Behind the eyes
Freitag, 10. Oktober, München
Pechschwarze Nacht umhüllt die gewaltige Festung hoch über der Stadt. Der Weg nach oben ist nicht sonderlich lang und beschwerlich und zu Fuß spart man zudem noch das Geld für die teuere Seilbahn, die einen zwar schneller ans Ziel bringt, aber irgendwie ja auch langweilig ist. Das Gebäude ist imposant, riesig und konnte über die Jahrhunderte hinweg von keinem Feind eingenommen werden. Erst um 1800 herum hat man das Bollwerk kampflos Napoleon übergeben. Es war eben eine andere Zeit. Wichtigste Geldquelle war das Salz, das in der Umgebung abgebaut werden konnte und der Stadt ihren Namen und den ungeheuren Reichtum beschert hat. Das weiße Gold konnte zentnerweise eingelagert werden. So wurden Lebensmittel auch über viele Tage und Wochen hinweg frisch gehalten, was ein Aushungern der Bewohner nahezu unmöglich gemacht hat. Es muss eine spannende Zeit gewesen sein, damals vor zweihundert oder dreihundert Jahren. Wahrscheinlich nicht immer angenehm, aber doch aufregend. Ich überlege, dass ich gerne einmal für ein paar Tage mein Leben im einundzwanzigsten Jahrhundert gegen eine Woche im Achtzehnten eintauschen würde. Auf der Burg zu leben, ihrem Schutz zu unterstehen, aber auch alle Pflichten und die dazugehörigen Arbeiten zu erledigen reizt mich durchaus. Ich wünsche mir, ein fahrender Salzlieferant zu sein, der Säcke voll weißem Gold hoch hinauf in die Lagerräume der Burg transportiert. Mit dem Pferdegespann schließlich wieder zurück in die Stadt, das verdiente Geld in Gasthäusern mit Frauen auf den Kopf zu hauen und ab und an einen sehnsuchtsvollen Blick hinauf auf die Burg zu werfen. Ein paar Münzen jedoch behalte ich als Sicherheit immer in der Tasche.
Die Führung bringt mich hoch auf den Turm, einen der höchsten Punkte über der Stadt. Ich kann weit über Salzburg hinweg sehen, erblicke hundert Lichter in der Ferne und nehme den fließenden Autoverkehr als winzige Punkte wahr, beinahe wie Ameisen. Ich lehne an der Brüstung und mein Blick schweift weit in die Ferne. Unter mir das Krautwächterhaus, das mittlerweile das Altenheim der Stadt Salzburg ist und von einer grünen Wiese weitläufig umschlossen wird. Beinahe solitär steht es dort, fernab vom dicht geballten Stadtleben. Ich denke wieder an sie, allerdings nur kurz, denn die Lichter und Farben ziehen mich sofort wieder in ihren Bann. Den Augenblick mit jemandem teilen, mit ihr teilen, einfach ihre Hand halten und einander zärtlich küssen. Ein Ausflug in die Utopie, in die Schatzkammer meiner Imagination. Dann müssen wir zurück. Durch Gänge und steile Treppen geht es wieder zum Ausgangspunkt. Die Festung allerdings verlasse ich noch nicht sofort, auch wenn die Führung vorbei ist. So viel gibt es noch zu sehen und hinter meinen Augen ist noch Platz.
Pechschwarze Nacht umhüllt die gewaltige Festung hoch über der Stadt. Der Weg nach oben ist nicht sonderlich lang und beschwerlich und zu Fuß spart man zudem noch das Geld für die teuere Seilbahn, die einen zwar schneller ans Ziel bringt, aber irgendwie ja auch langweilig ist. Das Gebäude ist imposant, riesig und konnte über die Jahrhunderte hinweg von keinem Feind eingenommen werden. Erst um 1800 herum hat man das Bollwerk kampflos Napoleon übergeben. Es war eben eine andere Zeit. Wichtigste Geldquelle war das Salz, das in der Umgebung abgebaut werden konnte und der Stadt ihren Namen und den ungeheuren Reichtum beschert hat. Das weiße Gold konnte zentnerweise eingelagert werden. So wurden Lebensmittel auch über viele Tage und Wochen hinweg frisch gehalten, was ein Aushungern der Bewohner nahezu unmöglich gemacht hat. Es muss eine spannende Zeit gewesen sein, damals vor zweihundert oder dreihundert Jahren. Wahrscheinlich nicht immer angenehm, aber doch aufregend. Ich überlege, dass ich gerne einmal für ein paar Tage mein Leben im einundzwanzigsten Jahrhundert gegen eine Woche im Achtzehnten eintauschen würde. Auf der Burg zu leben, ihrem Schutz zu unterstehen, aber auch alle Pflichten und die dazugehörigen Arbeiten zu erledigen reizt mich durchaus. Ich wünsche mir, ein fahrender Salzlieferant zu sein, der Säcke voll weißem Gold hoch hinauf in die Lagerräume der Burg transportiert. Mit dem Pferdegespann schließlich wieder zurück in die Stadt, das verdiente Geld in Gasthäusern mit Frauen auf den Kopf zu hauen und ab und an einen sehnsuchtsvollen Blick hinauf auf die Burg zu werfen. Ein paar Münzen jedoch behalte ich als Sicherheit immer in der Tasche.
Die Führung bringt mich hoch auf den Turm, einen der höchsten Punkte über der Stadt. Ich kann weit über Salzburg hinweg sehen, erblicke hundert Lichter in der Ferne und nehme den fließenden Autoverkehr als winzige Punkte wahr, beinahe wie Ameisen. Ich lehne an der Brüstung und mein Blick schweift weit in die Ferne. Unter mir das Krautwächterhaus, das mittlerweile das Altenheim der Stadt Salzburg ist und von einer grünen Wiese weitläufig umschlossen wird. Beinahe solitär steht es dort, fernab vom dicht geballten Stadtleben. Ich denke wieder an sie, allerdings nur kurz, denn die Lichter und Farben ziehen mich sofort wieder in ihren Bann. Den Augenblick mit jemandem teilen, mit ihr teilen, einfach ihre Hand halten und einander zärtlich küssen. Ein Ausflug in die Utopie, in die Schatzkammer meiner Imagination. Dann müssen wir zurück. Durch Gänge und steile Treppen geht es wieder zum Ausgangspunkt. Die Festung allerdings verlasse ich noch nicht sofort, auch wenn die Führung vorbei ist. So viel gibt es noch zu sehen und hinter meinen Augen ist noch Platz.
bflo - 11. Okt, 16:12
