Montag, 23. Juni 2008

Sonnenlicht

Sonntag, 22. Juni, München

Die letzten Stufen hinauf zum Monopteros gehen sich schwer. Es ist Mittagszeit und eine drückende Hitze liegt über der Stadt. Im fahlen Licht der tief stehenden Sonne leuchtet mir der antik-anmutende Koloss schon aus der Ferne entgegen. Um ihn herum liegen die Menschen auf mitgebrachten Decken in den Wiesen herum und genießen das herrliche Wetter. Einige Studenten spielen Fußball…Hunde bellen, Radfahrer klingeln. Die Aussicht ist traumhaft und man kann den Blick weit über die Stadt schweifen lassen. Ich bin endlich oben angekommen. Im Schneidersitz kauere ich auf dem obersten Absatz und lese einige Passagen aus „Dekonspiratione“. Nun steht die Sonne am höchsten und brennt auf meinen Körper. Ich schwitze. Das Mädchen vorher roch nach frischer Blumenwiese im Frühling, nach sprudelndem Quellwasser und nach rauschendem Meer. Ich hingegen kam nach wenigen Metern Fußmarsch brutal ins Schwitzen, salzhaltiger Schweiß floss an meiner Haut herab. Transpiration scheint bei ihr ausgeschlossen. Manche Leute schwitzen wohl nie. Ich genieße ihr kurzzeitige Nähe. Ihre Aura ist warm und weich. Trennung nach einiger Zeit…zu schnell...bis nächste Woche. Ihr Duft zieht nun wieder an mir vorbei und ich muss unweigerlich an diese Axe-Werbung denken, wo der Typ so brutal schwitzt.
Ich liebe den Englischen Garten.
Daran denke ich, als ich hoch oben auf dem Monopteros sitze, lese und die Menschen in meiner Umgebung beobachte. Für wenige Augenblicke scheint alles andere vergessen. Doch nichts ist ewig. Ich muss zurück, verlasse also meine emporgehobene Position, steige die Stufen hinab und bin wieder unten. Auf dem Rückweg blicke ich mich noch einmal kurz um. Durch den Einfall des gleißenden Sonnenlichts ist der Monopteros bald ganz aus meinem Blickfeld verschwunden.

Frühmorgens

Samstag, 21. Juni, München

Die Auszeit in Südafrika war ihre Idee gewesen. Sie hatte es sich so gewünscht und drei Monate einmal etwas vollkommen anderes zu machen, ist ideal. Seit einer Woche nun Sonnenschein, Strand, Palmen und süßes Nichtstun. Es ist einfach herrlich. Viele Jahre sind ins Land gegangen und wir sind immer noch glücklich. Das ist keine Selbstverständlichkeit nach all der Zeit. Damals hatte ich lange und intensiv um sie kämpfen müssen. Nun sind wir beide Anfang Dreißig und ich immer noch zwei Jahre älter als sie. Kinder haben wir noch keine, aber dafür noch etwas Zeit. Die Jahre haben uns zusammengeschweißt und miteinander verbunden. Unsere Liebe hat uns Kraft gegeben und stark gemacht. Sie ist in letzter Zeit noch schöner geworden als vor zehn Jahren. Ihre großen Augen sind stets hellwach und ich kann das Feuer in ihnen sehen. Alles leuchtet. Nun sitzen wir am Strand, irgendwo in der Nähe von Kapstadt, aber das ist icht wichtig. Ich halte ihre Hand und sie meine. Mit der anderen fährt sie sich kurz durch die Haare. Dieses natürliche rot habe ich immer schon geliebt. Der Sand unter uns ist herrlich warm, ich genieße ihre Nähe und den Duft ihrer weichen Haut. Um uns zu verstehen brauchen wir keine Worte. Mit der Zeit ist zwischen uns etwas entstanden, was nonverbale Kommunikation ermöglicht. Blindes Verständnis. Von der Strandbar hinter uns schallt „Love me tender“ zu uns herüber.
Mittlerweile geht die Sonne unter, wir beide sitzen immer noch am Strand und sie ist in meinen Armen eingeschlafen. Ich blicke verträumt und glücklich hinaus aufs Meer in den scheidenden Tag hinein und bin wie betäubt.
Der Wecker schrillt. Es ist acht Uhr morgens und ich reagiere schlaftrunken. Das Radio springt an und spielt „Narcotic“. Wieder einmal habe ich geträumt. In der Realität liege ich in meinem Bett. Der Song ist zu Ende und nun läuft „Patience“ von Take That. Ich taumle verschlafen in die Küche und mache mir Kaffee.

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