Mittwoch, 23. April 2008

Der eine Ort

Montag, 21. April, München

Stell dir vor, dass es einen Ort gibt, an dem all deine Wünsche und Träume in Erfüllung gehen. Stell dir weiter vor, dass du auf die Straße hinausgehst, die Menschen und die Umgebung beobachtest und lächelst.
Du stellst dich abends, wenn die Welt um dich herum dunkel ist und nur wenige Straßenlaternen ein bisschen Helligkeit spenden, mitten auf die Straße. Irgendwie weißt du, dass kein Auto kommen wird. Wenn der Wind durch dein Gesicht fährt und die kühlende Frische der Dunkelheit deine Wangen berührt, beginnst du leise zu weinen. In diesem Moment bist du dir bewusst, dass es nur wenig Schöneres auf dieser Welt geben kann.
Dann beginnst du nachzudenken; über dein Leben, deine Freunde, die Menschen, die dir etwas bedeuten und über die Welt. Es gibt viel, woran es sich zu denken lohnt, so dass dieser Moment unendlich lange scheint. Du vergisst langsam die Zeit, den Ort und die Umgebung um dich herum. Alles wird eins, denn dein „Ich“ verschmilzt mit dem großen Unsichtbaren, das dich umgibt. Nun kannst du spezieller, feiner und differenzierter wahrnehmen, denn das was dir früher wesentlich erschien, verliert an Bedeutung. Der Moment wird zur Ewigkeit, in der sich alles was du dir wünscht und träumst erfüllen kann…jedoch nur in diesem einen Moment, der dir zur Ewigkeit wird.
Doch leider erwachst du viel zu schnell aus dem Moment und erfährst, dass es darin doch keine Ewigkeit gibt. Die Realität holt dich ein, denn die ersten Autos beginnen zu hupen, als du in der Morgendämmerung mitten auf der Straße stehst. Du lässt den Moment zurück, nimmst all deine Träume und Wünsche und gehst langsam nach Hause. Unter Tränen betrittst du deine Wohnung und merkst später nicht einmal richtig, dass du geweint hast.

Schauerhaft

Sonntag, 20. April, München

Nachts setzt heftiger Regen ein. Er peitscht, vom Wind angetrieben, gegen meine Jalousie, so dass ich erwache. Glücklicherweise liege ich nicht lange wach, sondern kann zügig wieder einschlafen. Als die Sonne aufgeht und der Tag anfängt, sieht man keine Spuren des großen Regenschauers.
Ich öffne das Fenster und atme bedächtig in den erwachenden Tag. Die Vögel in den Bäumen zwitschern, die Luft ist herrlich klar, gereinigt und nur ganz in der Ferne vernehme ich Autolärm. Es wird ein guter Tag werden.
Kaum zu glauben, dass es in der Nacht noch wie aus Kübeln geschüttet hatte, so friedlich und ruhig ist jetzt alles. Als ich mittags zur Universität fahre, muss ich dort beinahe schwitzen, so warm war es geworden. Erst am späten Nachmittag begann es wieder leicht zu regnen. Ich bestaune diesen durchdachten Wetterzyklus…Regen…Wärme…Regen. Es scheint mir unglaublich. Aprilwetter ist eben einfach das Interessanteste während des ganzen Jahres. Da kann alles passieren. Ich rechne ernsthaft sogar noch mit Schnee, auch wenn dieser wohl kaum liegen bleiben wird.
Spät abends, es ist schon dunkel, öffne ich dann mein Fenster erneut und starre in die pechschwarze Nacht. Es hatte wieder aufgehört zu regnen, war etwas wärmer geworden und trotzdem ganz still und leise. Bei gekipptem Fenster schlafe ich schließlich ein und erwache, durch melodischen Vogelgesang erst wieder am nächsten Tag.

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