Sonntag, 14. September 2008

Streifzug

Freitag, 12. September, München

Die Nacht ist sternenklar und an der kühlen Luft um einen herum merkt man, dass es langsam richtig Herbst wird. Die Blätter an den Bäumen beginnen schon ihr ehemals sattes Grün gegen das leicht bräunliche Kleid der dritten Jahreszeit zu tauschen. Die Luft ist leicht feucht und ein feiner Film aus kondensiertem Wasser schlägt sich auf den Gläsern meiner Brille nieder. Es ist so still um mich herum, dass ich meine Schritte auf dem Asphalt hören kann. In den vereinzelt gepflanzten Sträuchern die meinen Weg säumen, säuselt der Wind. Hier zeigt sich der Übergang von einem angenehmen Spätsommertag in eine leicht düstere Herbstnacht. Ich betrete das Festgelände durch die Absperrungen, die wenige Tage zuvor noch geschlossen waren. In gut einer Woche geht es los. Die imposanten Fahrgeschäfte um mich herum werfen bizarre Schatten in die Nacht. Es herrscht völlige Stille, nur von irgendwo her höre ich kurz das Bellen eines Hundes. Die Straße ist einige Meter entfernt und um diese Zeit nur wenig befahren. Wie groß das doch alles ist, vor allem wenn außer einem selbst keine Menschenseele die Wirtsbudenstraße säumt. Ich starte meinen Spaziergang auf Höhe der Bavaria. Sie reckt ihren Arm in die Höhe und erinnert an die Freiheitsstatue in New York. Der Löwe steht ihr brav und stoisch zur Seite. Eine wahre Königin. Ich beschließe, bei Tageslicht wieder einmal den Sockel zu besteigen und auf das Festgelände zu schauen. In das hohle Innere der Bavaria kann man auch, aber das kostet etwas und man versäumt eigentlich nichts, wenn man sich weiter unten postiert und die Augen umherschweifen lässt. Ich passiere die einzelnen Festzelte und bewege mich in Richtung des Haupteinganges. TERROR 80. Die Bierhallen machen einen fast gespenstischen Eindruck auf mich, so leer und leblos sind sie. Auf Höhe der “Fischer Vroni” bleibe ich kurz stehen und blicke zurück. Ich versuche eigentlich jedes Jahr kurz vor Beginn des größten Volksfestes der Welt in der Nacht über den Festplatz zu schlendern. Einfach imposant. Sechzehn Tage Ausgelassenheit...gut, für mich gibt es nichts Neues mehr, bin ich doch seit Jahren immer wieder hier. Für Touristen ist das sicher der Knüller. Aber einen Besuch gönne ich mir natürlich auch in diesem Jahr. Vorbei am “Hippodrom” und dann endet der Bummel über das Oktoberfest auch schon fast...noch durch den Torbogen am Eingang und ich bin raus. Schnell über die Straße und dann der Blick zurück, hinein in die Nacht. Ich stand ja Anfang des Jahres bereits auf der Wiesn, unter sternenklarem Himmel. Heute jedoch begegne ich niemandem, als ich meinen Weg durch die Dunkelheit fortsetze. So schwarz und unbeleuchtet wirkt das größte Volksfest der Welt irgendwie langweilig. Und dennoch hat sich der Fußweg gelohnt. Meine Schritte verhallen nach und nach in der Finsternis.

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