Guten morgen München
Donnerstag, 30. Oktober, München
Beim öffnen der Augen kleben die Lider zunächst noch ein wenig zusammen. Von den Rändern bröselt nach und nach der Schlafsand herunter. Es ist ein kalter Morgen, eigentlich viel zu kalt, um noch im Schlafsack vor dem Eingang des großen Einkaufshauses zu übernachten, aber es gibt eben noch nichts anderes. Ein, wie er meint dickes, aber wie die meisten anderen Menschen sagen würden dünnes, Stück Wellpappe trennt seinen Schlafsack vom eiskalten Steinboden. Drei Millimeter, vielleicht auch vier. Vorsichtig richtet er sich auf, denn der äußere Stoff ist noch klamm von der Kälte des eben erwachenden Morgens. Zum Glück hält der Stoff laut Herstellerangabe auch Minusgrade aus. Letzte Nacht gab es wieder Bodenfrost. Um sich etwas aufzuwärmen bewegt er seine Füße stoßweise und ruckartig hin und her. Ein Becher Kaffee wäre jetzt ideal. Zur Hauptbahnhofhaupthalle sind es nur wenige Meter. Neugierig prüft er sein Sparschwein. Sein Sparschwein, das ist ein alter, leicht knittriger und außen fleckiger Kaffeebecher. Barmherzige Menschen werfen dem Schlafenden nachts ab und an ein paar Münzen hinein. Im Halbschlaf hat er aber auch schon gemerkt, dass Leute versuchen ihm Geld daraus zu stehlen. In Zeiten wie diesen ist die Not eben überall groß. Die Einnahmen der letzten paar Stunden: Ein Euro und dreiundfünfzig Cent. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel, aber für einen wärmenden Kaffee reicht es. Der Betrag setzt sich zum größten Teil aus Münzen zu zehn und fünf Cent zusammen. Er stellt den Becher zur Seite und fährt sich einmal durch die Haare. Zum Waschen und Zähneputzen muss er bis zum Stachus gehen, denn am Hauptbahnhof kostet die Toilettenbenutzung mittlerweile Geld. Geld, das er dafür nicht ausgeben will. Langsam erwacht um ihn herum die Großstadt, die Lichter gehen aus und die ersten Geschäfte machen sich bereit für ihre Kundschaft. Er gleitet aus seinem Schlafsack und rollt ihn ordentlich zusammen. Den kann er getrost hier liegen lassen, denn wer klaut schon Sachen von einem Penner. Alles, was er besitzt hat er in seinem Rucksack verstaut. Den schultert er jetzt und trabt davon, der Sonne entgegen, die sich langsam über der Stadt erhebt.
Wenig später stehe ich beim Bäcker, um eine Breze und einen Kaffee zu kaufen. Während ich weiße Milch in das schwarze Getränk kippe und letzteres dabei stufenweise heller wird, lächelt mich ein alter Mann an. Er lehnt an einen der Stehtische gestützt und sein weißer Bart leuchtet mir entgegen. Auf dem Rücken trät er einen Rucksack. Er ist obdachlos, obwohl er nicht so aussieht. Ich nehme mir ein paar Minuten Zeit und der Alte erzählt mir die Geschichte seines Morgens. An einem Tag im Oktober 2008, der nach der Erzählung kein gewöhnlicher mehr ist.
Beim öffnen der Augen kleben die Lider zunächst noch ein wenig zusammen. Von den Rändern bröselt nach und nach der Schlafsand herunter. Es ist ein kalter Morgen, eigentlich viel zu kalt, um noch im Schlafsack vor dem Eingang des großen Einkaufshauses zu übernachten, aber es gibt eben noch nichts anderes. Ein, wie er meint dickes, aber wie die meisten anderen Menschen sagen würden dünnes, Stück Wellpappe trennt seinen Schlafsack vom eiskalten Steinboden. Drei Millimeter, vielleicht auch vier. Vorsichtig richtet er sich auf, denn der äußere Stoff ist noch klamm von der Kälte des eben erwachenden Morgens. Zum Glück hält der Stoff laut Herstellerangabe auch Minusgrade aus. Letzte Nacht gab es wieder Bodenfrost. Um sich etwas aufzuwärmen bewegt er seine Füße stoßweise und ruckartig hin und her. Ein Becher Kaffee wäre jetzt ideal. Zur Hauptbahnhofhaupthalle sind es nur wenige Meter. Neugierig prüft er sein Sparschwein. Sein Sparschwein, das ist ein alter, leicht knittriger und außen fleckiger Kaffeebecher. Barmherzige Menschen werfen dem Schlafenden nachts ab und an ein paar Münzen hinein. Im Halbschlaf hat er aber auch schon gemerkt, dass Leute versuchen ihm Geld daraus zu stehlen. In Zeiten wie diesen ist die Not eben überall groß. Die Einnahmen der letzten paar Stunden: Ein Euro und dreiundfünfzig Cent. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel, aber für einen wärmenden Kaffee reicht es. Der Betrag setzt sich zum größten Teil aus Münzen zu zehn und fünf Cent zusammen. Er stellt den Becher zur Seite und fährt sich einmal durch die Haare. Zum Waschen und Zähneputzen muss er bis zum Stachus gehen, denn am Hauptbahnhof kostet die Toilettenbenutzung mittlerweile Geld. Geld, das er dafür nicht ausgeben will. Langsam erwacht um ihn herum die Großstadt, die Lichter gehen aus und die ersten Geschäfte machen sich bereit für ihre Kundschaft. Er gleitet aus seinem Schlafsack und rollt ihn ordentlich zusammen. Den kann er getrost hier liegen lassen, denn wer klaut schon Sachen von einem Penner. Alles, was er besitzt hat er in seinem Rucksack verstaut. Den schultert er jetzt und trabt davon, der Sonne entgegen, die sich langsam über der Stadt erhebt.
Wenig später stehe ich beim Bäcker, um eine Breze und einen Kaffee zu kaufen. Während ich weiße Milch in das schwarze Getränk kippe und letzteres dabei stufenweise heller wird, lächelt mich ein alter Mann an. Er lehnt an einen der Stehtische gestützt und sein weißer Bart leuchtet mir entgegen. Auf dem Rücken trät er einen Rucksack. Er ist obdachlos, obwohl er nicht so aussieht. Ich nehme mir ein paar Minuten Zeit und der Alte erzählt mir die Geschichte seines Morgens. An einem Tag im Oktober 2008, der nach der Erzählung kein gewöhnlicher mehr ist.
bflo - 31. Okt, 19:56
