Drei Leben
Dienstag, 30. September, München
Wie jeden Tag verlässt er das Haus sehr früh. Er ist Zeitungsausträger, immer mit dem Fahrrad unterwegs, auch im Winter und am Wochenende. Die Kunden wollen mit Nachrichten aus aller Welt versorgt werden, wenn sie am Frühstückstisch ihren Kaffee schlürfen. Also muss er sich stets beeilen. Wie jeden Morgen küsst ihn seine Frau zum Abschied, schließt die Haustüre hinter ihm und er setzt sich auf sein Rad und strampelt los. Herbsttag: Frühnebel bedeckt undurchdringlich den Septemberhimmel. Die Luft zum Schneiden, die Sonne geht nur sehr zögerlich auf, aber irgendwo in der Ferne sorgen einige Elstern für eine erstaunliche Geräuschkulisse. Die Räder des Anhängers, mit dem er die Zeitungen ausfährt, versprühen ein monotones Rattern, als sie über den feuchten Asphalt rollen. Ohne dicke Handschuhe und eine warme Mütze wäre ihm kalt.
Ihr Weg ist immer gleich, führt sie zunächst von ihrer Wohnung die Straße entlang und dann in den nahe gelegenen Park, der um diese Uhr- und Jahreszeit nur noch sporadisch von Spaziergängern, oder Menschen mit Hunden genutzt wird. Sie joggt für ihr Leben gerne, erhofft sich so fit und gesund zu bleiben. Das klappt eigentlich auch ganz gut. Es ist ein Tag wie jeder andere, als sie auf den ausgetretenen Trampelpfad einbiegt, der quer durch ein kleines Wäldchen führt. Und doch ist heute etwas anders; die Luft wirkt feuchter, der Nebel dichter und die Natur noch ein bisschen stiller und ruhiger als sonst. Normalerweise liebt sie diese Ruhe, kommt extra hierher um das zu genießen. Doch heute kramt sie den MP3-Player aus ihrer Joggingtasche und berieselt sich mit klassischer Musik. Die Raben, die hoch über einem der abgeernteten Felder kreisen, hört sie dabei nicht.
Am Fließband bedient er die großen Maschinen, die mit zwei Tonnen Gewicht Karosserieteile aus dünn gewalzten Metallblechen stanzen. Die Arbeit ist monoton, aber er empfindet sie immer wieder als Herausforderung. Blech lebt, ebenso wie Holz oder ein anderer Werkstoff. Er drückt der Arbeit seinen ganz persönlichen Stempel auf und macht dadurch die Massenware zu einem Unikat. Hauptsache er kann davon leben. Und das gelingt eigentlich ganz gut. Seine Frau und die beiden Kinder können sich nicht beschweren. Gefährlich wird sein Job, wenn die Konzentration nachlässt, er nicht gut aufpasst und schlampig arbeitet. Die Bleche sind teuer und viel Verschnitt ist dabei nicht drin. Um ihn herum ist es wahnsinnig laut, weshalb er permanent gelbe Ohrenschützer tragen muss. Ansonsten wäre er längst taub. Er arbeitet genau und schnell, besser als viele seiner Kollegen. Kann er in kürzerer Zeit mehr Bleche stanzen als sie, gibt es am Ende des Monats etwas mehr Geld in die Lohntüte. Die Kinder freut das, seine Frau auch. Auch um diese Uhrzeit kann er noch exakt und flink arbeiten, obwohl er die Schicht spät abends hasst. Viel lieber wäre er jetzt zu Hause bei seiner Familie. Stattdessen steht er hier und stanzt Blech um Blech. Zwei Spatzen streiten sich vor einem der Fabrikfenster um einen Regenwurm.
Wie jeden Tag verlässt er das Haus sehr früh. Er ist Zeitungsausträger, immer mit dem Fahrrad unterwegs, auch im Winter und am Wochenende. Die Kunden wollen mit Nachrichten aus aller Welt versorgt werden, wenn sie am Frühstückstisch ihren Kaffee schlürfen. Also muss er sich stets beeilen. Wie jeden Morgen küsst ihn seine Frau zum Abschied, schließt die Haustüre hinter ihm und er setzt sich auf sein Rad und strampelt los. Herbsttag: Frühnebel bedeckt undurchdringlich den Septemberhimmel. Die Luft zum Schneiden, die Sonne geht nur sehr zögerlich auf, aber irgendwo in der Ferne sorgen einige Elstern für eine erstaunliche Geräuschkulisse. Die Räder des Anhängers, mit dem er die Zeitungen ausfährt, versprühen ein monotones Rattern, als sie über den feuchten Asphalt rollen. Ohne dicke Handschuhe und eine warme Mütze wäre ihm kalt.
Ihr Weg ist immer gleich, führt sie zunächst von ihrer Wohnung die Straße entlang und dann in den nahe gelegenen Park, der um diese Uhr- und Jahreszeit nur noch sporadisch von Spaziergängern, oder Menschen mit Hunden genutzt wird. Sie joggt für ihr Leben gerne, erhofft sich so fit und gesund zu bleiben. Das klappt eigentlich auch ganz gut. Es ist ein Tag wie jeder andere, als sie auf den ausgetretenen Trampelpfad einbiegt, der quer durch ein kleines Wäldchen führt. Und doch ist heute etwas anders; die Luft wirkt feuchter, der Nebel dichter und die Natur noch ein bisschen stiller und ruhiger als sonst. Normalerweise liebt sie diese Ruhe, kommt extra hierher um das zu genießen. Doch heute kramt sie den MP3-Player aus ihrer Joggingtasche und berieselt sich mit klassischer Musik. Die Raben, die hoch über einem der abgeernteten Felder kreisen, hört sie dabei nicht.
Am Fließband bedient er die großen Maschinen, die mit zwei Tonnen Gewicht Karosserieteile aus dünn gewalzten Metallblechen stanzen. Die Arbeit ist monoton, aber er empfindet sie immer wieder als Herausforderung. Blech lebt, ebenso wie Holz oder ein anderer Werkstoff. Er drückt der Arbeit seinen ganz persönlichen Stempel auf und macht dadurch die Massenware zu einem Unikat. Hauptsache er kann davon leben. Und das gelingt eigentlich ganz gut. Seine Frau und die beiden Kinder können sich nicht beschweren. Gefährlich wird sein Job, wenn die Konzentration nachlässt, er nicht gut aufpasst und schlampig arbeitet. Die Bleche sind teuer und viel Verschnitt ist dabei nicht drin. Um ihn herum ist es wahnsinnig laut, weshalb er permanent gelbe Ohrenschützer tragen muss. Ansonsten wäre er längst taub. Er arbeitet genau und schnell, besser als viele seiner Kollegen. Kann er in kürzerer Zeit mehr Bleche stanzen als sie, gibt es am Ende des Monats etwas mehr Geld in die Lohntüte. Die Kinder freut das, seine Frau auch. Auch um diese Uhrzeit kann er noch exakt und flink arbeiten, obwohl er die Schicht spät abends hasst. Viel lieber wäre er jetzt zu Hause bei seiner Familie. Stattdessen steht er hier und stanzt Blech um Blech. Zwei Spatzen streiten sich vor einem der Fabrikfenster um einen Regenwurm.
bflo - 2. Okt, 00:25
