Rote Bullen

Sonntag, 05. Oktober, Salzburg

Nieselregen setzt ein, als wir Schloss Mirabell besichtigen. Vielmehr besichtigen wir nicht das eigentliche Schloss, sondern erfreuen uns an dem hübschen Garten, der darum herum angelegt ist. Auch der Orangerie statten wir einen kurzen Besuch ab. Im Zwergengarten besichtigen wir uns die Miniatursteinskulpturen und posieren, wie so viele andere Touristen, für Fotos davor. Ein Pegasus thront am Ende des einladenden Gärtchens als mächtige Skulptur auf einem steinernen Sockel. Darum herum ein kleiner Teich vollgefüllt mit Wasser. Mein Gesicht spiegelt sich an der ruhigen Oberfläche, aber ich erkenne im Wasser einige Münzen. Obwohl dichte Wolken vor der Sonne hängen, glitzert es verführerisch auf dem Grund des Brunnens. Ich stelle mich also mit dem Rücken zum Brunnen, einige Meter davor und werfe eine zwei Cent Münze über meine rechte Schulter. Ein Wunsch dazu und alles wird gut. Natürlich wünsche ich mir nur sie. Sie, die vor mittlerweile vielen Monaten aus Südafrika zurückkam. Hoffentlich hilft es auch was, aber mit zwei Cent kann man ja auch nicht viel falsch machen. Voller Hoffnung führt uns unser Weg weiter Richtung Fußballarena, denn dort spielt Salzburg gegen Wien. Es wird ein interessantes Spiel, das Salzburg am Ende durch ein Tor von Alexander Zickler knapp gewinnt. Der hat ja auch schon einmal bei Bayern gespielt, war aber ziemlich oft verletzt. Nee, is klar. Das EM-Stadion ist halbwegs modern und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Leider prangt überall Werbung für den koffeinhaltigen Energiedrink, der ja bekanntlich Flügel verleiht. Am Ausgang wird Cola verteilt. Junge Frauen drücken den Besuchern Aluminiumdosen in die Hand und leiern dazu ein monotones “Die neue Cola von Red Bull” herunter. Fast wie beim Abendmahl in der Kirche...der Leib Christi, nur moderner und in Dosenform. Der Weg zu Fuß zurück in die Stadt ist lang, aber nach dem vielen Sitzen tut es gut einige Meter zu gehen. Neben dem Dom gibt es ein riesiges Schachfeld mit auf den Boden aufgemalten Quadraten in schwarz und weiß. Zwei ältere Herren sinnieren über einer laufenden Partie. Ich kenne die Regeln des Spiels leider nicht, weiß nur, dass beispielsweise der Springer immer in L-Form ziehen muss. Zumindest meine ich mich dran zu erinnern. Eine Schande. Das Spiel der Könige...ich nehme mir vor, es eines Tages zu lernen. Dann geht es zurück zum Bahnhof und wir holen unser Gepäck und verlassen Salzburg. Eine schöne Stadt, viele Sehenswürdigkeiten und freundliche Menschen. Teilweise freundlicher als in München. Ich bin mir sicher, dass ich eines Tages hierher zurückkehren werde. Mal sehen. Der Regen hat aufgehört, wie immer, wenn ich irgendwo abreise und die Sonne zeigt sich. Im Zug werden unsere Fahrkarten nicht kontrolliert, nicht einmal in Deutschland.

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