Ein streunender Hund
Sonntag, 19. Oktober, München
Es gibt kein Draußen. Er steht alleine auf einer großen Wiese, deren zartes Grün die Nacht in stickiges Schwarz getaucht hat. Monoton glotzt er in Richtung der lichterloh brennenden Scheune. Ein hellgelber Feuerball erhellt die Nacht und taucht sie an dieser Stelle in gleißendes Licht. Es gibt kein Draußen. Er war einmal mehr ganz in der Nähe, der laute Knall der explodierenden Scheune hatte ihn hergelockt. Nun steht er da, mit einem gewissen Abstand zur Szenerie, aber dennoch ganz nahe. Beide Arme hat er fest geschlossen vor seiner breiten Brust verschränkt; die Ellenbogen stehen nach außen hin weg. Stummer Zeuge in der Nacht. In der Ferne ertönt jetzt irgendwo ein Martinshorn, Blaulicht ist zu sehen. Das Feuer droht langsam zu ersticken, scheint ihm doch der Brennstoff ausgegangen zu sein. Wo es sich zuvor voll gefressen hat, stehen jetzt nur noch einige gespenstisch aussehende Holzbalken in der Gegend herum. Tote oder Verletzte sind nicht zu beklagen. Er gibt die Stellung der Ellenbogen auf, befördert stattdessen beide Hände in die Hosentaschen und geht seelenruhig tiefer hinein in die Nacht. Es gibt für ihn kein draußen. Denn während rot gekleidete Feuerwehrmänner gegen die übrig gebliebenen Flammen kämpfen, ist er schon nicht mehr an diesem Ort. Es gibt für ihn kein draußen, da es auch kein drinnen gibt. Alles ist draußen, ausnahmslos und ohne Unterschied. Ab und an kommt er für ein paar Nächte bei Bekannten unter, oder nächtigt in der Bahnhofsmission am Hauptbahnhof. Doch meistens schläft er unter irgendeiner der zahlreichen Brücken in der Stadt. Auch im Winter. Er ist einer, ohne Heimat, ohne festen Bezugspunkt, ohne Lebensmittelpunkt. Er ist immer und überall. Sein Dach ist der Himmel, sein Kissen sind die Wolken. Am liebsten spiegelt er sich in einem glasklaren See, einem Bächlein oder einem etwas größeren Teich. Er genügt sich selbst und fällt niemandem zur Last.
Bis vor zwei Monaten. Man hat ihn aufgenommen und zurückgeführt in die Gesellschaft. Acht Stunden am Tag steht er in seinem Revier und verkauft die Obdachlosenzeitung “Angepackt!” Er ist quasi selbstständig und verdient sein eigenes Geld, gutes Geld. Es gibt wieder ein draußen, weil es ein drinnen gibt. Drinnen, das ist seine neue Wohnung, die er vor drei Tagen bezogen hat. Er lebt wieder unter Menschen, aber ab und an ist er immer noch gerne der Streuner, der am liebsten mit verschränkten Armen bizarre Situationen beobachtet und nette Menschen kennen lernt. Er ist nun Verkäufer, und trotz Wohnung geht er nachts gerne mal raus auf die Straße...nach draußen, wie er dann sagt.
Es gibt kein Draußen. Er steht alleine auf einer großen Wiese, deren zartes Grün die Nacht in stickiges Schwarz getaucht hat. Monoton glotzt er in Richtung der lichterloh brennenden Scheune. Ein hellgelber Feuerball erhellt die Nacht und taucht sie an dieser Stelle in gleißendes Licht. Es gibt kein Draußen. Er war einmal mehr ganz in der Nähe, der laute Knall der explodierenden Scheune hatte ihn hergelockt. Nun steht er da, mit einem gewissen Abstand zur Szenerie, aber dennoch ganz nahe. Beide Arme hat er fest geschlossen vor seiner breiten Brust verschränkt; die Ellenbogen stehen nach außen hin weg. Stummer Zeuge in der Nacht. In der Ferne ertönt jetzt irgendwo ein Martinshorn, Blaulicht ist zu sehen. Das Feuer droht langsam zu ersticken, scheint ihm doch der Brennstoff ausgegangen zu sein. Wo es sich zuvor voll gefressen hat, stehen jetzt nur noch einige gespenstisch aussehende Holzbalken in der Gegend herum. Tote oder Verletzte sind nicht zu beklagen. Er gibt die Stellung der Ellenbogen auf, befördert stattdessen beide Hände in die Hosentaschen und geht seelenruhig tiefer hinein in die Nacht. Es gibt für ihn kein draußen. Denn während rot gekleidete Feuerwehrmänner gegen die übrig gebliebenen Flammen kämpfen, ist er schon nicht mehr an diesem Ort. Es gibt für ihn kein draußen, da es auch kein drinnen gibt. Alles ist draußen, ausnahmslos und ohne Unterschied. Ab und an kommt er für ein paar Nächte bei Bekannten unter, oder nächtigt in der Bahnhofsmission am Hauptbahnhof. Doch meistens schläft er unter irgendeiner der zahlreichen Brücken in der Stadt. Auch im Winter. Er ist einer, ohne Heimat, ohne festen Bezugspunkt, ohne Lebensmittelpunkt. Er ist immer und überall. Sein Dach ist der Himmel, sein Kissen sind die Wolken. Am liebsten spiegelt er sich in einem glasklaren See, einem Bächlein oder einem etwas größeren Teich. Er genügt sich selbst und fällt niemandem zur Last.
Bis vor zwei Monaten. Man hat ihn aufgenommen und zurückgeführt in die Gesellschaft. Acht Stunden am Tag steht er in seinem Revier und verkauft die Obdachlosenzeitung “Angepackt!” Er ist quasi selbstständig und verdient sein eigenes Geld, gutes Geld. Es gibt wieder ein draußen, weil es ein drinnen gibt. Drinnen, das ist seine neue Wohnung, die er vor drei Tagen bezogen hat. Er lebt wieder unter Menschen, aber ab und an ist er immer noch gerne der Streuner, der am liebsten mit verschränkten Armen bizarre Situationen beobachtet und nette Menschen kennen lernt. Er ist nun Verkäufer, und trotz Wohnung geht er nachts gerne mal raus auf die Straße...nach draußen, wie er dann sagt.
bflo - 21. Okt, 17:20
