Schnellimbiss

Montag, 20. Oktober, München

Halb benommen taumle ich aus der S-Bahn. Den ganzen Tag über habe ich viel zu wenig gegessen, eigentlich und genau genommen gar nichts. Luft und Liebe? – davon kann man auf Dauer nicht leben. Mit mir ergießt sich ein gewaltiger Schwall Menschen auf den Bahnsteig. Alles hastet und rennt…alle haben sie unterschiedliche Ziele. Ich gebe mich dem Strom hin, werde ein Teil der Masse, verschmelze mit den anderen Menschen. Aus nahe liegenden Gründen beschließe ich also einen kurzen Zwischenstopp bei Burger King einzulegen. Ich kaufe einen Cheeseburger und stelle mich an einen der zahlreichen kleinen Tresen. Mein Blick geht durch die Runde, streift Menschen, Gesichter, Individuen. Genüsslich beiße ich in meinen Burger und genieße die Mischung aus zartem Fleisch und knackigem Gemüse. Sie hasten an mir vorbei, sind beständig in Eile, nehmen sich nur schnell irgendwas mit auf den Weg. In Zeiten wie diesen verkommt die gesittete Esskultur, obwohl an allen Ecken und auf allen TV Programmen gekocht wird. Sie verdient Rettung, die deutsche Esskultur. Dagegen mampfe ich meinen Burger geradezu in Zeitlupe. Ich meine im Gegensatz zu dem dicken Kerl, der sich gerade an mir vorbeipresst. Für mich hat es den Anschein, als habe er seinen Whopper innerhalb weniger Sekunden aufgegessen. Unglaublich. Eine blonde Frau, ziemlich hübsch, saugt neben mir ziemlich gierig und ziemlich laut an ihrem Soft-Drink. Wow. Der Burger King ist ein guter Platz um interessante und irgendwie auch bizarre Menschen zu treffen. Ich glaube, hier komme ich in Zukunft wieder öfter vorbei. Ein bisschen wie im Zoo.
Mittlerweile habe ich fast Angst, sie nie mehr wieder zu sehen. Ich weiß eigentlich, dass das nicht sein kann, denn irgendwann werde ich sie wieder sehen…ganz bestimmt. Momentan sind wir beide jedoch so gut wie nie zeitgleich an der Uni. Auch ein Treffen in der S-Bahn scheint ausgeschlossen, da wenn sie früh reinfährt ich nicht früh reinfahre und umgekehrt. Das wird alles werden, da bin ich mir ziemlich sicher. Es geht weiter, immer weiter, egal ob gut oder schlecht. Ich brauche mehr Vertrauen in die Zukunft, denn das, was auf mich wartet ist nicht nur negativ. Blick in das Licht am Anfang des Tunnels. Oder ist es doch schon dessen Ende? Als ich das Schnellrestaurant verlasse, ist es bereits dunkel. Ausnahmslos alle Autos fahren mit Licht...

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