Samstag, 8. März 2008

Am Sterbebett

Samstag, 08. März, München

Wann ist ein Leben ein gutes Leben? Ich sitze auf dem Fahrrad, kämpfe gegen den Wind und denke nach. Das Leben ist unberechenbar, unplanbar und unvorhersehbar. Gemächlich fliegt der schwarze Asphalt unter mir dahin…ich mache Meter um Meter. Dabei vergesse ich den Straßenlärm und die Gedanken springen in alle Richtungen davon. Was will ich erreichen und was wird passieren?
„Leben ist, was uns zustößt, während wir etwas ganz anderes geplant haben!“
Das sagt man so einfach, aber es stimmt. Immer passiert irgendetwas mit dem man nicht gerechnet hat und durchkreuzt all unsere ausgeklügelten Pläne. Werde ich lange leben? Ich kann topfit und kerngesund sein, das Haus verlassen und mir fällt ein Dachziegel auf den Kopf. Leben ist immer lebensgefährlich.
Ich beschließe wieder einmal möglichst wenig zu planen, mich auf die Zukunft einzulassen und das Meiste so zu nehmen, wie es kommt. Etwas anderes bleibt einem kaum noch übrig. Unser Dasein ist zu flüchtig, kurzlebig und schnell. Was gestern war, ist heute schon Vergangenheit.
„Immer vorwärts. Schritt um Schritt.
Es geht kein Weg zurück.
Was jetzt ist, wird nie mehr ungeschehen.
Die Zeit läuft uns davon.
Was getan ist, ist getan.
Und was jetzt ist, wird nie mehr so geschehen.“
Das Beste ist, dass wenn man stirbt am eigenen Totenbett ein Freud, ein Bekannter, ein Verwandter, oder einfach irgendjemand erkennt, dass derjenige, der da stirbt in seinem Leben nur wenig falsch, dafür aber verdammt viel richtig gemacht hat. So zu leben ist mein Ziel.

Sommer im März

Freitag, 07. März, München

Fahles Licht fällt auf den mächtigen Monoptoros im Englischen Garten. Sehr lange war ich nicht mehr hier. Ich bin wieder mal recht früh zur Uni gefahren, um noch einige Kopien zu machen und eine Note in Erfahrung zu bringen. Dazu habe ich mich mit ihr getroffen. Wir kennen uns erst seit diesem Semester, durften eine Vorlesung zusammen durchleiden. Nun haben wir beide bestanden und konnten uns bei einer kurzen Kaffeepause etwas unterhalten. Mal abwarten, was sich für die Zukunft ergibt.
Der Englische Garten: Die grüne Lunge Münchens und das Mitten in der Stadt. Ein unbeschreiblicher Schatz in der heutigen Zeit, der unbedingt bewahrt werden muss. Wo findet man so etwas denn sonst noch. Natürlich ist es im Park nicht so voll, wie im Hochsommer, aber dennoch säumen vereinzelt Menschen die Wege und entspannen auf den Parkbänken. Die Ruhe abseits der Großstadt, aber dennoch mitten in ihr. Der Weg hinauf zum Monopteros ist sogar gestreut. Es geht einige Stufen steil bergauf, dann bin ich oben. Mit mir haben noch drei Engländer den Weg nach oben gefunden, ausgerüstet mit bunten „Munich City Guides“.
Der Blick über die Stadt ist herrlich. Links kann ich bis zur Theatinerkirche sehen. Rechts bis zur Leopoldstraße mit den dazugehörigen Unigebäuden. Die Atmosphäre als erhabener Moment, als Augenblick der Stille. Unter mir wuseln die Menschen schon etwas kleiner, emsig vor sich hin. Daneben plätschert die Isar. Im Sommer werde ich wieder öfter hier herkommen. Ich genieße den Moment, setze mich auf die zugegebenermaßen eiskalten Stufen und lese ein Kapitel aus „Der Vorleser“. Danach stehe ich auf, gehe Richtung Hofgarten, rein in die pulsierende Großstadt und freue mich auf den Sommer.

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