Sonnen/blumen/feld
Mittwoch, 26. November, München
Gebt mir drei Wörter und ich schreibe euch einen Text, denn es bedarf nicht viel um literarisch produktiv zu sein. Schenkt mir vierunddreißig Zeilen eure Aufmerksamkeit und ich schenke euch das Geschriebene für die Ewigkeit. Drei-vierunddreißig, drei-vierunddreißig.
Sie steht auf der Bühne und singt. Ich denke sie ist so sechzehn oder siebzehn Jahre alt. Ihren Gesang begleitet sie selbst auf einer alt aussehenden Gitarre, die trotz einiger Schrammen im Holz immer noch irre gut klingt. Nur sie und ihr Instrument, unverfälscht und original. Die Bühne, das weite Rund, die Menschen...das ist die Wirklichkeit. Ihre Stimme verhallt irgendwo ganz hinten in der Stille, abseits der jubelnden Menge. Sunflowerfield. Es ist Sommer und sengende Hitze hat sich über die Stadt gelegt, wie eine warme Decke im Winter, unter der alles wohlig warm bleibt. Hier staut sich etwas, sucht ein Ventil und versucht nach draußen zu dringen. Die Decke kennte kein Pardon. Ich liege auf der, vom Regen der letzten Nacht noch feuchten Erde und lasse die Hitze meinen Körper zudecken. Ich rupfe einen Grashalm ab, spanne je ein Ende zwischen Daumen und Zeigefinger beider Hände und versuche darauf zu pfeifen. Es funktioniert...das hat es früher nie. Ich unternehme die verschiedensten Töne auf meiner kleinen Flöte und posaune sie hinaus in die Welt. Wolken kreisen über meinem Kopf, der Himmel ist herrlich blau. Ich inhaliere den Duft nach nassem Gras und warmem Sommer. Alles ist herrlich, mein Arm umschließt ein imaginiertes Etwas neben mir...ich halte es. Ich bade in einem Meer von Sonnenblumen, die um mich herum wachsen. Manche von ihnen sind mehr als zwei Meter hoch. Im Herbst werden sie abgeschnitten und den Vögeln vorgelegt, die aus den Köpfen die leckeren Kerne picken und sich ihren Wintervorrat anfuttern. Die Blumen sind dann nicht mehr so schön wie jetzt, liegen einfach nur da und die mächtigen Blüten welken und trocknen vor sich hin.
Ich bin zurück.
Die große Halle ist gut gefüllt und das Mädchen hat ihren Sonnenblumenfeld-Song beendet. Schade eigentlich. Kurz geht das Licht an und vernichtet die angenehm düstere Atmosphäre. Die Gitarre des Mädchens steht auf einmal neben mir in der Ecke. Ich schleiche mich hin, nehme sie in die Hand und betrachte sie von allen Seiten. Ein echtes Gebrauchsstück...bespielt und benutzt. Ich streiche mit meiner Hand vorsichtig über einige Seiten, bis seltsam klingende Töne zu hören sind. Es funktioniert...das hat es früher nie. Das Mädchen hat mich entdeckt. Ich fühle mich ertappt und stelle das Schmuckstück vorsichtig wieder an ihren Platz. Doch sie lächelt mich an, scheint nicht böse zu sein. Die Beleuchtung geht wieder aus und ich sehe das Mädchen in der Menschenmenge verschwinden...nach irgendwohin. Langsam drehe ich mich zur Bühne, denn die nächste Band beginnt zu spielen. Sonnenblumenfeld. Das werde ich so schnell nicht vergessen.
Gebt mir drei Wörter und ich schreibe euch einen Text, denn es bedarf nicht viel um literarisch produktiv zu sein. Schenkt mir vierunddreißig Zeilen eure Aufmerksamkeit und ich schenke euch das Geschriebene für die Ewigkeit. Drei-vierunddreißig, drei-vierunddreißig.
Sie steht auf der Bühne und singt. Ich denke sie ist so sechzehn oder siebzehn Jahre alt. Ihren Gesang begleitet sie selbst auf einer alt aussehenden Gitarre, die trotz einiger Schrammen im Holz immer noch irre gut klingt. Nur sie und ihr Instrument, unverfälscht und original. Die Bühne, das weite Rund, die Menschen...das ist die Wirklichkeit. Ihre Stimme verhallt irgendwo ganz hinten in der Stille, abseits der jubelnden Menge. Sunflowerfield. Es ist Sommer und sengende Hitze hat sich über die Stadt gelegt, wie eine warme Decke im Winter, unter der alles wohlig warm bleibt. Hier staut sich etwas, sucht ein Ventil und versucht nach draußen zu dringen. Die Decke kennte kein Pardon. Ich liege auf der, vom Regen der letzten Nacht noch feuchten Erde und lasse die Hitze meinen Körper zudecken. Ich rupfe einen Grashalm ab, spanne je ein Ende zwischen Daumen und Zeigefinger beider Hände und versuche darauf zu pfeifen. Es funktioniert...das hat es früher nie. Ich unternehme die verschiedensten Töne auf meiner kleinen Flöte und posaune sie hinaus in die Welt. Wolken kreisen über meinem Kopf, der Himmel ist herrlich blau. Ich inhaliere den Duft nach nassem Gras und warmem Sommer. Alles ist herrlich, mein Arm umschließt ein imaginiertes Etwas neben mir...ich halte es. Ich bade in einem Meer von Sonnenblumen, die um mich herum wachsen. Manche von ihnen sind mehr als zwei Meter hoch. Im Herbst werden sie abgeschnitten und den Vögeln vorgelegt, die aus den Köpfen die leckeren Kerne picken und sich ihren Wintervorrat anfuttern. Die Blumen sind dann nicht mehr so schön wie jetzt, liegen einfach nur da und die mächtigen Blüten welken und trocknen vor sich hin.
Ich bin zurück.
Die große Halle ist gut gefüllt und das Mädchen hat ihren Sonnenblumenfeld-Song beendet. Schade eigentlich. Kurz geht das Licht an und vernichtet die angenehm düstere Atmosphäre. Die Gitarre des Mädchens steht auf einmal neben mir in der Ecke. Ich schleiche mich hin, nehme sie in die Hand und betrachte sie von allen Seiten. Ein echtes Gebrauchsstück...bespielt und benutzt. Ich streiche mit meiner Hand vorsichtig über einige Seiten, bis seltsam klingende Töne zu hören sind. Es funktioniert...das hat es früher nie. Das Mädchen hat mich entdeckt. Ich fühle mich ertappt und stelle das Schmuckstück vorsichtig wieder an ihren Platz. Doch sie lächelt mich an, scheint nicht böse zu sein. Die Beleuchtung geht wieder aus und ich sehe das Mädchen in der Menschenmenge verschwinden...nach irgendwohin. Langsam drehe ich mich zur Bühne, denn die nächste Band beginnt zu spielen. Sonnenblumenfeld. Das werde ich so schnell nicht vergessen.
bflo - 28. Nov, 17:04
