Donnerstag, 11. September 2008

Herr Kapellmeister, Musik bitte!

Dienstag, 09. September, München

Als sie fortging...das Lied geht mir permanent durch den Kopf, will überhaupt nicht mehr heraus, scheint sich festgesetzt zu haben. So sanft, so eingängig die Melodie, der Rhythmus und die gesamte Komposition. Erst wenn alles sich zu einem harmonischen Ganzen fügt, dann berührt die Musik das Herz. Passt gut zu diesem Buch, einem Roman, das ich im Moment lese. Sehr interessant, denn auch darin geht es um die Musik und die Macht, die sie auf uns ausüben kann. Das Mittelalter als Hintergrund für die Erforschung von Melodien, Tonfolgen und Musikstücken, die unsere Stimmungen und Emotionen beeinflussen können. Das ist toll. Auch bei mir? Sicher, aber die Zeiten haben sich geändert. Damals, hätte ich für das Intro von “Narcotic” beinahe sterben mögen. Vor zwölf Jahren, als das Lied einer deutschen Band um die Welt ging, war auch ich sofort Feuer und Flamme: “Lemon Tree”, was für ein Song. Wurde sogar in Mandarin übersetzt, habe ich mir sagen lassen. Toll. Es war eben eine andere Zeit. Was ist heute in den Charts, in den Top Ten? Nölige, ausdruckslose Stücke, wie etwa “Hörst du die Regenwürmer husten?”. Mag nach fünf Bier ganz toll sein, davor aber kaum erträglich. Die Misere fängt ja samstags schon im Musikantenstadl an. Das ist ja noch viel schlimmer, als Viva...obwohl, da läuft ja eigentlich sowieso nur Klingeltonwerbung. “Schnuffel”, “Schnuffel hat Blähungen” etc. Es ist zum aus der Haut fahren, denn man muss lange suchen, um heutzutage noch gute Musik zu finden. Aber es lohnt sich, denn sie existiert. “Allein, allein” dröhnt aus den Lautsprecherboxen. Das ist phantastisch. Polarkreis 18, muss ich mir unbedingt merken. Ein Gutes hat die neue Zeit, das neue Musikzeitalter aber dann doch. Ich fahre meinen PC hoch, suche bei youtube nach diesem Lied und werde fündig. Ich höre den Song drei- oder viermal. Dann beschließe ich morgen noch einmal reinzuhören. So bewahrt man sich auch ein bisschen die Spannung und die Vorfreude auf morgen. Vieles ist schlecht, aber eben doch nicht alles. Und das ist auch gut so. “I wonder how, I wonder why. Yesterday you told me `bout the blue, blue sky. And all, that I can see is just the yellow lemon tree.”

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