangweilt und hundemüde kauere ich stehend im Gang der Bahn, muss dabei aber immer wieder dem Jungen auf die Schulter schielen. Man hat ja sonst nichts zu tun. Aus meinem Ipod rieselt Musik in meine Gehörgange, denn die üblichen S-Bahn Gespräche meiner Mitfahrer erspare ich mir heute ausnahmsweise. Bei meinem Stamm-Backshop nehme ich mir noch zwei Brezen und einen Becher Kaffee mit. Ich surfe im Netz, während mein Blick die Runde macht. Ein paar hübsche Frauen sitzen heute auch wieder hier, aber es sind nicht all zu viele. Immerhin komme ich sehr gut voran. Sophie meldet sich nicht. Diese Woche und möglicherweise noch den kommenden Montag werde ich benötigen, um meine Arbeit fertig zustellen. Und was dann? Ja, was dann. Überraschend erhalte ich eine Mail von einer Kommilitonin aus einem meiner Seminare. Wir hatten nie miteinander gesprochen, trotzdem erinnert sie sich an mich, bereitet sie sich doch gerade auf die Zwischenprüfung vor. Nächste Woche werden wir uns treffen. Das verspricht zumindest Ablenkung, die ich dringend nötig habe. Die Urlaubszeit geht langsam zu Ende, das merkt man auch, denn ich sehe die Leute schon wieder in der Bibliothek sitzen und arbeiten.
Bald wird auch sie wieder zurückkommen. Leider weiß ich nicht genau wann. Ich brauche dringend jemanden, der mich auf andere Gedanken bringt, mit mir redet und mich ablenkt. Ansprache ist enorm wichtig, essentiell, denn nur so kann ich die Leistungsfähigkeit oben halten. Ein Monat Freizeit bleibt mir noch. Wie ich die verbringen werde, weiß ich nicht. Ich hoffe sie ab und an einmal zu sehen, mich mit ihr zu treffen Vielleicht einmal etwas zusammen machen, ausgehen, etwas trinken etc. Wunschtraum? Wahrscheinlich! Aber warum sollen Träume und Wünsche nicht einmal in Erfüllung gehen? Abends sitze ich am Fenster und starre eine halbe Stunde in den Nachthimmel. Trotz meiner Hoffnung sehe ich leider keine Sternschnuppe.

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