Lieber libri

Donnerstag, 02. Oktober, München

Ich sitze auf meinem Bett und blättere in einem Buch. Gedankenverloren, in die Seiten vertieft. Wie toll doch eigentlich Bücher sind. Ich ziehe auf Papier Gedrucktes immer den blassen und flüchtigen Buchstaben im Internet vor (das ist auch der Grund, warum ich dieses Blog später ausdrucken und die Seiten in einem Ordner sammeln werde). Bücher sind kleine Feuerwerke für die Sinne, Stimulation für die Nervenenden, die mit Reizen gefüttert werden. Die einzelnen Buchstaben tanzen vor den Augen, reihen sich aneinander und bilden eine stimmige Einheit: Das Wort. Man blättert mit den Fingern Seiten um, springt vor und zurück, kann da weitermachen wo man will. Den zischenden Laut den das Papier macht, kann man nicht ersetzen. Bücher sind ein Stück Freiheit. Neben dem Ohr wird auch die Nase stimuliert. Ein Buch riecht immer speziell, immer ausgefallen und individuell. Schon mal an einem PC gerochen? Geruchsneutral. Der Tastsinn springt an, ich fühle das weiche Papier in meinen Händen, ich kann es greifen, oder mich daran schneiden. Nur schmecken kann man Papier nicht wirklich? Oder doch. Schmeckt irgendwie leicht wie die Oblaten während der Eucharistiefeier. Das ist Blasphemie? Schon gut, aber das ist die WAHRHEIT. Mein Buch ist “Es” von Stephen King. Ein unglaubliches Werk. Früher habe ich immer heimlich spät abends unter der Bettdecke gelesen. Das ist lange her und ich beschließe mir den Wälzer demnächst wieder vorzunehmen. Meine Lieblingsstelle finde ich gleich auf Anhieb. Ziemlich weit hinten, fast am Ende und beim Lesen fühle ich Gänsehaut; wie damals. Keine Ahnung, aber in dieser einen Stelle konzentriert sich das ganze Buch auf einen Moment, der zentral und wichtig ist. Zumindest für mich. Jeder hat in einem Buch ja irgendeine Lieblingsstelle, mit der seine Phantasie verknüpft. Das ist der Sinn von Büchern. Buch oder Internet? Buch, ganz eindeutig.
“Blicke und Berührungen, Blicke und ein Lächeln werfen mich aus der Bahn.” Der Satz ist von ihr. Ich finde ihn im Internet...zufällig. Sie hat ihn vor vielen Jahren geschrieben, da kannten wir uns noch gar nicht. Dieser Satz hätte auch von mir sein können. Dafür bewundere, ja liebe ich sie. Sie hat damals noch viele andere Sätze geschrieben, aber jener gefällt mir am Besten.
In der Maximilianstraße renne ich beinahe einen Mann über den Haufen...Heiner Lauterbach. Den Blick starr nach vorne gerichtet verschwindet er in einer der zahlreichen Edel-Boutiquen. Morgen nun Salzburg. Tapetenwechsel für drei Tage...muss sein. Loslassen.

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