Nothing
Montag, 06. Oktober., München
Als ich, wieder zurück in München, aus dem Zug steige, ist der Druck wieder da. Druck, der von außen kommt; Druck, der auf mir lastet und mich hemmt, mich meiner Freiheit beraubt. Er kommt nicht von mir, ist also nicht hausgemacht, sondern seine Quelle liegt extern irgendwo. Auf Reisen fühle ich mich immer frei, unbelastet und beinahe schwerelos. Der geregelte Tagesablauf, dass immer währende Funktionieren hört auf und eine Art geordnetes Chaos rückt an die vakant gewordene Stelle. Mit meiner Vermutung sollte ich Recht behalten. Als ich geschrieben habe, ich werde sie lange nicht mehr sehen, hätte ich nicht gedacht, dass es so lange sein wird. Die letzte Begegnung muss im Juli, oder gar schon Ende Juni gewesen sein. Das spielt auch gar keine Rolle, denn in jedem Fall ist das Ganze schon viel zu lange her. Meine einzige Hoffnung bleibt der kommende Sonntag. Sie wollte immer schon einmal mitkommen und nun ist die Chance da. Ich bin gespannt und sollte es wieder nicht klappen, werde ich wohl oder übel aufgeben müssen. Ein letzter Trumpf, ein letztes Ass im Ärmel. Diesmal muss es funktionieren. Als ich den Bahnhof verlasse und hinaus auf die Straße trete ist die Luft herrlich klar und angenehm frisch. Es muss auch hier vor kurzem heftig geregnet haben. Ich gehe einige Schritte und plötzlich ist es da; das “Nichts”. Vor meinen Augen beginnen die bunten Bahnhofslichter wild zu tanzen und in der Ferne hüpfen die Leuchtkegel der Straßenlaternen. Das “Nichts” ist ungeheuer groß, bleischwer und ich erkenne, dass es diesen ungeheueren Druck erzeugt, der mich umschließt und zu zerquetschen droht. Ich presse meine Augenlieder eng aneinander, erzeuge so minimale Schlitze, durch die ich nur wenig sehen kann. Trotzdem bleibt das “Nichts”. Es ist ziemlich stark, sodass es mir nicht gelingt, es beiseite zu schieben. Stattdessen breitet es seine Arme aus und umschließt mich mit den mächtigen Pranken. Von oben schiebt sich etwas Merkwürdiges über meinen Kopf, bedeckt meine Haare, meine Nase und meinen Mund. Ich bin nun gänzlich gefangen. Mein Wille gegen das “Nichts” anzukämpfen wird mit jeder Minute geringer und ich drohe unter ihm zu ersticken. Die Gedanken schießen auf elliptischen Bahnen wild und unkontrolliert durch meinen Kopf und prallen dabei immer wieder aneinander. Ich bin kurz davor die Besinnung zu verlieren, so stark ist das “Nichts” das mich gebannt hält. TUNNELBLICK. Dann ist es plötzlich weg, hat die Flucht ergriffen, sich aus dem Staub gemacht. Ich stehe etwas orientierungslos vor der Einfahrt zu meinem Zuhause. Ich war den ganzen Weg also wie in Trance hergelaufen. Oder hat mich das “Nichts” getragen? Völlig abgeschaltet, alle Systeme heruntergefahren. Das Licht vor meinem Hauseingang flackert und signalisiert eine defekte Glühbirne. Langsam gehe ich darauf zu.
Als ich, wieder zurück in München, aus dem Zug steige, ist der Druck wieder da. Druck, der von außen kommt; Druck, der auf mir lastet und mich hemmt, mich meiner Freiheit beraubt. Er kommt nicht von mir, ist also nicht hausgemacht, sondern seine Quelle liegt extern irgendwo. Auf Reisen fühle ich mich immer frei, unbelastet und beinahe schwerelos. Der geregelte Tagesablauf, dass immer währende Funktionieren hört auf und eine Art geordnetes Chaos rückt an die vakant gewordene Stelle. Mit meiner Vermutung sollte ich Recht behalten. Als ich geschrieben habe, ich werde sie lange nicht mehr sehen, hätte ich nicht gedacht, dass es so lange sein wird. Die letzte Begegnung muss im Juli, oder gar schon Ende Juni gewesen sein. Das spielt auch gar keine Rolle, denn in jedem Fall ist das Ganze schon viel zu lange her. Meine einzige Hoffnung bleibt der kommende Sonntag. Sie wollte immer schon einmal mitkommen und nun ist die Chance da. Ich bin gespannt und sollte es wieder nicht klappen, werde ich wohl oder übel aufgeben müssen. Ein letzter Trumpf, ein letztes Ass im Ärmel. Diesmal muss es funktionieren. Als ich den Bahnhof verlasse und hinaus auf die Straße trete ist die Luft herrlich klar und angenehm frisch. Es muss auch hier vor kurzem heftig geregnet haben. Ich gehe einige Schritte und plötzlich ist es da; das “Nichts”. Vor meinen Augen beginnen die bunten Bahnhofslichter wild zu tanzen und in der Ferne hüpfen die Leuchtkegel der Straßenlaternen. Das “Nichts” ist ungeheuer groß, bleischwer und ich erkenne, dass es diesen ungeheueren Druck erzeugt, der mich umschließt und zu zerquetschen droht. Ich presse meine Augenlieder eng aneinander, erzeuge so minimale Schlitze, durch die ich nur wenig sehen kann. Trotzdem bleibt das “Nichts”. Es ist ziemlich stark, sodass es mir nicht gelingt, es beiseite zu schieben. Stattdessen breitet es seine Arme aus und umschließt mich mit den mächtigen Pranken. Von oben schiebt sich etwas Merkwürdiges über meinen Kopf, bedeckt meine Haare, meine Nase und meinen Mund. Ich bin nun gänzlich gefangen. Mein Wille gegen das “Nichts” anzukämpfen wird mit jeder Minute geringer und ich drohe unter ihm zu ersticken. Die Gedanken schießen auf elliptischen Bahnen wild und unkontrolliert durch meinen Kopf und prallen dabei immer wieder aneinander. Ich bin kurz davor die Besinnung zu verlieren, so stark ist das “Nichts” das mich gebannt hält. TUNNELBLICK. Dann ist es plötzlich weg, hat die Flucht ergriffen, sich aus dem Staub gemacht. Ich stehe etwas orientierungslos vor der Einfahrt zu meinem Zuhause. Ich war den ganzen Weg also wie in Trance hergelaufen. Oder hat mich das “Nichts” getragen? Völlig abgeschaltet, alle Systeme heruntergefahren. Das Licht vor meinem Hauseingang flackert und signalisiert eine defekte Glühbirne. Langsam gehe ich darauf zu.
bflo - 9. Okt, 10:45
