Getreide und Mais
Montag, 13. Oktober, München
Den hässlichen pechschwarzen Rucksack, den ich damals zu Beginn meines Studiums bekommen habe, konnte ich vor drei Semestern erfolgreich gegen die etwas farbenfrohere Tasche tauschen. Beide tragen sie das grüne Logo meiner Universität, aber ich nutze die Tasche heute ebenso wenig, wie damals den Rucksack. Ich glaube, ich wollte einfach irgendetwas tauschen. Die Aussicht, sie heute zu sehen, ist wie ein dünner Strohhalm, an den ich mich verzweifelt klammere. Überhaupt sind dünne Strohhalme im Moment mein Rettungspunkt in allen möglichen Situationen. So lange habe ich sie nun nicht mehr gesehen. Morgens mit dem Gefühl erwacht, dass es klappt, dass wie uns begegnen werden, nachmittags mit der Erkenntnis nach Hause gefahren, dass es wieder nicht funktioniert hat. Wieder nicht. Mein Strohhalm, gebrochen wie erntereifes Korn auf dem Feld, wenn der Bauer mit dem Mähdrescher darüber hinweg poltert. Gebrochen, wie voller Mais im September, dessen Kolben der Landwirt erbricht und das schmackhafte Innere weiterverarbeitet. Gelbe Punkte bleiben zurück. So traurig.
Man merkt immer ganz leicht, wenn ein neues Semester beginnt, besonders im Winterhalbjahr. Der Campus kocht über, überall Studenten, wohin das Auge blickt. Ich schaue in viele bekannte Gesichter, manche davon waren ein paar Monate im Ausland, so dass wir uns länger nicht gesehen haben. Die Schlange an der Sportmarkenausgabe scheint kilometerlang und ich bin froh, dass ich meine schon letzte Woche gekauft habe. Geschäftiges Treiben überall. Erstsemester hetzen verwirrt und orientierungslos die langen Gänge entlang. Mittags sitze ich in der Cafeteria, trinke einen Becher Buttermilch und bin auf einmal so unglaublich müde. Alles um mich herum ist in heller Aufregung, aber ich blättere gelassen in einem Kinoprospekt. “Burn after reading”. Was wäre, wenn Max Brod, wie von Kafka befohlen, dessen Werk nach dem Tod des Autors einfach vernichtet hätte? Er hat alles richtig gemacht. Ich schlürfe die letzten weißen Tropfen aus dem Plastikbecher und werfe ihn vor mir in den Mülleimer. Dann mache ich mich zu Fuß auf den Weg, hinein in die Stadt, beinahe unverrichteter Dinge.
Den hässlichen pechschwarzen Rucksack, den ich damals zu Beginn meines Studiums bekommen habe, konnte ich vor drei Semestern erfolgreich gegen die etwas farbenfrohere Tasche tauschen. Beide tragen sie das grüne Logo meiner Universität, aber ich nutze die Tasche heute ebenso wenig, wie damals den Rucksack. Ich glaube, ich wollte einfach irgendetwas tauschen. Die Aussicht, sie heute zu sehen, ist wie ein dünner Strohhalm, an den ich mich verzweifelt klammere. Überhaupt sind dünne Strohhalme im Moment mein Rettungspunkt in allen möglichen Situationen. So lange habe ich sie nun nicht mehr gesehen. Morgens mit dem Gefühl erwacht, dass es klappt, dass wie uns begegnen werden, nachmittags mit der Erkenntnis nach Hause gefahren, dass es wieder nicht funktioniert hat. Wieder nicht. Mein Strohhalm, gebrochen wie erntereifes Korn auf dem Feld, wenn der Bauer mit dem Mähdrescher darüber hinweg poltert. Gebrochen, wie voller Mais im September, dessen Kolben der Landwirt erbricht und das schmackhafte Innere weiterverarbeitet. Gelbe Punkte bleiben zurück. So traurig.
Man merkt immer ganz leicht, wenn ein neues Semester beginnt, besonders im Winterhalbjahr. Der Campus kocht über, überall Studenten, wohin das Auge blickt. Ich schaue in viele bekannte Gesichter, manche davon waren ein paar Monate im Ausland, so dass wir uns länger nicht gesehen haben. Die Schlange an der Sportmarkenausgabe scheint kilometerlang und ich bin froh, dass ich meine schon letzte Woche gekauft habe. Geschäftiges Treiben überall. Erstsemester hetzen verwirrt und orientierungslos die langen Gänge entlang. Mittags sitze ich in der Cafeteria, trinke einen Becher Buttermilch und bin auf einmal so unglaublich müde. Alles um mich herum ist in heller Aufregung, aber ich blättere gelassen in einem Kinoprospekt. “Burn after reading”. Was wäre, wenn Max Brod, wie von Kafka befohlen, dessen Werk nach dem Tod des Autors einfach vernichtet hätte? Er hat alles richtig gemacht. Ich schlürfe die letzten weißen Tropfen aus dem Plastikbecher und werfe ihn vor mir in den Mülleimer. Dann mache ich mich zu Fuß auf den Weg, hinein in die Stadt, beinahe unverrichteter Dinge.
bflo - 14. Okt, 09:27
