Piece of paper
Dienstag, 18. November, München
Mit Handzetteln die Welt retten. Ich fahre aus dem Untergrund an die Oberfläche. Tageslicht flutet mein Gehirn, sodass es überall hell wird. Mit wärmenden Winterutensilien dick eingepackt stehen sie am U-Bahnaufgang, mit bunt bedruckten Papierzetteln in den Händen. Ein jeder einen dicken Stapel. Das Mädchen streckt mir einen hellgelben Zettel entgegen. Ohrenschützer in hellblau bedecken ihre Ohren, Handschuhe verschleiern ihre Hände. Ich nehme das Entgegengestreckte und überfliege den Inhalt. Umweltschutz, Klimawandel, Erderwärmung lauten die wichtigsten Schlagworte. Jeder kann die Zukunft verändern, die Welt retten. Du bist Superman, Batman und Spiderman in einer Person. Dreifaltigkeit...Triumvirat. Ich falte das Stück Papier ganz klein zusammen und lasse es in meine Tasche gleiten. Nur wenige Menschen, die an ihr vorübergehen greifen zu und nehmen einen der Zettel. Vier Meter weiter steht ein junger Mann und bietet Flyer mit feuerroten Blitzen darauf an. Ich lehne dankend ab und gehe weiter. So wenig Geld für so viel Verachtung, für so wenig Anteilnahme. Das ist ihr Job. Perspektivwechsel...subito.
Ich stehe hier und halte vorbeieilenden Studenten Handzettel entgegen. Das zarte Hellgelb leuchtet im fahlen Licht der Morgensonne. Mir ist kalt, weshalb ich die Ohrenschützer die ich trage noch ein Stückchen weiter über die Hörorgane ziehe. So wird die Welt leiser für mich. Nur wenige die hier vorbei kommen schnappen nach dem Stück Papier. Dabei könnte ein jeder von ihnen die Welt retten. Infomaterialen zu den Schandtaten und Umweltfreveln der großen Industrienationen. Auch zu Deutschland enthält der Flyer Informationen. Hinter mir steht Stefan. Er arbeitet ebenfalls bei der Agentur, für die ich heute hier stehe. Stefan verteilt Partyflyer mit hübschen Logos drauf. Sein Absatz ist besser, die Verteilung läuft. Er wird seinen Stapel schnell los. Mich hingegen scheinen die Menschen zu verachten. So viele gehen achtlos an mir vorbei. Hier habe ich heute keine Lobby. Morgen hingegen bekomme ich die Partyflyer. Denn wir wechseln uns der Fairness wegen stets ab. Ich würde das sonst nicht schaffen. Dann habe ich es doch irgendwann hinter mich gebracht und mein Arbeitstag ist zu Ende. Mir ist kalt. Die restlichen Handzettel, es sind noch ziemlich viele, verstaue ich in meiner Tasche und reibe frierend die Hände aneinander. Was für ein Tag. Ein Junge stach aus der Masse derer, die mich verachten, hervor. Er hat gelächelt, den Zettel genommen, ganz klein gefaltet und eingesteckt. Wenn ich Glück habe schaut er ihn zu Hause noch einmal an. Möglicherweise...
Mit Handzetteln die Welt retten. Ich fahre aus dem Untergrund an die Oberfläche. Tageslicht flutet mein Gehirn, sodass es überall hell wird. Mit wärmenden Winterutensilien dick eingepackt stehen sie am U-Bahnaufgang, mit bunt bedruckten Papierzetteln in den Händen. Ein jeder einen dicken Stapel. Das Mädchen streckt mir einen hellgelben Zettel entgegen. Ohrenschützer in hellblau bedecken ihre Ohren, Handschuhe verschleiern ihre Hände. Ich nehme das Entgegengestreckte und überfliege den Inhalt. Umweltschutz, Klimawandel, Erderwärmung lauten die wichtigsten Schlagworte. Jeder kann die Zukunft verändern, die Welt retten. Du bist Superman, Batman und Spiderman in einer Person. Dreifaltigkeit...Triumvirat. Ich falte das Stück Papier ganz klein zusammen und lasse es in meine Tasche gleiten. Nur wenige Menschen, die an ihr vorübergehen greifen zu und nehmen einen der Zettel. Vier Meter weiter steht ein junger Mann und bietet Flyer mit feuerroten Blitzen darauf an. Ich lehne dankend ab und gehe weiter. So wenig Geld für so viel Verachtung, für so wenig Anteilnahme. Das ist ihr Job. Perspektivwechsel...subito.
Ich stehe hier und halte vorbeieilenden Studenten Handzettel entgegen. Das zarte Hellgelb leuchtet im fahlen Licht der Morgensonne. Mir ist kalt, weshalb ich die Ohrenschützer die ich trage noch ein Stückchen weiter über die Hörorgane ziehe. So wird die Welt leiser für mich. Nur wenige die hier vorbei kommen schnappen nach dem Stück Papier. Dabei könnte ein jeder von ihnen die Welt retten. Infomaterialen zu den Schandtaten und Umweltfreveln der großen Industrienationen. Auch zu Deutschland enthält der Flyer Informationen. Hinter mir steht Stefan. Er arbeitet ebenfalls bei der Agentur, für die ich heute hier stehe. Stefan verteilt Partyflyer mit hübschen Logos drauf. Sein Absatz ist besser, die Verteilung läuft. Er wird seinen Stapel schnell los. Mich hingegen scheinen die Menschen zu verachten. So viele gehen achtlos an mir vorbei. Hier habe ich heute keine Lobby. Morgen hingegen bekomme ich die Partyflyer. Denn wir wechseln uns der Fairness wegen stets ab. Ich würde das sonst nicht schaffen. Dann habe ich es doch irgendwann hinter mich gebracht und mein Arbeitstag ist zu Ende. Mir ist kalt. Die restlichen Handzettel, es sind noch ziemlich viele, verstaue ich in meiner Tasche und reibe frierend die Hände aneinander. Was für ein Tag. Ein Junge stach aus der Masse derer, die mich verachten, hervor. Er hat gelächelt, den Zettel genommen, ganz klein gefaltet und eingesteckt. Wenn ich Glück habe schaut er ihn zu Hause noch einmal an. Möglicherweise...
bflo - 20. Nov, 23:40
