Dienstag, 29. April 2008

Mango-Mann

Montag, 28. April, München

Ich hatte früh gemerkt, dass dieser Tag ein seltsamer werden würde. Ich gehe durch die Straßen und irgendwie ist die Grundstimmung eine andere. Die Leute, sonst locker und völlig entspannt, wirken heute relativ nervös und aufgeregt. Sie hasten durch die Straßen und Gassen, alle mit einem Ziel vor Augen, das nur sie zu kennen scheinen. Auch der Tag an der Uni verläuft auffallend steril und monoton. Ich treffe niemanden, habe also keinerlei Abwechslung. Das ermüdet nun wiederum mich, aber die Zeit vergeht relativ schnell…und bereitet mich auf eine Szene vor, wie ich sie noch nie erlebt habe.
Am Bahnhof komme ich an einem Obststand vorbei, verharre kurz und lese eines der mit Kreide beschriebenen Schilder „Frische, faserfreie, fruchtige Flugmangos“…Spiel der Alliterationen. Plötzlich geht alles ganz schnell; ein älterer Herr greift sich eine Mango und wirft sie vor den Augen des erstaunten Verkäufers quer über die Straße. „Die fliegt ja gar nicht!“, grummelt er dem verdutzten Standbesitzer entgegen und geht achtlos weiter. Ehe der Verkäufer etwas erwidern kann, ist der Mann im Gewühl der Menschen verschwunden. Einige Passanten grinsen und gehen wortlos vorüber. Auch ich muss schmunzelt. Am Abend, ich sitze wieder einmal auf dem Fahrrad, im strömenden Regen, bis plötzlich…
Ein komischer Tag, wie ich vermutet hatte. Patschnass komme ich zu Hause an.
Eine warme Dusche katapultiert mich zurück in die Gegenwart.

Äußere Umstände

Sonntag, 27. April, München

Wieder herrliches Wetter. Ich sitze im Englischen Garten auf einer der Grünflächen und genieße die Sonne. Es ist herrlich warm. Meine Jacke trennt meinen Hintern vom weichen Grün des Rasens. Ich fühle mich separiert und es scheint, als hätte ich eine unsichtbare Mauer um mich herum gezogen. Die Außenwelt prallt wie eine ferne Realität an mir ab. Ich bin gefangen auf zwei Quadratmetern Grünfläche, mitten in einer anonymen Großstadt.
Tage wie diese machen das Leben erst richtig lebenswert…schönes Wetter und ein gutes Buch.
Plötzlich durchdringt ein Hund meine unsichtbare Barriere. Irgendwie hat meine Anziehung für die putzigen Vierbeiner in letzter Zeit erheblich zugenommen. Das Tier schnüffelt neugierig an meiner Hand und an meiner Tasche.
Eine Stimme durchbricht jäh die Vertrautheit von Mensch und Tier. „Herr Nietzsche“, schallt es durch den mucksmäuschenstillen Montagnachmittag. Ich drehe mich kurz um, um die Stimme zu lokalisieren, aber als ich mich wieder zurückdrehe, sind Hund und Frauchen verschwunden.
Ich wundere mich noch kurz über die seltsame Begegnung, ehe ich aufstehe und zurück in Richtung Uni gehe. Es ist gar nicht so leicht, sich bei diesem Wetter zu überwinden und seine Seminare zu besuchen. Aber es muss halt sein…da führt kein Weg dran vorbei. Ende Juli beginnen die Semesterferien. Bis dahin liegt noch viel Arbeit vor mir.

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