Ein glücklicher Mann
Mittwoch, 03. Dezember, München
Wenn es draußen unerträglich kalt wird, geht er mit festen, schweren Schritten los, um im Nachtasyl ein paar Straßen weiter eine Herberge zu finden. Die Tür ins Warme kann nur von jemandem gefunden werden, der weiß, wo sie ist, liegt sie doch im Verborgenen abseits der großen Menschenmassen. Dreimal schlägt seine schwere Faust auf das massive Holz, ehe ihm geöffnet wird. Monika, eine schlanke, dunkelhaarige Frau bittet ihn herein. Drinnen, da ist es warm, da bekommt er etwas Obst, kuschelige Decken und einen Platz wo er die Nacht verbringen kann. Die Kälte bleibt draußen. Besonders schlimm sei, wenn es draußen nasskalt ist. Dann krieche ein beklemmendes Gefühl den ganzen Körper entlang und man friere, egal wie viele Jacken man sich angezogen habe. Drei oder vier, das sei dann egal. Das Leben auf der Straße ist hart. Im Sommer kann er es leichter ertragen, aber jetzt im Winter geht das nur schwer. Die Nächte werden länger und die Gefahr überfallen zu werden, nimmt stetig zu. Viele, denen es wie ihm geht, sind noch draußen, würden für ein paar Euro Straftaten begehen...oder Schlimmeres. Gestärkt und ausgeruht geht es am nächsten Tag dann wieder auf die Straße. Er schlendert zu seinem Stammplatz, legt seine Mütze auf den Boden und setzt sich auf den eiskalten Straßenbelag. Vereinzelt geben Leute ein paar Cent, aber viele verspotten ihn, den Bärtigen, und schreien ihm unschöne Kraftausdrücke hinterher. Das ist sein Leben. Er kann nicht mehr arbeiten, sein Rücken macht das nicht mehr mit und auch seine Augen sind schon ziemlich schwach. Das verstehen nur wenige. An Tagen wie diesen sitzt er dann einfach nur da, lauscht dem Lärm und den Geräuschen der Passanten und schläft ab und an kurzzeitig ein. Was soll er sonst auch tun. Er kennt das Leben auf der Straße nun schon sehr lange, weiß sich zu helfen und zu kämpfen. Doch bald ist Weihnachten und das ist eine grausame Zeit. Die Leute sind glücklich, mit ihren Familien und Freunden. Er selbst hat seine Kinder zehn Jahre nicht mehr gesehen. Seine Frau ist abgehauen, aber die Ehe bestand noch lange auf dem Papier. Möglicherweise ist er schon Großvater. Bei dem Gedanken daran zuckt er missmutig mit den Schultern. Wer weiß. Einige Tränen huschen langsam über seine Pupillen und bahnen sich ihren Weg in Richtung der Wangen. Ja, der Dezember ist wirklich hart für ihn. Freunde hat er keine, nur bei Marie, einer guten Freundin, konnte er bereits öfter einen der Feiertage verbringen. Beim Erzählen davon huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Nähe ist ihm, dem Ausgestoßenen, wichtig. Einem, der ausgestoßen wurde, weil er nicht mehr in die Gesellschaft passt, sich nicht mehr richtig fügt, ihr zur Last geworden ist. Aber nächstes Jahr darf er eine ganze Woche nach Hamburg fahren. Den Trip hat er geschenkt bekommen. Von wem? Keine Namen! Es ist wieder kälter geworden, an diesem Vormittag im Dezember. Er jedoch schlägt den Kragen hoch, knöpft die Jacke weiter zu und geht einfach mit schweren Schritten los. Nach zehn Metern dreht er sich um und winkt mir zu, ehe er ganz verschwunden ist. Ein glücklicher Mann.
Wenn es draußen unerträglich kalt wird, geht er mit festen, schweren Schritten los, um im Nachtasyl ein paar Straßen weiter eine Herberge zu finden. Die Tür ins Warme kann nur von jemandem gefunden werden, der weiß, wo sie ist, liegt sie doch im Verborgenen abseits der großen Menschenmassen. Dreimal schlägt seine schwere Faust auf das massive Holz, ehe ihm geöffnet wird. Monika, eine schlanke, dunkelhaarige Frau bittet ihn herein. Drinnen, da ist es warm, da bekommt er etwas Obst, kuschelige Decken und einen Platz wo er die Nacht verbringen kann. Die Kälte bleibt draußen. Besonders schlimm sei, wenn es draußen nasskalt ist. Dann krieche ein beklemmendes Gefühl den ganzen Körper entlang und man friere, egal wie viele Jacken man sich angezogen habe. Drei oder vier, das sei dann egal. Das Leben auf der Straße ist hart. Im Sommer kann er es leichter ertragen, aber jetzt im Winter geht das nur schwer. Die Nächte werden länger und die Gefahr überfallen zu werden, nimmt stetig zu. Viele, denen es wie ihm geht, sind noch draußen, würden für ein paar Euro Straftaten begehen...oder Schlimmeres. Gestärkt und ausgeruht geht es am nächsten Tag dann wieder auf die Straße. Er schlendert zu seinem Stammplatz, legt seine Mütze auf den Boden und setzt sich auf den eiskalten Straßenbelag. Vereinzelt geben Leute ein paar Cent, aber viele verspotten ihn, den Bärtigen, und schreien ihm unschöne Kraftausdrücke hinterher. Das ist sein Leben. Er kann nicht mehr arbeiten, sein Rücken macht das nicht mehr mit und auch seine Augen sind schon ziemlich schwach. Das verstehen nur wenige. An Tagen wie diesen sitzt er dann einfach nur da, lauscht dem Lärm und den Geräuschen der Passanten und schläft ab und an kurzzeitig ein. Was soll er sonst auch tun. Er kennt das Leben auf der Straße nun schon sehr lange, weiß sich zu helfen und zu kämpfen. Doch bald ist Weihnachten und das ist eine grausame Zeit. Die Leute sind glücklich, mit ihren Familien und Freunden. Er selbst hat seine Kinder zehn Jahre nicht mehr gesehen. Seine Frau ist abgehauen, aber die Ehe bestand noch lange auf dem Papier. Möglicherweise ist er schon Großvater. Bei dem Gedanken daran zuckt er missmutig mit den Schultern. Wer weiß. Einige Tränen huschen langsam über seine Pupillen und bahnen sich ihren Weg in Richtung der Wangen. Ja, der Dezember ist wirklich hart für ihn. Freunde hat er keine, nur bei Marie, einer guten Freundin, konnte er bereits öfter einen der Feiertage verbringen. Beim Erzählen davon huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Nähe ist ihm, dem Ausgestoßenen, wichtig. Einem, der ausgestoßen wurde, weil er nicht mehr in die Gesellschaft passt, sich nicht mehr richtig fügt, ihr zur Last geworden ist. Aber nächstes Jahr darf er eine ganze Woche nach Hamburg fahren. Den Trip hat er geschenkt bekommen. Von wem? Keine Namen! Es ist wieder kälter geworden, an diesem Vormittag im Dezember. Er jedoch schlägt den Kragen hoch, knöpft die Jacke weiter zu und geht einfach mit schweren Schritten los. Nach zehn Metern dreht er sich um und winkt mir zu, ehe er ganz verschwunden ist. Ein glücklicher Mann.
bflo - 5. Dez, 12:00
